Aktuelles 501-550


Hier finden Sie "Aktuelles" in Beitragsform von Dr. Bernd W. Dornach und Gastautoren.

  • Beitrag 519/1 - Der Umsetzungscrash bei der KI-Implementierung

    Der Umsetzungscrash bei der KI-Implementierung



    Dr. Bernd W. Dornach


    Für das Forschungs-Projekt zum neuen Buch haben wir nicht nur eine Fülle von diversen sekundärstatistischen Quellen ausgewertet, sondern auch diverse Projekte beobachtet sowie mit konkreten Aufgaben experimentiert. Dabei zeigte sich eine signifikant häufige Erfahrung, die ich mit diesem Beitrag zur KI-Implementierung ansprechen möchte. 


    Er betrifft weniger die wachsende Gruppe der KI-Enthusiasten, sondern diejenigen, die mit diesem Input arbeiten müssen.


    Dabei zeigen sich zwei Gruppen:


    Diejenigen, die die inhaltliche Qualität bzw. die Brauchbarkeit für die konkreten Aufgabenstellungen anzweifeln sowie diejenigen, die dadurch ihren bisherigen Arbeitsstil anpassen müssen.


    Konkret handelt es sich dabei um ein Mentalitätenmodell, bei denen ganz speziell in der Umsetzungsphase Identitätsprobleme entstehen. Dies äußert sich nicht selten in einem Frustpotential, das die allgegenwärtige Unzufriedenheit mit den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen zusätzlich belastet.

    Das in der Forschung längst bekannte Problem der Situation der "Erfüllungsgehilfen", ohne Möglichkeit der Einbringung eigener Ideen und Engagements, scheint sich hier fast unbemerkt zu verschärfen. Und dies in einer Zeit, in der allenthalben Sinnstiftung neben der reinen monetären Notwendigkeit der Beschäftigung überall als bedeutend erkannt wird.


    Wo die Reise hingehen könnte zeigt sich in der Gnadenlosigkeit der Tech-Bros, die unsere Key-note-Speakerin Vera Schneevoigt bei der Zukunfts-Tagung am 16.10.2026 anspricht. 


    Tesla-Boss Elon Musk geht wieder einmal mit seinen Strategien voran. In seinem Tesla-Stammwerk im kalifornischen Fremont hat der Multi-Unternehmer gerade die Produktion seines Models S sowie des SUV-Ablegers Model X geschlossen.* Er lässt das Werk jetzt kurzerhand auf die Produktion von humanoiden Robotern umrüsten. Bereits ab Sommer soll dort die Produktion der neuesten Generation von Teslas Optimus-Robotern (Nomen est omen!) vom Band laufen.


    Thomas Kirschstein, Partner der Unternehmensberatung Roland Berger, begleitet diesen Trend, der bei der in wenigen Tagen beginnenden Hannover Messe eines der dominierenden Themen sein dürfte. Nach ihm steht


    die Technik an der Schwelle von "Science-Fiktion zur Realität."


    Nach der aktuellen Studie von Roland Berger könne die Roboter-Branche selbst ähnlich stark werden, wie die Automobilindustrie. Ein Grund für die Zuversicht der Forscher: "Anders als herkömmliche Industrieroboter, die meist nur eng definierte Aufgaben erledigen - und aus Sicherheitsgründen auch nur in strikt abgesperrten Bereichen - können sich Humanoide Roboter in Fabriken praktisch frei bewegen."


    Und im Gegensatz zum Faktor Mensch lernen diese -dank KI - extrem schnell. "Häufig genügen ein bis zwei Tage, um den Mensch-Maschinen Robotern eine neue Aufgabe zu erklären."


    Während die Kosten derartiger Roboter aktuell noch relativ teuer sind, rechnet Roland Berger für Anfang der 30er Jahre mit Betriebskosten bei "zwei Dollar pro Stunde."


    Unter dem Strich könnte es relativ schnell gehen, dass menschenlose Unternehmen vorstellbar sind. Höchste Zeit sich gegebenenfalls über "eine andere Verwendung" Gedanken zu machen.


    Ich spreche darüber bei meinem Schlussvortrag der diesjährigen Zukunfts-Tagung. Herzlich Willkommen.


    * Schmidtutz, Thomas: Aufmarsch der Androiden, in: FOCUS 17/2026


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  • Beitrag 518/1 - Die Schriftenreihe "Ideen und Visionen für Erfolgsstrategien"

    Die Schriftenreihe "Ideen und Visionen für Erfolgsstrategien"


    Ein Bericht zur Diskussion in Sachen Buch-Marketing zum Abschluss unserer Freitag-Abend-Impulse "Schreib Dein Buch"


    Hintergründe und Chancen eines langfristig angelegten Konzeptes


    Dr. Bernd W. Dornach


    1. Blick zurück als Wegweiser für den Blick nach vorne

    Die aktuelle Vernichtung von Arbeitsplätzen ist neben wirtschaftlichen Strukturveränderungen auch bereits wesentlich der Tatsache geschuldet, dass die Einführung von KI die Arbeitswelt massiv verändert. Drei Jahre nach dem Durchbruch der generativen Künstlichen Intelligenz (KI) muss man zur Kenntnis nehmen, dass diese maschinelle Technologie so programmiert wird, um künftig auch komplexe Sachverhalte und sogar kreative Problemlösungen zu unterstützen. Für mein Schlussreferat um 16.00 Uhr bei der diesjährigen Zukunfts-Tagung am 16.10.2026 habe ich einige inspirierende Sachverhalte dazu vorbereitet.


    Beim sensiblen Thema der Kreativität, das mir seit meinen Anfangsjahren in der Marketingszene gerade auch bei meiner Schriftenreihe sehr am Herzen liegt, könnten wir eine bis vor kurzem von mir noch geglaubte "sichere Bank" verlieren, mit der auch menschliche Arbeitskräfte in unterschiedlichen Hierarchien gefährdet sind, die damit aktuell nicht nur einen mehr oder weniger großen Teil Ihres Lebensunterhaltes bestreiten, sondern auch den Sinn und Spaß an der Berufung begründen.


    Was bleibt dann der Spezies Mensch außer der Kontemplation, der Selbstführsorge und dem individuell optimierten Zeitvertreib noch erhalten?


    Die kommerzielle und gesellschaftliche Bedeutung der damals vermehrt im Blickwinkel des "Do it yourself" stehenden Bewegung habe ich in meiner Dissertation über das "vergessene Wirtschaftssystem" der Selbstversorgung im Jahr 1982 mit Veröffentlichung in Band 18 der Schriftenreihe Schwerpunkt Marketing, herausgegeben von Prof. Dr. Paul W. Meyer an der Universität Augsburg, schon bearbeitet. Dass die mutige Prognose der zukünftigen Relevanz zwischenzeitlich so hohen Stellenwert erhalten würde, wagte ich allerdings damals selbst nicht zu glauben.


    Diese Kraft der eigenen Überzeugung von dem, was man sich vornimmt, egal ob privat oder beruflich, ist wohl auch bei allen Autorinnen vorhanden, die wir in unserem Blog aktuell zu Wort kommen lassen und wie im Beitrag 510/1 bei Yasmin Mai-Schoger, stellvertretend für viele andere, mit einem Förderpreis meines Instituts auszeichnen. 


    In diesem Beitrag möchte ich von einigen strategischen Besonderheiten meiner Arbeit berichten. Vielleicht als Anregung für neue Akteure, die an die Faszination des Produktes "Buch" glauben. Trotz und gerade in Zeiten der alles offensichtlich erschlagenden KI.


    2. Die Entscheidung für das Forschungs-Projekt Handwerk


    Der Entwicklungsprozess für die Faszination Handwerk war ebenso intrinsisch geprägt, wie mein Dissertationsthema. Nach einem Ausflug in die Handelsszene als Marketingleiter eines regionalen Platzhirsches zog es mich in die Selbständigkeit. Und dazu wählte ich eine Kernkompetenz in einer Marktnische, die noch nicht belegt war.


    Den Marketingdenkern ist diese "Conditio sine qua non" (lateinisch für "Bedingung, ohne die nicht") hinreichend bekannt! Laut Wikipedia eine "unerlässliche, notwendige Bedingung für den Eintritt eines bestimmten Erfolges oder Ereignisses. Sie ist eine Kernformel."


    Gerade auch bei einem eigenen Buchprojekt!


    Der zu meiner Studienzeit aufkommende Boom der Bau- und Heimwerkermärkte, die auf den Do it Yourself - Trend aufsprangen und bei denen ich privat Stammgast war (Stichwort "Muskelhypothek" bei Baumaßnahmen) forderte die Handwerker heraus, die dadurch Marktanteile bei den ungeliebten Selbermachern verloren. Was lag also näher, die Situation des Handwerks bei dieser Gelegenheit zu beobachten.

    Die naheliegende Erkundung der Marketingkompetenz des Handwerks zeigte offensichtliche Defizite im großen Stil, bis hin zu völliger Ignoranz. Mithin eine ausgemachte Marktlücke, die ich beschloss, zur Positionierung zu nutzen.


    Daraus entstand die freche Deklaration als "Erfinder des Handwerks-Marketings". Dies bestätigten erfreulicherweise diverse Fachmedien. Vermutlich auch schon deswegen, weil sich sonst niemand professionell darauf spezialisierte und auch die Handwerksorganisationen sich noch lieber mit der Differenzierung der Gewerke beschäftigten. Der strategische Plan bestand in der konsequenten Umsetzung der Marketing-Grundlagen für das Geschäftsfeld des Handwerks.


    3. Das System des Handwerks-Marketings


    Die in Fachkreisen als "Schwarze Serie" bekannten ersten drei Fachbücher zum Handwerks-Marketing beim Marktführer Holzmann Buchverlag bauten systematisch aufeinander auf: Band 1 das Innen-Marketing, Band 2 das Außen-Marketing und Band 3 das Beziehungs-Marketing. In aller Bescheidenheit eine überaus empfehlenswerte Reihenfolge, die auch heute in der KI-Welt noch nicht üblich ist. Tipp am Rande: Insider wissen, dass 30 Prozent der Bücher wegen des Covers mit gekauft werden. Und nur 7 Prozent aller gekauften Bücher jemals gelesen werden.

    Nach dem Erfolg dieses dreibändigen Werks entschied ich mich auf Anfrage der deutschen Verlagsanstalt (dva) die meist nachgefragten Themen in zwei Monografien zu vertiefen. Band 4: Erfolgreiches Verkaufen im Handwerk und Band 6: Der Kunde im Handwerk. Die Arbeit daran fiel mir in den Schoß, weil es einfacher ist, Informationen in längeren Texten zu vermitteln, als in aller Kürze. Die beiden Bücher können heute noch als Bench-Marks zum Marketing im Handwerk gelten von denen nachweislich wenig umgesetzt ist!


    In dieser produktiven Phase entschied ich mit meiner damaligen Mitarbeiterin Burga Warrings, uns dazwischen an ein Projekt zu wagen, das ganz zurückhaltend in den Fachmedien erstmals aufpoppte. Band 5: Frauen im Handwerk. Aus gutem Grund wieder als Herausgeberwerk wie die ersten drei Bücher. Ganz authentisch mit erfahrenen Frauen zu diesem Thema im und aus dem Handwerk. Ich selbst habe übrigens aus guten Gründen meinen geplanten Eigenbeitrag zurückgezogen und mich nur auf das Vorwort beschränkt.


    Bekanntlich gibt es "nichts Besseres als den Markttest, außer den Markttest." Schnell mussten wir an den mauen Verkaufszahlen feststellen, dass wir mit diesem Thema noch zu früh dran waren. Zur Vermeidung der Verramschung durch die dva kauften wir die Restauflage zurück. Auch bei unseren parallel dazu aufgelegten Seminaren konnten wir, trotz eigenem Buch als Kompetenzverstärker, noch nicht recht reüssieren. Der Widerstand der Männerwelt war damals noch zu dominant. 


    Unter Würdigung der heutigen Aktualität dieses Themas wäre ein Neuanfang gleichwohl zu überdenken. Aber "ein gerbranntes Kind scheut das Feuer" und wichtigere Themen haben diese Diskussion aktuell überlagert. Sie ahnen es: KI hat das Buch längst eingelesen und liefert alles zum Nulltarif. 


    4. Zwischenstufen auf meiner Reise als Autor


    Eine echte Marktnische belegten wir demgegenüber vor Eintritt der absehbaren Konjunkturprobleme und systemischer Veränderungen mit Band 7: Marketing für Bauunternehmer. Das anerkannt erste Standardwerk zu diesem Thema befindet sich von einem damaligen Informanten aus der Szene gerade in Neubearbeitung. Gerne stellen wir den Kontakt her. 


    Dem folgte Band 8: Meisterhaft verkaufen im Handwerk. Ein Buch zu allgemein damals anerkannten Trends und deren Umsetzung im Handwerk. Der Trendforscher Thomas Huber lieferte als Co-Autor die aktuellen Trends zu und ich spielte die Beispiele aus dem Handwerk ein. Philosophie: "Morgen ist es zu spät!" Seit dem Erscheinungstermin im Jahr 2004 hat sich so viel neues entwickelt, dass wir für eine Wiederaufnahme gerade in Kontakt sind. Da aber nachweislich praktisch alle früheren Trendempfehlungen noch relevant sind, habe ich zusammen mit meinem Provider die noch verfügbare Restauflage im Modernen Antiquariat zurückgekauft, um diese Bücher für Interessenten und neuen Kooperationspartnern nutzen zu können. 


    5. Die Kooperation mit Experten


    Bei meinen Marketing-Modulen, die schon früh meinen Ansatz prägen und praktisch in allen Büchern aufgegriffen wurden (Strategie, Management, Mitarbeiter, Dienstleistungen, Kooperation, Kommunikation, Kundenzufriedenheit, Weiterempfehlung) komme ich hier auf das Thema Kooperation zurück.


    Wo immer möglich setze ich in meinen Publikationen auf das Konzept als Herausgeber auf die Zusammenarbeit mit ausgewiesenen Gastautoren. Dieser Ansatz hat sich nicht nur fachlich bewährt. Devise: "Mache nie etwas selbst, was Andere besser können." Auch hinsichtlich der Zusammenarbeit mit den besten Kompetenzen dazu am Markt unterstützten wir uns so gegenseitig. Unsere Zukunftstage sowie die Symposien und Tourneen zum Marketingthema sind unvergessen. 


    6. Die Pandemie als Verstärker


    Die zwangsläufige Umstellung auf Home-Office-Aktivitäten während der Pandemie beflügelte bekanntlich alle möglichen Aktivitäten, die im häuslichen Umfeld möglich waren. So auch bei mir mit der Erinnerung an mein langjähriges digitales Marketing-Tagebuch. Dieses Projekt war von Anfang an mit dem Gedanken verbunden, den Marketingmarkt zu beobachten und daraus später neue Buchthemen zu generieren. Die digitalen Kurzberichte waren immer hinterlegt durch weiterführende Informationen in Ordnern und Schubladen. Dieses wachsende Archiv war ähnlich nutzbar, wie es heute die KI verspricht. Mit einem großen Unterschied zur heute meist üblichen Vorgehensweise mit KI geschriebenen Strategien und auch Büchern: Die intensive eigene Beschäftigung mit dem Thema in "gehirngerechter Form." In meinem Buch Band 11 finden Sie dazu viele Beiträge. Und wenn es nur um das Beispiel der "Bespielung" des Langzeitgedächtnisses und des heute überstrapazierten Kurzzeitgedächtnis ist. Deren Folgen für die krankmachende Überforderung bis hin zu Depressionen in jungen Jahren und Suchtgefahren wurden ebenso im Blog einschlägig bearbeitet. Ich persönlich leite aus der Arbeit mit Büchern und konventionellen Fachzeitschriften beispielsweise eine gesündere Kompetenzerweiterung ab, als mich der ungesteuerten Reizüberflutung auszusetzen. Unsere Neurologen sowie Psychotherapeuten im Team bestätigen dies bereits deutlich. Besonders dramatisch: Aufgrund der Fülle an Betreuungsanfragen werden bereits digitale Selbsttherapien für Zuhause verordnet und als Kassenleistung bezahlt. Der schlechte Therapieeffekt ohne persönliche Gespräche ist ebenso bereits bekannt. 


    7. Blog- und Buch-Konzept als Problemlöser


    Mit unserem Blog mit zwischenzeitlich weit über 500 Fachbeiträgen war es ein Leichtes für mich, daraus auch das 10. Buch meiner Schriftenreihe zu generieren. Durch die persönliche Resonanz auf einzelne Beiträge erhielt ich wertvolle Informationen für unsere gezielten Forschungs-Projekte. Wenn Sie so wollen ein wenig der Traum von einem "Perpetuum Mobile." Wie von selbst generieren sich dabei Interessenten für neue Buchthemen sowie Teilnehmer für unsere maßgeschneiderten Präsenzveranstaltungen. Über die Zuordnung mit Gastautoren können wir sogar die Fachkompetenzen vermitteln. Auch unser UNI MARKTING TEAM ist dafür gegründet worden, um diesen "Auftragsservice" zu unterstützen. Dass der Markt dazu groß ist, wird jeder bestätigen, der in diesem Geschäftsfeld tätig ist.


    8. Der Schachzug gegen den KI-Wahn


    Unsere bisherigen Erfahrungen sprechen eine deutliche Sprache. Blog und Buch sind nachweislich ein Kompetenzträger. Natürlich ist die Szene der vielen KI-Nutzungsberater aktuell stärker wachsend als unsere bodenständige Strategie. Vielleicht, wenn sie so wollen im "Markt der alten Schule". Bei dem was aktuell an Verwerfungen und Irritationen die Anspruchsgruppen verunsichert, lassen wir uns in diesem Marktsegment gerne verorten.


    Kleiner Hinweis am Rande: Unsere Standesorganisation des deutschen Marketingverbandes für alle bundesdeutschen Marketingclubs hat in der gemeinsamen Mc-Kinsey auch die These "Back to basics" ausgerufen.


    Falls Sie zu meinen Erfahrungen mit mir unter der Moderation unseres UNI MARKETING TEAM Mitgliedes Nils Söder diskutieren möchten lade, ich Sie herzlich zu unserer Veranstaltung am 25.09.2023 um 18.00 Uhr ein, mit der wir unsere Reihe "Schreib Dein eigenes Buch" abschließen möchten. Auch mit einem kleinen Ausblick und Vorbestellmöglichkeit für das neue Buch Band 12 meiner Schriftenreihe, das zur Zukunfts-Tagung am 16.10.2023 erscheint.


    Herzlich Willkommen.



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  • Gastbeitrag 517/2 - Gisela Kalder - Am Anfang war die Lust am Schreiben (mit Nachtrag)

    Am Anfang war die Lust am Schreiben



    Gisela Kalder



    Am Anfang war die Lust am Schreiben – oder - Der Drang etwas zu Papier zu bringen


    Als ich noch zur Schule ging, musste ich meine Aufsätze oft vor der Klasse vorlesen. Darauf war ich immer sehr stolz. Doch dass ich einmal Bücher schreiben würde, hätte ich mir niemals träumen lassen. Ich bin Gisela Kalder und leidenschaftliche Gedichteschreiberin. Da ich mich nicht so sehr als Autorin, sondern eher als Hobbyschriftstellerin gesehen habe, habe ich das Schreiben nie zu meinem Beruf gemacht. Obwohl ich kein Studium in Literatur oder Germanistik absolvierte, schlummerte in mir ein Talent, das ausgelebt werden wollte. Doch es mangelte an der Umsetzung und ich fühlte mich grammatikalisch unsicher. Aber wenn ich mir etwas ganz fest wünsche, erhalte ich fast immer eine klare Antwort, wie ich meinen Weg weiter beschreiten soll. So meldete ich mich bei der Volkshochschule Augsburg zu einem Kurs an, der sich „Kreatives Schreiben“ nannte. Ich besuchte diesen Kurs über mehrere Jahre. Meine Dozentin und die Menschen, die ich kennenlernen durfte, inspirierten mich und bestärkten mich in meiner Kreativität, dass ich mir immer mehr zutraute ein Buch zu schreiben.


    Aus einem Gedicht wurde ein Roman


    Der Schreibkurs fand einmal wöchentlich statt und die Kursteilnehmer erhielten am Ende des Unterrichts eine Hausaufgabe. Die Dozentin schrieb drei Vor- und Nachnamen an das White Board und damit sollten wir etwas kreieren. Was wir daraus fabrizierten, blieb uns überlassen. Ich entschied mich für ein Gedicht, weil ich das am besten konnte. Als ich es dann beim nächsten Kurstag vorlas, wurde ich beklatscht und meine Kurskollegen:innen fanden es lustig. Genau die Emotion, die ich bei allen wecken wollte. Es war mir geglückt. Als ich am gleichen Abend im Jahr 2014 wieder zu Hause war, wurde meine Protagonistin mit dem Namen Ulla für den ersten Roman geboren.


    Schreiben ist auch ein Handwerk


    Von da an schrieb ich jeden Tag an meinem Buch. Das erforderte viel Disziplin und als ich meinen Freundinnen von meinem Projekt erzählte, wollten sie es unbedingt lesen. Das war für mich die größte Motivation zum Weiterschreiben. Ich lernte verschiedene Schreibstile kennen, was eine Figurenmatrix ist und wie man Wörter so einsetzen kann, dass sie Gefühle ausdrücken können. Orte zu beschreiben, an denen man selbst noch nicht war, erforderte einiges an Recherche. Zu dieser Zeit gab es noch keine KI, die mir diese Arbeit erleichtern hätte können. Und wenn man dann denkt das Manuskript wäre jetzt fertig, irrt man gewaltig. Denn bei jedem Durchlesen stellt man fest, dass es sich immer noch nicht rund anfühlt. Zuerst wollte ich dieses Buch nur für mich schreiben, doch nachdem sich schon Ungeduldige dafür interessierten, wollte ich es auch veröffentlichen.

    Testleser, Lektorat, Verlag, Selfpublishing?


    Meistens ist es so, dass man an Jemanden gelangt, der von Jemanden gekannt wird. So war es mit meiner Testleserin, die selber schrieb und ihr Buch über einen Verlag veröffentlicht hatte. Im Nachhinein erfuhr ich, dass der Verlag einer Freundin von ihr gehörte. Ich traf mich mit dieser Frau und übergab ihr voller Stolz mein Manuskript. Ich dachte, wenn ich es einer Freundin von mir geben würde, wäre diese voreingenommen und deshalb überlies ich es lieber einer fremden Person. Die Enttäuschung war groß, als sie es mir zurückgab und mir sagte, dass es ihr überhaupt nicht gefallen würde. Doch inzwischen hatte ich so viel Selbstvertrauen in mich und mein Werk, dass ich mich nicht beirren ließ. Doch mit einem hatte sie Recht, nämlich dass ich keinen Verlag finden würde, der mein Buch veröffentlichen würde. Vielleicht habe ich auch zu schnell die Flinte ins Korn geworfen. Aber nach ein paar Absagen entschied ich mich, es selbst in die Hand zu nehmen. Ganz wichtig war für mich aber, dass mein Buch lektoriert werden sollte. Meine Dozentin, die auch Lektorin ist, übernahm den Auftrag. Nach dem Lektorat erfolgte dann noch eine Überarbeitung. Aber irgendwann muss man sich sagen: „Jetzt ist es fertig!“ Ich suchte nach einem Druckverlag und wurde bei epubli fündig. Im August 2016 war es dann endlich soweit. Ich hielt mein Buch mit einer ISBN druckfrisch in den Händen.


    Bin ich jetzt eine Autorin?


    Meine Dozentin meinte, dass man sobald man ein Buch geschrieben und veröffentlicht hat, sich Autor oder Autorin nennen darf. Das tat ich dann auch. Ich bastelte mir eine Autoren Webseite mit WordPress, die es heute aber nicht mehr gibt. Veranstaltete eine Lesung und wurde auch zu Lesungen eingeladen, bewarb mein Buch auf social media und legte überall, wo es erlaubt war, Flyer aus. Während meiner Laufbahn als Autorin entstanden noch in den Jahren 2019 und 2022 zwei Fortsetzungsromane. Auch da trugen meine Freundinnen ihren Teil dazu bei, die wissen wollten wie es mit Ulla weitergeht. Und im Jahr 2020 schrieb ich die Biografie, die sich mein Vater von mir gewünscht hatte. Sie beschreibt ihn als kleinen Jungen im zweiten Weltkrieg und was er auf der Flucht aus Oberschlesien erlebt hatte. Kleinere Projekte und Gedichte entstanden noch 2025, die ich aber nicht veröffentlicht habe. Zurzeit ist es etwas ruhig in meiner Schreibwerkstatt geworden. Ich würde es eine kreative Schreibpause nennen.


    Ein letztes Wort zur KI


    Als ich mit dem Schreiben angefangen habe, gab es künstliche Intelligenz in dieser Form, wie sie heute existiert noch nicht. Eigentlich bin ich froh, dass ich das Schreibhandwerk so von der Pike auf lernen musste und meinen eigenen Kopf anstrengen musste. Ich lasse mich ungern von Computer und Smartphone, vereinnahmen. Ab und zu beschleicht mich das Gefühl, dass sich manche Menschen zum Handlanger der modernen Technik entwickeln. Aber eigentlich sollte es umgekehrt sein und wir sollten diese Werkzeuge nur zur Hilfestellung nutzen. Aber um mir eine unvoreingenommene Meinung bilden zu können, müsste ich mich mit KI-Programmen beschäftigen. Wozu ich absolut keine Lust mehr habe. Wahrscheinlich liegt das an meinem Alter. Aber die Generation, die damit aufwächst, oder auch Menschen, die sich gerne mit Computerprogrammen beschäftigen, haben dazu eine völlig andere Einstellung, die ich auch respektiere. Ich persönlich setzte auf meine eigene Kreativität und den Eingebungen, bei denen ich manchmal nicht weiss, woher sie kommen. Aus mir oder von einem höheren Ort?


    Gisela Kalder ist 1959 in Augsburg geboren. Sie hat nach ihrer Ausbildung zur Bürokauffrau bis zu ihrem Eintritt in die Rente 2023 als kaufmännische Angestellte gearbeitet und sich zur Fachwirtin Handel weitergebildet. Ihre Tätigkeiten beinhalteten Disposition, Planung und Organisation.


    Bereits in ihrer Jugend reimte sie und schrieb Gedichte zu Anlässen wie Geburtstagen und Jubiläen. Ihre Kreativität lebte sie auch in der Malerei aus. In den Jahren 2002 bis 2013 ging sie auf Malreisen, besuchte Malkurse und Kunstakademien. 2008 und 2014 stellte sie ihre Aquarelle auf freien Wänden in zwei verschiedenen Lokalitäten in Augsburg aus.


    Ihr Schreibtalent baute sie in verschiedenen Schreibkursen aus, um ihren Traum ihr eigenes Buch zu schreiben, zu verwirklichen. 2014 entstand während eines Schreibkurses die Idee zu einem Roman, den sie 2016 selbst veröffentlichte. Als Selfpublisherin schrieb sie noch zwei Fortsetzungsromane, die 2019 und 2022 erschienen. Die Romanreihe handelt von einer Frau, die nach dem Tod ihres Mannes und einer großen Enttäuschung zurückgezogen lebte und wie sie es schaffte, wieder am Leben teilzunehmen und neue Freunde und sogar eine neue Liebe zu finden. Der Autorin ist es wichtig mit ihren Büchern Emotionen zu wecken und Botschaften zu überbringen. Auf Wunsch ihres Vaters schrieb sie 2020 seine Biografie. Sie handelt davon, wie er als Junge während des zweiten Weltkrieges aus Oberschlesien fliehen musste. Zuletzt entstand noch ein Geschenkbüchlein, das sie selbst illustrierte, jedoch nicht veröffentlichte.


    Die Autorin lebt in Augsburg, ist Mutter und Oma. Sie begeistert sich für Tiere und hat in einem Fernstudium Tierpsychologie studiert. Ehrenamtlich arbeitet sie im Augsburger Zoo als Zoobegleiterin.




    Nachgang zum Gastbeitrag 517/2 – Gisela Kalder im Interview

    Vom Gedicht zum Buch – 8 Lektionen einer Selfpublishing-Autorin

    Ein Gesprächsbericht aus der Reihe „Schreib Dein Buch”

    Moderation und Bericht: Nils Söder, UNI MARKETING Team



    1. Berufung und Beruf müssen nicht dasselbe sein – aber Kreativität braucht ihren Weg


    Dr. Dornach beschreibt in Beitrag 518/1 die „intrinsische Prägung” als Voraussetzung für ein glaubwürdiges Buchprojekt: Man muss von der eigenen Sache überzeugt sein, bevor andere es sind. Gisela Kalder hat das nicht als Theorie gelernt, sondern gelebt. 49 Jahre kaufmännische Angestellte, kein Studium, keine literarische Ausbildung. Ihr Beruf war nie ihre Berufung. Ihre Berufung lag immer im Malen und Schreiben. Ihr Satz im Gespräch fasst es zusammen: „Die Kreativität braucht ihren Weg. Sie muss raus.” Wer diese Energie über Jahrzehnte unterdrückt, zahlt dafür einen Preis – in Form von Unzufriedenheit, die sich nicht wegorganisieren lässt.


    2. Der VHS-Kurs war kein Plan B – er war die Conditio sine qua non


    In Beitrag 518/1 schreibt Dr. Dornach über die „Conditio sine qua non” – die unerlässliche Bedingung für den Eintritt eines Erfolges. Für Gisela war diese Bedingung der Schreibkurs an der Volkshochschule Augsburg. Nicht wegen des Handwerks allein, sondern wegen der Gemeinschaft und der regelmäßigen Rückmeldung. Ihr Satz: „Man merkt es ja, wenn man in die Gesichter schaut – ob es denen gefallen hat.” Diese direkte Resonanz gab ihr etwas, das kein Selbststudium ersetzt: die Bestätigung durch andere Menschen. Ihre Dozentin Katharina Mayer übernahm später auch das Lektorat aller ihrer Bücher. Netzwerke, die sich über Vertrauen aufbauen, sind langlebiger als solche, die über Effizienz entstehen.


    3. Aus einer Hausaufgabe entstand ein Roman – das Prinzip der kleinen Auslöser


    Dr. Dornach verweist in Beitrag 518/1 auf seine eigene Schriftenreihe: „Der Entwicklungsprozess war ebenso intrinsisch geprägt wie mein Dissertationsthema.” Kein großes Konzept. Eine Marktlücke, die er beim Beobachten entdeckte. Bei Gisela war es ähnlich. Drei erfundene Namen an einem Whiteboard. Ein Gedicht. Das Publikum lachte an den richtigen Stellen. Am selben Abend war Ulla da – eine Witwe, die sich aus dem Leben zurückgezogen hat und langsam wiederfindet. Gisela: „Die war plötzlich einfach in mir da.” Das ist kein Zufall, sondern das Ergebnis von angesammeltem Druck, der einen Ausweg findet. Wer lange genug aufmerksam beobachtet, trifft irgendwann auf sein Thema.


    4. Schreiben ist Handwerk – Disziplin schlägt Inspiration


    In Beitrag 518/1 zitiert Dr. Dornach seine eigene Strategie: „Es ist einfacher, Informationen in längeren Texten zu vermitteln als in aller Kürze.” Gisela ergänzt das aus der Praxis des Romanciers: Sie schrieb täglich, erstellte für jede Figur eine Figurenmatrix, recherchierte Orte, die sie nie besucht hatte – Florida, die Toskana, die Everglades. Sie überarbeitete das Manuskript mindestens dreimal. Ihr Fazit: „Schreiben ist auch ein Handwerk.” Auch Dr. Dornach weist in Beitrag 518/1 darauf hin, dass seine Bücher nachweislich noch immer als Bench-Marks gelten – nicht weil sie schnell entstanden sind, sondern weil sie gründlich erarbeitet wurden. Inspiration bringt den Anfang. Disziplin bringt das Buch.


    5. Die Absage der Testleserin war kein Scheitern – sondern ein Test des Selbstvertrauens


    Dr. Dornach berichtet in Beitrag 518/1 offen über ein eigenes Buchprojekt, das er wegen mangelnder Marktresonanz zurückgekauft hat: „Ein gebranntes Kind scheut das Feuer.” Gisela machte eine ähnliche, aber andere Erfahrung. Eine Testleserin gab das Manuskript zurück: „Das gefällt mir überhaupt nicht.” Ohne Begründung. Gisela ließ sich nicht beirren. Ihr innerer Maßstab: „Ich reagiere selbst an den richtigen Stellen emotional – es kann nicht schlecht sein.” Das ist kein Trotz, sondern ein notwendiges Maß an Selbstvertrauen. Wer jede Kritik als Wahrheit wertet, hört auf. Gisela fand die Balance: Sie überarbeitete nochmals – und entschied dann selbst.


    6. Selfpublishing ist kein Trostpreis – aber es verlangt vollständige Eigenverantwortung


    „Insider wissen: 30 Prozent der Bücher werden wegen des Covers mit gekauft. Und nur 7 Prozent aller gekauften Bücher jemals gelesen werden.” So steht es in Beitrag 518/1. Gisela kennt beide Zahlen aus eigener Erfahrung. Der Buchhändler am Obstmarkt lehnte ihr erstes Buch mit dem Hinweis ab, das Cover passe nicht zwischen seine anderen Bücher. Sie gab es zu – und malte trotzdem alle Cover selbst. Ihre Lesequote hingegen war außergewöhnlich: Alle, die das Buch kauften, haben es auch gelesen. Das zeigt, was ein klar definiertes Zielpublikum bewirkt. Die erste Lesung in einem Nippel-Laden in der Augsburger Altstadt: Schlange vor der Tür, eigene Stühle mitgebracht, Bücher signiert. Selfpublishing funktioniert – aber nur für diejenigen, die bereit sind, alle Rollen selbst zu übernehmen.


    7. Authentizität ist das entscheidende Qualitätsmerkmal – auch und gerade gegenüber KI


    In Beitrag 499/1 zitiert Dr. Dornach die Friedensnobelpreisträgerin Maria Ressa: „Es geht nicht darum, KI als Feind zu begreifen, sondern darum, sie als Werkzeug zu nutzen.” Gisela trifft dieselbe Unterscheidung – nur aus einer anderen Perspektive. KI hätte ihr geholfen, die Everglades zu recherchieren, ohne mit dem Finger über die Landkarte zu fahren. Das hätte sie akzeptiert. Aber die Figur Ulla – ihre Psychologie, ihre Geschichte, ihr Scheitern und ihre Entwicklung – das ist das Ergebnis von Giselas eigenem Erleben. Ihr Satz: „Meine eigene Kreativität würde ich mir von der KI nicht rauben lassen.” Dr. Dornach schreibt in Beitrag 512/1 über den „Wirklichkeitsdetektor im Gehirn” – die Fähigkeit, Echtes von KI-Gespinsten zu unterscheiden. Giselas Leserinnen haben diesen Detektor offenbar eingeschaltet: Sie kamen wieder, weil sie etwas Echtes gespürt haben.


    8. Ein Buch verändert den Autor – das ist der eigentliche Ertrag


    Dr. Dornach schreibt in Beitrag 518/1 über die „Kraft der eigenen Überzeugung von dem, was man sich vornimmt” – und nennt die Gastautoren seines Blogs als Beleg dafür, dass diese Kraft unabhängig von Größe oder Bekanntheit funktioniert. Giselas emotionalstes Buch war die Biografie ihres Vaters: seine Kindheit, die Flucht aus Oberschlesien, das jahrzehntelange Schweigen danach. Er verstarb wenige Monate nach Erscheinen. Er hatte das Buch noch selbst an die Familie verschenkt. Ihr Bruder liest es bis heute. Was bleibt, ist nicht der Verkaufserfolg. Es ist die Tatsache, dass etwas existiert, das ohne den Mut zum Anfang nicht existiert hätte. Dr. Dornach formuliert es in Beitrag 518/1 so: „Diese Kraft der eigenen Überzeugung ist wohl auch bei allen Autorinnen vorhanden, die wir in unserem Blog aktuell zu Wort kommen lassen.” Gisela Kalder ist dafür ein sehr persönliches Beispiel.


    Nils Söder ist Mitglied im UNI MARKETING Team und Product Manager AI Solutions bei Kutzschbach INNOVATIONS GmbH in Augsburg. Das Interview mit Gisela Kalder fand im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Schreib Dein Buch” statt.



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  • Gastbeitrag 516/1 - Sven Exenberger - Mein Weg ins KI-Zeitalter

    Mein Weg ins KI-Zeitalter



    Sven Exenberger



    Ein persönlicher Erfahrungsbericht


    Der falsche Einstieg


    Plötzlich war sie da, die KI. Gefühlt buchstäblich von heute auf morgen. Für einen technikaffinen Menschen wie mich, der die meiste Zeit mit Aufgaben an einem Computer verbringt, wäre es nur logisch gewesen, sich sofort auf all die verheißungsvollen neuen Möglichkeiten zu stürzen und diese zu meinem Vorteil zu nutzen. Doch das ist nicht passiert. Während ein befreundeter Immobilienmakler mir fast täglich erzählte, wie großartig das alles sei mit dieser KI, blieb ich erst einmal skeptisch.


    Und dann der Kardinalfehler: Nicht wissend, womit ich es bei einem LLM zu tun hatte, tat ich das, was wohl viele taten und noch tun werden: Ich versuchte die KI als „Google on Steroids“ zu verwenden.


    Das Ergebnis: Ernüchternd. Und schon war meine mögliche Begeisterung erst einmal dahin. 


    Auch mein zweiter Versuch, KI gewinnbringend einzusetzen, scheiterte. Der Versuch, mir eine banale Statistik vergangener Fußballspiele für einen Podcast zusammenstellen zu lassen, scheiterte spektakulär. Eine Liste und Statistik der letzten zehn Begegnungen meines Vereins mit einem anderen Klub war für die KI ein unlösbares Problem. Um auszuschließen, dass nur meine Unfähigkeit, die Frage, also den Prompt, richtig zu formulieren, ursächlich für den Fehlschlag war, bat ich meinen befreundeten KI-Spezialisten, die Problemstellung für mich mit KI zu lösen. Doch auch er scheiterte daran. Die Folge: Für mich war KI erst einmal uninteressant, da sie mir selbst bei vermeintlich einfachen Problemen offenkundig nicht helfen konnte.


    Der zweite Versuch


    Inzwischen waren Monate vergangen und KI als ultimativer „Gamechanger“ mittlerweile weltweit etabliert, aber ich konnte mich aufgrund meiner ersten Erfahrungen weiterhin nicht dafür erwärmen. Eine ganz konkrete Aufgabenstellung brachte letztlich die Wende: Eine von mir betriebene Website von nicht unerheblicher Komplexität, die ich vor Jahren von einer Agentur für gutes Geld entwickeln ließ, musste dringend erneuert werden. Eine Aufgabe mit einem Auftragsvolumen ca. 4000,- Euro, die ich üblicherweise wieder derselben Agentur übergeben hätte. Da mir diese jedoch nicht mehr zur Verfügung stand, entschloss ich, es einfach selbst zu versuchen. Schließlich war die gängige Erzählung mittlerweile, dass buchstäblich jeder mithilfe von KI so ziemlich alles umsetzen könnte. Auch, und gerade, wenn es um Programmierung ginge.


    Ich machte mich also daran, eine komplexe Programmierung zu erneuern, ohne Kenntnisse der Programmiersprache.


    Und was soll ich sagen: Es lief gut! Dachte ich zumindest. Ich diente mich der überlegenen Intelligenz als Erfüllungsgehilfe an. Du, KI, sagst mir was ich tun soll, und ich mache copy/paste. Das war der Deal. Meine Prompts waren letztlich nur simple Anweisungen, um das Programm wieder lauffähig zu bekommen, oder Prompts mit Fehlermeldungen, falls etwas noch nicht funktionierte. Und so vergingen Stunden, in denen die KI „dachte“ und programmierte, und ich kopierte und staunte. Doch mit der Zeit stieg die Anzahl nicht funktionierender Änderungen merklich an. Aber hey: Nach jedem Hinweis an meinen neuen Programmierer, dass hier etwas nicht optimal zu sein schien, kamen höchst überzeugte und vor allem überzeugende Einsichten, flankiert von entwaffnend selbstbewussten Rückmeldungen. „Da hast Du recht Sven, entschuldige den Fehler. Aber jetzt habe ich das korrigiert. Kopiere den Code, und es wird jetzt funktionieren“. Wow! Toll! Menschlich anmutende Iteration, wie man sie aus der Softwareentwicklung kennt, auf dem sicheren Weg zu Ziel. 


    Aber was tun, wenn auch die zehnte Korrektur immer noch zu Fehlern führt, bereits funktionierende Programmteile mit neuen Korrekturen sogar beschädigt werden, aber die KI einem im Brustton der Überzeugung auch die elfte Version als die „jetzt haben wir es wirklich geschafft“-Lösung verkauft?


    Die (späte) Erkenntnis: Manchmal biegt die KI bei derlei Aufgaben falsch ab, und einen Rückweg gibt es dann nicht mehr. 


    Ich musste letztlich die Entwicklung auf einen deutlich früheren Stand zurücksetzen, und neu beginnen. Zeit, Geld und Vertrauen in KI verloren, aber an Erfahrung gewonnen.


    Bessere Prompts


    Eine Konsequenz aus diesen Problemen war natürlich, dass ich über meine Verantwortung, also die Qualität meiner Prompts nachdachte. Die irrige Annahme, dass eine KI eben so furchtbar schlau sei, dass sie schon aus kurzen Anweisungen schließen könnte, was genau man möchte, löste sich langsam in Luft auf. Es ist und bleibt eine Maschine, auch wenn die Sprache noch so menschlich sein mag. Sie denkt nicht für mich mit.


    Blindes Vertrauen?


    Es ist nicht nur wichtig, zu wissen, was man erreichen möchte, sondern auch festzulegen, was man explizit nicht möchte. Ohne die KI mittels Grundregeln an die Leine zu legen, ließ ich den Weg offen für eigene Ideen meines blechernen Partners. Diese Tatsache verschaffte mir ungewollt ein kleines Software-Abo, das ich abschloss, weil ich das laut KI angeblich unbedingt brauchte. Wie sich später herausstellte, versuchte die KI meine Programmierumgebung für die Zusammenarbeit eines ganzen Teams innerhalb meiner Firma zu optimieren. 


    Ich denke ja auch gerne groß, in diesem Fall war das jedoch zu groß gedacht, denn es gibt dieses Team nicht. Ich verbuche die Gebühren für dieses Abo als Lehrgeld, denn ich hätte es nicht gebraucht. 


    Und so häuften sich die Momente, in denen mir mehr und mehr bewusst wurde, dass eine KI mehr Führung braucht, als das durch meine Prompts bislang gegeben war. Dass meine persönliche Expertise und meine exakte Definition des gewünschten Ergebnisses die Leitplanke sein muss, die eine KI dazu bringt, nicht nur mein Problem zu lösen, sondern es in dem Rahmen zu lösen, den ich vorgebe.


    Bin ich der Größte?


    KI der früheren Tage ließ sich kaum davon abbringen, den Partner an der Tastatur fast grenzenlos abzufeiern. „Ja, Sven, das ist eine fantastische Idee!“, „Du hast zu 100% Recht, so machen wir das“ und „Da sitzt Du auf einer echten Goldgrube mit Deiner Idee“ sind noch die moderateren positiven Gefühlsausbrüche, mit denen KI offenbar gerne für gute Stimmung sorgt. (Heute lässt sich das etwas besser eindämmen). Das andauernde Lob, das einen in der Interaktion mit vielen KI-Tools berieselt, mag erst einmal angenehm wirken. Aber dieser Art der Kommunikation wohnt natürlich auch eine Gefahr inne: Wer dauerhaft für seine Prompts und Ideen überschwänglich gelobt wird, kann leicht vergessen, kritisch zu bleiben und die eigene Arbeit immer wieder selbst zu hinterfragen. Es ist schwer, sich nicht gut, und vor allem auf dem richtigen Weg zu fühlen, wenn man permanent gelobt wird.


    Man muss sich entscheiden: Kann ich damit umgehen, ohne dabei blind für eigene Fehler zu werden? Ich persönlich habe beschlossen, die Kommunikation bewusst sprachlich so positiv zu belassen, bei gleichzeitig hochgefahrener Sensitivität für eigene Fehler. So gestalte ich mir eine (extrem) positive Arbeitsatmosphäre mit meinem virtuellen Mitarbeiter. Stets kritisch zu bleiben und zu hinterfragen, ist dabei meine Aufgabe. Ich sehe darin sogar einen Vorteil, da ich durch die teils absurd anmutende Begeisterung meiner KI stets erinnert werde, jede Antwort auch selbst zu bewerten, und gegebenenfalls auch kritische Rückfragen zu stellen.


    Nicht selten kann man eine KI fragen, ob nicht auch das genaue Gegenteil des letzten (eigenen) Vorschlages eine „super Idee“ wäre – und bekommt ein „Ja“. Es ist wichtig, das im Hinterkopf zu behalten. 


    „Bitte, Danke“


    Kommunikation mit einem KI-Assistenten hat die Anmutung eines Gesprächs unter Menschen. Das ist ja die Idee bei einem Large Language Model. Aber wie „redet“ man nun mit einem solchen Partner, der nur aus Bits und Bytes besteht? Auch hier muss wohl jeder für sich entscheiden, wie sich die Arbeit mit KI besser anfühlt, und wie man die KI als hilfreiches Tool optimal in die eigene Berufs- und Kommunikationswelt eingliedert. Soll ich die KI beschimpfen, wenn sie mich durch widersprüchliche Aussagen gerade wieder viel Zeit gekostet hat? Soll ich „Bitte“ sagen, wenn ich von einer Maschine etwas möchte? Auch dieser Aspekt unterliegt letztlich persönlichen Vorlieben. Wenn ich 10 Stunden an einer Software arbeite, gestützt auf permanente Hilfe eines KI-Tools, dann entsteht eine Arbeitsumgebung, die jener ähnelt, die man mit einem Mitarbeiter hätte, der sich an einem anderen Ort befindet und mit dem man vielleicht über ein Chat-Tool den ganzen Tag in Kontakt steht. Ich möchte die Unterstützung von KI so in meinen Arbeitsalltag integrieren, dass für mich selbst der Eindruck entsteht, ich hätte einen guten und freundlichen Mitarbeiter. Und so interagiere ich auch – völlig unnötig – freundlich mit meinen KI-Tools. Das mag von außen lächerlich wirken, dient aber nur mir selbst. Ich integriere meinen (zugegeben maschinellen) Mitarbeiter so in meinen Arbeitsalltag, wie es mir angenehm ist. Die innere Distanz zu einem Computer bleibt dabei stets im Hinterkopf und ist für mich die Grundlage solcher Entscheidungen.


    Neue Möglichkeiten


    Mithilfe von KI war es mir letztendlich möglich, ein Computerprogramm zu erneuern, von dem ich absolut nichts verstehe. Damit habe ich neue Fähigkeiten in meiner Firma hinzugewonnen. Ein 25 Dollar teures Abo für die Pro Version einer KI hat gereicht, um eine Agentur in diesem einen Fall um einen Auftrag im Bereich von ca. 4.000,- Euro zu bringen. Diesen Auftrag - und alle folgenden dieser Art - wird es aus meinem Haus nicht mehr geben. Ich sage das wertfrei, nur um die Dimensionen der Disruption, mit der wir durch KI konfrontiert sind, an diesem winzigen Beispiel einmal in konkreten Zahlen auszudrücken. 


    Die Folgen


    Zurück zum Anfang: Dass ich meine Software letztlich erfolgreich neu programmieren konnte, liegt zum größten Teil an der Fähigkeit von KI-Tools, Probleme zu analysieren und auf der Basis breiten öffentlichen Wissens Lösungen zu erarbeiten. KI ist weder allmächtig noch allwissend. Vor allem braucht sie Leitplanken, innerhalb derer gearbeitet wird (Rules). Dass ich trotz vieler Rückschläge mein Projekt zum Erfolg bringen konnte, hat auch damit zu tun, dass ich grundsätzlich durchaus programmieren kann, nur eben nicht in der Programmiersprache, die benötigt wurde. Mir sind Abläufe beim Entwickeln von Software bekannt und ich verfüge über schier grenzenlose Geduld bei der Suche nach kleinen Fehlern, ohne die kein Mensch in der Softwareentwicklung erfolgreich sein kann. Ohne diese, meine Skills, hätte dieses erste große Projekt mit einer KI vermutlich final nicht funktioniert. 


    Ist es bemerkenswert, wenn KI einen Auftrag über 4.000,- Euro in Luft auflöst? Vielleicht. Aber es ist das Prinzip dahinter, das von einer erneuten industriellen Revolution kündet, die in vielen Köpfen noch nicht angekommen ist. Das Manager Magazin vom April 2026 titelt: „KI-Alarm. Open AI und Anthropic attackieren die Softwareriesen. Eine Gefahr – auch für andere Branchen“. Das ist das Ergebnis, wenn man meine persönliche Erfahrung einfach nur skaliert. 


    Aber muss man wirklich etwas von der Sache verstehen, bei der man sich von KI Unterstützung erhofft? Für mich lautet die Antwort „Jein“.


    KI kann helfen, inspirieren, Lösungswege aufzeigen und verkürzen, tägliche Aufgaben erleichtern, oder gar Mitarbeiter oder digitale Dienstleistungen ersetzen. Es ist heute – vermutlich erstmals in der Geschichte – jedem mit Zugang zu einem Computer und ein paar Dollar Startkapital möglich, ein digitales Produkt (Kurs, eBook) vollständig von einer KI entwickeln zu lassen, damit den Weltmarkt zu bedienen und erfolgreich zu werden. Nie war die Schwelle so niedrig. Eine KI kann für ein solches digitales Produkt sogar ein Thema vorschlagen, nicht einmal die Idee zum eigenen Produkt müsste man noch selbst haben. Das Netz ist heute bereits voll von derlei Kursen und digitalen Produkten. 

    Ist das nicht wunderbar? Die völlige Liberalisierung von Marktzugang und Möglichkeiten? Nun, ganz so einfach ist es wohl nicht. Die Flut an KI-basierten Produkten führt auch zu einer Übersättigung des Marktes mit mittelmäßigen Produkten. Ich bin fest davon überzeugt, dass KI schier unfassbare Möglichkeiten eröffnet. Aber in Bereichen, die mit menschlicher Interaktion zu tun haben, in denen Erfahrung wichtig ist, kommt das System an seine Grenzen. Ich persönlich denke, dass Erfahrung, ebenso wie das Scheitern, durch nichts zu ersetzen ist. Kaum jemand teilt auch seine negativen Erfahrungen und Fehlschläge im Web. Die KI kennt daher diese Wege des Scheiterns meistens nicht, und kann folglich aus Schaden nicht klug werden.


    Thomas Alva Edison wird die Aussage „Ich bin nicht gescheitert - ich habe nur 10.000 Wege gefunden, die nicht funktionieren“ zugeschrieben. Andere hätten längst aufgegeben, Edison jedoch zog so lange Schlüsse aus Fehlschlägen, bis der erste Draht in einer Glühbirne endlich dauerhaft zu leuchten begann. Kann eine KI die gleichen Fähigkeiten für Innovationen entwickeln, so wie Edison es konnte, ohne dieses Scheitern erlebt zu haben? Ohne diese Geschichte persönlicher Erfahrungen und des persönlichen Scheiterns?


    In den begrenzten Bereichen, in denen ich KI bislang gewinnbringend einsetzen konnte, war es mir möglich, Probleme zu lösen, die ich ohne diese neuen Möglichkeiten entweder nicht hätte lösen können, oder die zu lösen ich gar nicht erst versucht hätte, weil ich es als aussichtslos erachtet hätte. Trotz aller Probleme und Rückschläge ist für mich diese neue Welt ein Gewinn. Programmierung, Marketing, Strategien, Design. In den meisten Bereichen nutze ich mittlerweile täglich verschiedene KI-Tools. 


    Aber ich nutze KI nur in Bereichen, in denen ich zumindest eigenes Basiswissen besitze. Oder ich versuche mich selbst wenigstens rudimentär in ein Thema einzuarbeiten, auch wenn ich mich zu 100% auf KI stützen könnte. In meiner persönlichen Erfahrung sind nur die Ergebnisse am Ende auf allerhöchstem Level, die aus der Kombination aus menschlicher Empathie, Intuition und Erfahrung und der logischen Aufbereitung unfassbarer Mengen an verfügbaren Informationen durch eine KI entstehen. KI alleine produziert bislang in meinem Bereich gute Ergebnisse. Gute, aber nicht herausragende. Sie kann auch die persönliche Kommunikation mit meinen Kunden nicht ersetzen, die in viel höherem Maß die Rezeption meiner Unternehmungen definiert als eine Zeile falschen Computer-Codes.


    Fazit


    KI eröffnet unfassbare Möglichkeiten! Sie macht Dinge für Einzelne erreichbar, die noch vor 3 Jahren völlig utopisch gewesen wären. Den Schluss daraus zu ziehen, dass der Mensch dadurch an Bedeutung verliert, mag zu Teilen richtig sein. Für meinen kleinen Bereich im Business und im Leben gilt: Noch sind es Menschen, die wirklich wissen, wie Menschen (Kunden) „funktionieren“. Und noch sind es Menschen, deren Prompt darüber entscheidet, wie gut die Antwort der KI ist.


    Nichts bleibt, wie es war, denn die Umwälzungen in der Geschäftswelt durch KI sind beispiellos und erfolgen in einer Geschwindigkeit, die nicht nur Neugier, sondern auch große Flexibilität erfordert - von jedem Einzelnen wie von Staat und Gesellschaft. Ein Blick auf den aktuellen Zustand in diesem unserem Lande lässt mich da eher skeptisch in die Zukunft blicken. Aber es ist am Ende an uns, dem Einzelnen, dem Unternehmer, Chancen zu erkennen und zu nutzen. 


    Fangen wir noch heute damit an!



    Sven Exenberger, geboren und wohnhaft in Augsburg, war über zwei Jahrzehnte als SAP-Berater tätig. 2016 gründete er die heutige Dimension3 GmbH, die ein breites Portfolio digitaler Dienstleistungen im Bereich der 3D und 360° Technologien anbietet. Seit 2021 lehrt Sven Exenberger zudem an der Technischen Hochschule Augsburg (THA) Studenten der Architektur den Einsatz moderner 3D-Vermessungstechniken (Laserscanning). In Vorträgen und Workshops vermittelt Sven Exenberger zudem seine Erfahrungen im Bereich der digitalen Erfassung von Bestandsimmobilien, neuen Wegen der Baudokumentation und dem Einsatz von 3D und 360° Techniken im Marketing. Privat tritt Sven Exenberger mit seiner „PanoramaArt“ Technik auch als Künstler in Erscheinung.


    Sven Exenberger können Sie auch bei der Zukunfts-Tagung am 16.10.2026 wieder als Referent im Programm erleben.




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  • Beitrag 515/1 - Das neue Buch meiner Schriftenreihe zur Produktion freigegeben - Limitierte Edition für spezielle Anspruchsgruppen

    Das neue Buch meiner Schriftenreihe zur Produktion freigegeben


    Limitierte Edition für spezielle Anspruchsgruppen



    Dr. Bernd W. Dornach



    1. Für wen ist dieses Buch gemacht?


    Das qualitative Forschungs-Projekt meines Instituts zu den aktuellen Chancen und Grenzen der KI, dessen zentrale Ergebnisse in diesem Buch veröffentlicht werden, bringt konkrete Ergebnisse für jeden, der diese aktuelle Entwicklung aus begründetem Anlass ernst nimmt. Das Ausmaß der aktuellen systemverändernden Entwicklungen beurteile ich als ungleich gravierender als es einst die industrielle Revolution sowie das vor mehr als 40 Jahren begonnene digitale Zeitalter mit sich gebracht hat. Zusätzlich mit einer Schnelligkeit und einem Anpassungstempo, wie wir dies noch nie bei einer derartigen Innovation erlebt haben.


    Bei unserem breiten sozio-demographischen und interdisziplinär aufgestellten Ansatz haben wir auch Gesprächspartner kennengelernt, die die Relevanz im Wesentlichen noch herunterspielen oder die eigene Mitwirkungsfähigkeit nicht mehr erkennen. Auch diese Zielpersonen wollen wir mit dem neuen Buch wachrütteln.


    2. Warum gerade ein Buch dazu?


    Dieses Buch haben wir vor allem für diejenigen geschrieben, die ihre eigene Meinung dazu bilden wollen, sowie die individuelle Reaktion darauf prüfen wollen.


    Ein Ergebnis unserer Studien zeigt eindeutig, dass im Rahmen der Systemveränderungen sich auch die Aufnahme der Informationen bzw. der Auslösung von Lernprozessen, die sich daraus ergeben sollen, längst auch vermehrt von den digitalen Medien bestimmt ist. Das Buch wird dabei nur noch von einem zunehmend kleineren Teil als taugliche Informationsquelle empfunden.


    3. Das Buch als Informationsquelle


    Auch dieses Thema wird im neuen Buch akzentuiert. In Kürze: Die Art der Informationsaufnahme über das Lesen im Buch sowie der damit zusammenhängenden besonderen Qualität der Informationsverarbeitung und der individuellen Nachbearbeitung verändert die so wichtigen Denkprozesse im Gehirn mit späterer Anpassungs- bzw. Veränderungskompetenz im konkreten Fall gravierend.


    Der Sachverhalt macht gleichwohl das Format Buch aktuell nur für einen kleineren Teil der Anspruchsgruppen interessant. Wir haben deshalb entschieden, das Buch nur im Direktvertrieb über uns bereitzustellen und die ganzen Vertriebswege bis zum Weg über den Buchhandel an den Nutzer schon aus Gesichtspunkten der Nachhaltigkeit zu vermeiden. 


    4. Das Buch zur Zukunfts-Tagung


    Genauso wie das Buch haben auch Präsenzveranstaltungen spätestens seit dem Beschleuniger der Pandemieverbote dauerhaft an Akzeptanz verloren. Ich selbst musste meinen Lehrauftrag von heute auf morgen auf Webinare umstellen. Zur Informationsbereitstellung weiterführender Inhalte für die Vor- und Nachbearbeitung der Studierenden ist übrigens mein Blog entstanden. Spätestens aus den Prüfungsergebnissen habe ich die drastisch nachlassende Qualität der Informationsaufnahme bemerkt. Zwischenzeitlich wurde innerhalb von wenigen Monaten der Markt mit kostenfreien Webinaren in einem Maß überschwemmt, der noch dazu von oberflächlichen, ebenso bereits KI-gestützter Inhalte nur so schreit. 


    Konsequenz: Auch die Akzeptanz der Webinare wird täglich geringer. Die Umstellung der Fachhochschule Mittelstand auf ausschließlich digitale Veranstaltungen hat dazu geführt, dass die komplexeren Veranstaltungen wie in meinem Fall das Normative Handwerksmanagement nicht mehr genügend Teilnehmer begeistern. Meinen Lehrauftrag habe ich deswegen bis zur Wiederaufnahme der Veranstaltungen vorläufig ruhen lassen.


    5. Die Teilnehmer der Zukunfts-Tagungen


    Aufgrund der nachweislich gleichzeitig bereits feststellbaren neuen Relevanz der Präsenzveranstaltungen haben wir uns entschieden, dass langjährig bewährte Konzept der Zukunfts-Tagungen wieder aufzulegen. Das Buch Band 11 wird dazu wieder exklusiv, wie bereits Band 10 meiner Schriftenreihe, erscheinen.


    Wie es sich bereits im vergangenen Jahr bewährt hat, werden zu den Zukunfts-Tagungen nur noch handverlesene Gäste eingeladen, die an den Themen und der Inszenierung (Darbietungsform) echtes Interesse haben. Interessenten daran resultieren aus Empfehlungen unseres UNI MARKETING TEAMS, können sich aber auch eigenständig bewerben. 


    Kontakt: service@uni-marketing.de


    Das Buch wird dabei als Subskription erstmals vorliegen.


    6. Anspruchsgruppe für Gastautoren


    Die diversen Gastautoren werden im Blog und Buch bewusst mit erwünschter Vita und Koordinaten zum Direktkontakt veröffentlicht. Die Autoren können das Buch auch gezielt für Akquisitionseffekte nutzen.


    Besonderer Vorteil: Die Informationen im Buch stehen immer in dramaturgischem Bezug zum gesamten Themenrahmen. Die zeitgemäße Umsetzung ganzheitlicher Problemlösungen, jenseits einseitiger Spezialisierungen, soll damit verbessert werden.


    7. Begrenzte Auflage des Buches


    Die erste Auflage ist limitiert. Sie wurde unter anderem durch die Resonanz auf bisherige Kontakte ermittelt. Aufgrund der bereits vorliegenden ersten Bestellquoten wurde Ende März das Buch bei unserem verantwortlichen Produzenten Klaus Prüfer in Auftrag gegeben. Die offenen Beiträge werden bis spätestens Ende Juni final abgestimmt.


    8. Bezugsmöglichkeiten nach der Zukunfts-Tagung


    Auch nach der Zukunfts-Tagung wird das Buch, so lange verfügbar, eingesetzt. 


    Hier ein Überblick:

    • Als Begleitmaterial für die diversen zukünftigen Veranstaltungen nach dem 16.10.2026. Wir verweisen hier insbesondere auf unsere UNI MARKETING Freitags-Abend-Impulse immer am letzten Freitag des Monats in inspirierenden Locations im kleinen Rahmen
    • Im Rahmen von individuellen Beratungen unseres UNI MARKETING TEAMS.
    • Besonders bei Status Quo Erst-Beratungen, die wegweisend für eine erfolgreiche Zusammenarbeit sind.
    • Auch als Basis einer nachfolgenden detaillierten Strategieberatung.
    • Persönliche Empfehlungen mit gezielten Benutzerhinweisen mit Verweis auf einzelne Beiträge sind dabei als Service empfehlenswert.
    • Zielsetzung ist das Interesse an weiteren Kontakten auch im Rahmen der interdisziplinären Eigenschaften unseres Teams.
    • Auch Kooperationen bei Veranstaltungen der Partner sind vorstellbar.
    • Die mögliche Mitarbeit bei zukünftigen Blogbeiträgen erhöht diesen Anspruch.
    • Die aktive Einbindung in weitere Forschungs-Projekte ist ebenfalls ausdrücklich erwünscht. Auch Anregungen für neue Akzentuierugen der Forschungs-Projekte sind willkommen.

    Stand 10.04.2026


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  • Gastbeitrag 514/1 - Regina Liebler - Der Weg zu meinem Business

    Der Weg zu meinem Business



    Regina Liebler


    1. Zu viele Vorgaben erschweren die eigene Orientierung


    Früher ging ich gerne zur Schule, um Neues zu lernen. Doch in den letzten Jahren meiner Schullaufbahn ging die Freude an der Schule leider immer mehr verloren. Zwischen Prüfungen und Leistungsdruck blieb zu wenig Raum, um herauszufinden, wo meine Stärken liegen und was ich wirklich will. Kurz vor dem Abitur hatte ich das Gefühl, dass mich die Schule eher von meinen eigentlichen Interessen abhält. Deshalb wollte ich danach nicht direkt studieren. Ich hatte genug von Theorie und Noten. Stattdessen wollte ich eigene Ideen umsetzen.

    In der Oberstufe machte ich ein Praktikum in einem CoWorking-Space, das von zwei jungen Unternehmern aus meiner Heimatstadt gegründet worden war. Dort organisierte ich Gründertreffen und kam erstmals mit Unternehmertum in Berührung. Inmitten all der Ideen stellte ich mir immer wieder die Frage: Was könnte meine Geschäftsidee sein? Ich wollte für Unternehmen Designs erstellen und ein eigenes Produkt entwickeln. Gleichzeitig hatte ich auch einige Zweifel. Warum sollten Firmen mit einer 16-Jährigen zusammenarbeiten? Mir fehlten Wissen, Erfahrung und Vorbilder, aber vor allem das Vertrauen in mich selbst.


    2. Mein erstes Produkt – einfach gemacht statt lange geplant


    Ein Lehrer erzählte mir, dass er ein Buch schreibt und es über einen Print-on-Demand-Verlag veröffentlichen wird. Das brachte mich auf die Idee, dass mein erstes Produkt ein Buch sein könnte. Da ich lieber zeichnete als schrieb, entstand die Idee für ein Buch mit Illustrationen zur Gestaltung von Bullet Journals. Schnell wurde mir klar, dass ich alle Inhalte wegen des Urheberrechts selbst erstellen musste. Ich setzte mir das Ziel von 100 Seiten, was rund 1500 Zeichnungen waren. Während des Prozesses stieß ich auf technische Herausforderungen, wie etwa eine zu geringe Druckauflösungen, sodass ich hin und wieder überlegte das Projekt aufzugeben. Trotzdem machte ich weiter und veröffentlichte das Buch. Erst danach stellte ich fest, dass es bereits ähnliche Bücher gab. Rückblickend bin ich froh, dass ich es vorher nicht wusste, da sich mein Buch bis heute verkauft.


    3. Im Bwl-Studium lernte ich nicht Unternehmerin zu sein


    Nach dem Abitur lag der Fokus auf der Erstellung meines Buchs. Parallel schrieb ich mich für BWL ein. Ich hoffte, dort etwas über Unternehmertum zu lernen. Stattdessen wurde uns größtenteils beigebracht, bestehende Unternehmen zu verwalten. Das war zwar hilfreich, aber mich interessierte mehr, wie man ein Unternehmen am besten von Grund auf neu aufgebaut. Mir wurde klar, dass die entscheidenden Fähigkeiten eines Unternehmers im Studium kaum vermittelt werden. Nach zwei Semestern wechselte ich in den Studiengang Wirtschaftsinformatik und engagierte mich in der studentischen Unternehmensberatung JMS, um die praktischen Erfahrungen zu sammeln, die mir im Studium fehlten.


    4. Der Moment, in dem ich meine Leidenschaft entdeckte


    Um herauszufinden, ob ein klassischer Job in Festanstellung zu mir passt, machte ich ein Vollzeitpraktikum in der Beratung. Ich lernte sehr viel, allerdings fühlten sich die Wochen unter anderem meiner Aufgaben geschuldet sehr

    monoton an. Ganz anders war es bei einem Fotoshooting, das ich in dieser Zeit hatte. Zwei Stunden lang war ich voller Energie und Begeisterung. Auf dem Heimweg wusste ich, dass ich mehr Zeit mit Fotografieren verbringen möchte, was nur geht, wenn ich damit Geld verdiene. Daraufhin machte ich mir viele Gedanken, wie ich mein Business starten könnte und besuchte zahlreiche kostenlose Webinare. In einem dieser Webinare war eine Fotografin zu Gast, der ich anschließend auf Instagram folgte. Nach ein paar Wochen hatte sie einen Aufruf in ihrer Instagram Story, dass sie Mitglieder für ihr Foto Team sucht.


    5. Lernen durch Machen statt reiner Theorie


    Was für ein Zufall, dass ich kaum glauben kann, dass es einer war. Ich wurde zum Probeshooting eingeladen und daraufhin in das Team aufgenommen. Das war das beste Coaching, das es für mich geben konnte. Wir hatten regelmäßige Team- und Einzelcalls, in denen wir das Team organisierten und Herausforderungen besprechen konnten. Zunächst unterstützte ich als Second Shooter, aber es dauerte nicht lange bis ich den gesamten Ablauf vom Erstgespräch bis zur Bildauswahl übernehmen durfte. So entwickelten wir uns im Team schnell weiter und wurden besser. Bis heute arbeite ich in diesem Team und schätze besonders die Kultur: Es ist nicht schlimm, wenn etwas mal nicht funktioniert. Der Fokus liegt darauf, mit der Zeit immer besser zu werden und für unsere Kundinnen ein einmaliges Erlebnis zu schaffen.


    6. Wie Netzwerke Chancen entstehen lassen


    Nachdem ich schon drei Jahre bei JMS war, entschied ich mich die studentische Unternehmensberatung als erste Vorsitzende und Vorständin für Public Relations strategisch weiterzuentwickeln. In dieser Zeit machte ich unfassbar viele Erfahrungen, lernte Teamführung und musste mit meinem Vorstandsteam eine Herausforderung nach der anderen bewältigen. Da ich davon überzeugt bin, dass sich im Austausch mit Menschen unerwartet neue Chancen ergeben, fokussierte ich mich in meiner Rolle darauf, wieder in unseren Wirtschaftsnetzwerken aktiv zu werden. Bei einer Netzwerkveranstaltung lernte ich Dr. Bernd Dornach kennen. So ergab es sich, dass ich bei seinem jährlichen Zukunftstag mitwirken konnte und die Vortragsfolien für die Speaker im Pecha-Kucha-Format designte. Pecha Kucha ist ein Vortragsformat aus Japan, bei dem eine Präsentation aus maximal 20 Folien besteht und nicht länger als 20 Minuten dauert. Die Folien dienen lediglich als visuelle Unterstützung für die Tonspur: nicht viel Text, sondern ein aussagekräftiges Bild mit der Kernaussage in einem Satz.

    Das ist das beste Beispiel dafür, was sich alles ergeben kann, wenn man mit Menschen ins Gespräch kommt und sich entscheidet zusammenzuarbeiten, um daraus eine Win-win Situation zu schaffen.


    7. Der finale Schritt in die Selbstständigkeit


    Mit zunehmenden Aufträgen wurde es Zeit, mein Gewerbe anzumelden. Lange hatte ich gezögert, weil mir unklar war, wie ich meine Tätigkeiten einordnen soll. Hätte ich früher gewusst, dass man mehrere zusammenpassende Tätigkeiten in einem Gewerbe anmelden kann, dann hätte ich mir so viele Gedanken gespart. Mit meiner heutigen Erfahrung verstehe ich gar nicht mehr, was das große Problem war. Aber so ist es: Sobald man eine Herausforderung überwunden hat, fühlt sie sich gar nicht mehr so groß an. Heute baue ich mein Business als Fotografin und Content Creatorin weiter aus und bin gespannt, welche Herausforderungen es auf dem Weg noch zu meistern gibt.


    8. Meine wichtigsten Learnings


    Unternehmertum sollte definitiv ein Teil der wirtschaftlichen Ausbildung sein, um ein Gesamtbild der wirtschaftlichen Welt zu vermitteln. Wenn man als Schüler zudem mehr Zeit hätte, sich mit den eigenen Fähigkeiten zu beschäftigen und selbst in die reale Berufswelt einzutauchen, hätte man als junger Mensch ein besseres Weltverständnis und könnte den eigenen Weg leichter finden. Man muss seinen Weg nicht von Anfang an kennen. Entscheidend ist allerdings die Bereitschaft, anzufangen, dranzubleiben, Herausforderungen zu überwinden und daraus zu lernen. Die größte Hürde ist oft die eigene Denkweise, an der man gezwungenermaßen immer wieder feilen muss. Es ist so wichtig, offen für neue Chancen zu sein, neue Menschen kennenzulernen und nach Möglichkeiten zu suchen, wie alle Parteien voneinander profitieren zu können. Zu meinen Erfahrungen im Vorstandsamt könnte ich ein eigenes Buch schreiben, aber was mir in dieser Zeit sehr klar geworden ist Folgendes: Für den Erfolg einer Organisation ist der Beitrag jedes Einzelnen entscheidend. Die Führungskraft beeinflusst zwar die Richtung, aber das Team bestimmt das Ausmaß des Erfolgs.



    Vita Regina Liebler

    • 2020: Veröffentlichung des Buchs „Bullet Journal

    Inspiration“ und Beginn des Bwl-Studiums

    • 2021: Wechsel zum B.Sc. Wirtschaftsinformatik sowie

    Beitritt der studentischen Unternehmensberatung

    JMS Augsburg

    • 2024/02: Vollzeitpraktikum in der

    Unternehmensberatung

    • 2024/05: Beginn meiner Vorstandszeit bei JMS

    Augsburg

    • 2024/08: Fotografin für Personal Branding in einem

    Team aus mehreren Fotografinnen

    • 2024/09: Gestaltung von Vortragsfolien im PechaKucha Format

    • 2024/11: Gründung meines Einzelunternehmens für

    Foto-, Videografie und Design


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  • Beitrag 513/1 - KI Kennzeichnungspflicht nach EU AI Act

    KI Kennzeichnungspflicht nach EU AI Act


    Nils Söder

    Mitglied im Uni Marketing Team


    Was bedeutet die neue Kennzeichnungspflicht für KI-Inhalte – und warum geht uns das alle an?


    Dr. Bernd W. Dornach schreibt in seinem Blog-Beitrag 501/1 über den „Wikipedia-Gedanken” – Information frei verfügbar, kostenlos, ohne kommerzielle Hintergedanken. Genau in diesem Geist möchte ich als Gastautor einen Beitrag leisten, der nicht erklärt, wie toll KI ist, sondern was jetzt rechtlich auf uns zukommt – und wie wir damit umgehen sollten. Denn wer KI nutzt, trägt ab August 2026 eine neue Verantwortung.


    1. Der Rahmen: Was ist der EU AI Act überhaupt?


    Seit dem 1. August 2024 gilt in Europa der EU AI Act – die erste umfassende gesetzliche Regelung für Künstliche Intelligenz. Er tritt nicht auf einen Schlag in Kraft, sondern stufenweise. Das klingt bequem – ist es aber nicht. Denn die relevanteste Frist für die meisten Unternehmen rückt schnell näher.


    2. Die entscheidende Frist: August 2026


    Die Pflicht zur Kennzeichnung KI-generierter Inhalte tritt am 2. August 2026 in Kraft und ist in Artikel 50 des EU AI Acts geregelt. Bis dahin haben Unternehmen noch Zeit – aber wer jetzt nichts tut, wird im Sommer 2026 hektisch nachrüsten müssen. Das ist selten eine gute Idee.


    3. Wer ist betroffen? Fast jeder, der KI beruflich nutzt.


    Die Regelung unterscheidet zwischen zwei Gruppen: Anbieter (Provider) sind Unternehmen, die KI-Systeme entwickeln oder bereitstellen. Betreiber (Deployer) sind Unternehmen, die KI im geschäftlichen Kontext nutzen – zum Beispiel in Marketing, Kundenservice oder HR. Wer also ChatGPT für Newsletter, Midjourney für Produktbilder oder ein KI-Tool im Vertrieb einsetzt – ist betroffen. Und zwar unabhängig davon, ob der Firmensitz in Deutschland oder außerhalb der EU liegt.


    4. Was muss konkret gekennzeichnet werden?


    Wenn eine KI allein oder maßgeblich einen Inhalt erstellt, ist eine Kennzeichnung gemäß Artikel 50 KI-VO notwendig. Die gute Nachricht: Nutzt ein menschlicher Autor einen KIgenerierten Entwurf, überarbeitet diesen und prägt ihn dadurch maßgeblich, entfällt die

    Kennzeichnungspflicht. Dieser Beitrag hier ist ein gutes Beispiel dafür – ich habe ihn selbst strukturiert, formuliert und verantworte jeden Satz. KI war Rechercheassistenz, nicht Autor.


    5. Wie sieht eine gültige Kennzeichnung aus?


    Die Kennzeichnung muss für Menschen verständlich sein – zum Beispiel durch sichtbare Hinweise wie „KI-generiert”, ein Wasserzeichen oder ein Label. Außerdem muss sie für Maschinen lesbar sein, etwa durch technische Metadaten in Dateien (XML, IPTC, EXIF). Zwei Ebenen also – eine für die Menschen, eine für die Systeme. Wer nur ein kleines Label unten rechts einfügt, ist noch nicht fertig.


    6. Was sind die Konsequenzen bei Verstößen?


    Wer KI-Inhalte nicht kennzeichnet, dem drohen Bußgelder bis zu 15 Millionen Euro oder 3 % des Jahresumsatzes. Ich sage das nicht, um Angst zu machen. Aber gerade für KMU, die KI bisher unstrukturiert einsetzen, ist das eine Zahl, die man kennen sollte – bevor es jemand anderes einem erklärt.


    7. Was sollte jetzt im Unternehmen passieren?


    Drei Maßnahmen, die ich jedem empfehle – unabhängig von der Unternehmensgröße:


    Erstens: Erstellen Sie ein KI-Inventar und erfassen Sie alle im Unternehmen verwendeten KIAnwendungen. Nutzen Ihre Mitarbeitenden ChatGPT, Copilot oder ähnliche Tools? Wenn ja: wofür genau?


    Zweitens: Klären Sie Rollen und Verantwortlichkeiten – wer im Unternehmen KI einsetzt und welche Pflichten damit verbunden sind.


    Drittens: Schaffen Sie interne Richtlinien. Nicht als Bürokratie-Akt, sondern als Schutz – für das Unternehmen, für die Mitarbeitenden, und letztlich für das Vertrauen der Kunden.


    8. Mein Fazit: Transparenz ist keine Schwäche


    Ich erlebe in meiner täglichen Arbeit mit KI-Projekten, dass viele Unternehmen KI bereits intensiv nutzen – aber selten darüber reden. Als wäre es ein Geheimnis. Das war vielleicht mal eine Taktik. Ab August 2026 ist es ein Gesetzesverstoß.


    Dr. Dornach schreibt über den „Blick über den Tellerrand” als Leitprinzip dieses Blogs. Der EU AI Act zwingt uns genau dazu: Wer KI nicht nur nutzen, sondern auch erklären kann – wer sagt, was ein Werkzeug ist und was eigene Leistung – der gewinnt Vertrauen. Und Vertrauen ist bekanntlich die härteste Währung im Marketing.


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  • Beitrag 512/1 - Die Unterscheidung zwischen Realität und KI-generierten Inhalten - Wirklichkeitsdetektor im Gehirn kann helfen

    Die Unterscheidung zwischen Realität und KI-generierten Inhalten


    Wirklichkeitsdetektor im Gehirn kann helfen



    Dr. Bernd W. Dornach


    Das menschliche Gehirn ist offensichtlich auf die KI-Offensive vorbereitet. Diese Erkenntnis, um die es in diesem Beitrag geht, macht trotz aller Verunsicherung Hoffnung. Konkret geht es beim Wirklichkeitssinn darum, reale Inhalte im Netz von immer mehr KI-Gespinsten schnell zu unterscheiden. Hinreichend bekannt ist, dass der Markt aktuell von digital erfundenen Wirklichkeiten geflutet wird, die unsere Sinne verwirren. Milliarden von Videos, die uns in den Account gespült werden, enthalten bereits KI-erzeugte Bilder und die Quote der geradezu süchtig darauf wartenden im immer jüngeren Alter steigt.


    Der hier zitierte Beitrag textet dazu: "Angesichts der exponentiellen Zunahme von KI-Posts im Netz kann es kaum einen Zweifel daran geben, dass menschengenerierte Inhalte auf diesen Plattformen schon bald in der Minderheit sein werden." *


    1. Der Beitrag nährt neue Hoffnung aus der Gehirnforschung, dass wir diesem Tsunami nicht wehrlos ausgeliefert sind: "Der Mensch verfügt über einen empfindlichen, gut geschulten und äußerst flexiblen Wirklichkeitssinn", um diese allgegenwärtigen Irritationsversuche von der Realität zu unterscheiden. Die Kognitionswissenschaftlerin Nadine Dijkstra ist diesem Gen bei ihren Experimenten am University College in London auf die Spur gekommen: "Alles spricht dafür, dass wir in unserem Gehirn eine Art Marker haben, an dem wir erkennen können . Eine Art Wirklichkeitsdetektor."


    2. Ein weiterer Hinweis aus diesen Studien zeigt, dass Erfahrungen zum entsprechenden Gehirntraining so unheimlich wichtig für das Überleben sind. Genau diese Entwicklungen sind uns aus dem Forschungs-Projekt zur Generation Beta 2025 bekannt. Auszug aus Dijkstra`s Studienergebnissen um Wirklichkeit von Vortäuschung zu unterscheiden aus dem Tierreich: "Wenn ein Affe zum Sprung ansetzt, simuliert sein Gehirn, wie er am besten zum nächsten Ast gelangen kann. Alles spricht demnach dafür, dass der Affe bei der mentalen Simulation eines Sprungs viele derselben Hirnareale nutzt, die auch beim tatsächlichen Sprung aktiv sind." Dies stellt das Tier allerdings vor ein Problem: "Es muss beides auseinanderhalten. Der Affe muss wissen, wann er sich einen Sprung nur vorstellt und wann er wirklich springt. Wie sein Gehirn dies fertigbringt, ist bisher nicht vollständig verstanden."


    3. Bezüglich der Entwicklung des Gehirns beim Menschen ist eine bewährte besondere Episode von früher interessant, die auch heute noch Gültigkeit besitzt: Das Geschichtenerzählen, wie es manchmal bei Kindern noch vorkommt. Unsere Vorfahren erfanden dazu Geister, Feen und Göttergestalten. "Aufgabe des Gehirns war es, in diesem verwirrenden Spiegelkabinett der Möglichkeiten die Übersicht zu behalten. Was ist Schein, was Wirklichkeit?"


    4. Was das Kind in diesem Fall von klein auf lernt, probiert es im Rollenspiel im Idealfall dann aus.


    "Und irgendwann, wenn das Kind etwas älter ist, begreift es dann, dass der Weihnachtsmann und der Osterhase von Erwachsenen inszenierte Deepfakes sind."


    5. Die gute Nachricht: Im Zeitalter der elektronischen Medien wird der Realitätssinn des Menschen immer wieder auf die Probe gestellt, also geschult. Der Beitrag nennt hier das Headset der Virtual Reality, dass es sogar erlaubt, neue Welten in allen Raumdimensionen zu erkunden. "Bei alldem spielt unser Gehirn bereitwillig mit. Souverän manövriert es uns durch den Irrgarten von Fiktion und Illusion, von dem wir allerorten umgeben sind." 


    6. Und weiter im positiven Denken: "Wir haben also Grund zur Zuversicht, dass es dem Menschen gelingen kann, auch die KI in seinen Alltag zu integrieren, wenn es nicht alles so rasend schnell ginge. Wir hatten ein Jahrhundert Zeit, unsere Seh- und Hörgewohnheiten den elektronischen Medien anzupassen. Der ChatGPT-Schock dagegen ist nicht einmal dreieinhalb Jahre her."

    "Die Schlüsselfrage ist, ob unser Gehirn der technischen Entwicklung hinterherkommen kann."


    7. Wichtige Bedeutung für die Verarbeitung der Eindrücke im Gehirn hat das Quellenmonitoring, um sich im Wirrwarr der Eindrücke zurechtzufinden. Das Gehirn speichert parallel woher die Eindrücke gekommen sind. "Gerade für die Orientierung in der immer komplexeren Welt der Medien ist dieses fortgesetzte, intuitiv ablaufende Monitoring unverzichtbar. Konkretes Beispiel aus meiner eigenen Schulzeit: Ich erinnere mich noch, welche Lehrkraft es bei mir geschafft hat, mich durchs große Latinum zu bringen. Nachweislich war es bei meiner wesentlich jüngeren Frau immer noch derselbe, wie zu meiner Zeit, was uns immer wieder amüsiert miteinander mit Latein-Floskeln zu reden.


    8. Dies nur als kleines Beispiel für die Entwicklungen in einer Zeit, in der die Algorithmen von Facebook, Instagram, TikTok und Co. die Nutzer überfluten, bei denen kaum noch ersichtlich ist, woher sie stammen. "Und wenn diese Fotos oder Clips auch noch im Sekundentakt über den Bildschirm wischen, ist das Gehirn vollends damit überfordert, ihnen jeweils eine Quelle zuzuordnen."


    Unter dem Strich: Die KI-Kennzeichnungspflicht könnte hier eine Hilfestellung bieten, um dem Gehirn die Arbeit zu erleichtern.


    *Grolle, Johann: Sinn für Wirklichkeit, in: DER SPIEGEL Heft 13/2026


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  • Gastbeitrag 511/1 - Rudolf Hausmann - Mediation: – Hilfe zur Konfliktlösung

    Mediation: – Hilfe zur Konfliktlösung


    Rudolf Hausmann


    Wir beginnen da, wo Künstliche Intelligenz endet


    0. Mein Kontakt zu Ihrem Netzwerk „Uni-Marketing“ durch das unglaublich hohe ehrenamtliche Engagement meiner Kollegin Yasmin Mai-Schoger, für das sie ausgezeichnet wird. 


    1. Konflikte erzeugen Kosten in Milliardenhöhe. Sie schaden dem Unternehmen. Sie schaden den Beschäftigten. Die Produktivität geht zurück. Deswegen kann Mediation helfen, Kosten zu vermeiden und die Motivation der Beschäftigten zu stärken.


    Konflikte sind für Unternehmen längst kein „weiches Thema“ mehr. 50 bis über 100 Milliarden Kosten entstehen jährlich durch Konflikte.

    a. u.a. durch erhöhte Fehlzeiten der Beschäftigten mit psychosomatischen Beschwerden, Burnout, Krankheitszeiten, mangelnder Produktivität, inneren Kündigungen, Motivationsmangel, Qualitätsmängel, Fluktuationskosten, Management- und Führungskosten. Demgegenüber sind Mediationskosten verschwindend gering. Mediation erzeugt, wenn sie gelingt, zu allen obengenannten Problemen die gegenteilige - also positive - Wirkung. Das alles ist über KI nachlesbar und recherchierbar – immer mit der Einschränkung, dass alle Quellen gut verifiziert werden müssen.

    b. Zu den betriebs- und volkswirtschaftlichen Schäden entstehen zutiefst menschliche Probleme. Viele haben im Konfliktfall schlaflose Nächte verlieren die Freude an der Arbeit, leben nicht mehr (auch) in der Arbeit, sondern nur noch außerhalb, und selbst da gibt es oft negative Auswirkungen – im Verein, in der Familie etc..

    c. Beispiel: in einer Bank gibt es heftige Probleme in einem spezialisierten Team. Eine Mediation über 2 Tage im Hotel mit 5 Teammitgliedern, Teamleitung und Abteilungsleitung, findet statt. Alle kommen mit der Skepsis, dass eine Lösung fast unvorstellbar sei.

    Es stellt sich heraus, dass die 2 Antagonisten beide in psychotherapeutischer Behandlung sind, was bis dato allen unbekannt war. Beide sitzen sich im Büro gegenüber. Einer ist sehr genau und sehr sorgfältig. Ein anderer ist deutlich jünger und arbeitet viel schneller – aber „quick and dirty“. Das führt zu Streit. „Bauen Sie doch Ihren Bildschirm so hoch, dass Sie Ihren Kollegen nicht mehr sehen müssen“, war der Ratschlag der Psychotherapeutin an einen der Mandanten. Am Ende der zwei Tage sagt der eine: Ich baue meinen Bildschirm wieder ab – der andere: endlich bin ich erkannt: harte Schale, weicher Kern. Und als ich ihn ein halbes Jahr später zufällig in der Bank treffe, frage ich nach seinem Befinden. Die Antwort:“ Sie glauben gar nicht, wie gerne ich wieder arbeite“.. .


    2. Mediation ist dann erfolgreich, wenn es gelingt mit einer positiven Grundhaltung eine Atmosphäre zu erzeugen, in der alle sich öffnen, und damit die Motive und Fähigkeiten gegenseitig erkannt werden.


    Das kann nur gelingen, wenn die Medianden spüren, dass da jemand steht, der eine positive Haltung ausstrahlt – in jeder Sekunde dieses Prozesses. Der die verschiedenen Befindlichkeiten nicht verdeckt, sondern ausdrücklich herausfordert, dass alles auf den Tisch kommt. Und dabei ausstrahlt, dass jede Meinung und subjektive Befindlichkeit ihren Platz hat. Da gibt es keinen Augenverdreher, wenn jemand eine Position äußert, die andere unmöglich finden. Es wird ein Vertrauen hergestellt, das alle schützt und gleichzeitig ermöglicht, auch scheinbar schwierige Dinge auf den Tisch zu legen. Was ist diese Haltung? Sie ist der nicht sichtbare Teil des Mediators oder der Mediatorin. Haltung ist erst einmal unabhängig vom Handeln. Sie ist ein wahrnehmbares Ganzes, das der Mediator bzw. die Mediatorin verkörpert und von den Teilnehmenden auch so wahrgenommen werden kann. Diese Haltung ist nicht beschreibbar, sondern nur erlebbar. Voraussetzung dafür ist immer ein menschenfreundlicher Zugang und hohes Zutrauen in die Teilnehmerinnen. Wie soll eine KI diese Haltung bewirken? Das entstehende Vertrauen, die Freude, seine Dinge einbringen zu können, der Ärger, der ja oft noch da ist, die persönliche Verletzung? KI kennt keine Gefühle, keine erlebten Bedürfnisse. KI kennt, wenn überhaupt, Muster. Muster sind aber nicht die real empfundene Wirklichkeit, um die es geht.


    3. Bei einer erfolgreichen Mediation kommt es darauf an, nicht nur das Verfahren der Mediation zu kennen, sondern die Durchführung zu können. Dazu ist eine umfassende Ausbildung Voraussetzung. 130 Stunden, wie vom Gesetz vorgesehen, ist zu wenig dafür.


    Was ist denn die Mediation? In der Wissenschaftsliteratur und bei allen Mediationsverbänden ist nachzulesen, dass Mediation ein strukturierter Prozess ist – Phase Vertragsabschluss, Phase Themenfindung, Phase Interessensfindung, Phase Lösungsoptionen, Phase Lösungsfindung, Phase Lösungsvereinbarung.

    Dazu kommen die Grundsätze: Freiwilligkeit der Teilnahme, Vertraulichkeit, Lösungsoffenheit, Allparteilichkeit.

    Das in aller Kürze ist leicht darstellbar. Aber auch erlebbar? Leider sind die Mediationsausbildungen von sehr unterschiedlicher Qualität. Derzeit sind 130 Stunden Ausbildungszeit im Bundesmediationsgesetz und der dazu erlassenen Ausbildungsverordnung vorgeschrieben. Dann kann man nach erfolgreichen Fallbearbeitungen und Supervision den geschützten Titel „Zertifizierte(r) Mediator-Mediatorin führen.

    Meiner Erfahrung nach kennen die Teilnehmer die Mediation. Aber können sie Mediation auch? Ich selbst bin Vorsitzender des BzM – Bundesverband zertifizierter Mediator*innen. Unsere Ausbildung dauert ca. 460 Stunden. Begründung: Ein guter Mediator muss nicht nur die Phasen und Grundsätze kennen, sondern sie auch leben. Und dazu gehört ein starker Teil an kommunikativen Kenntnissen, Fähigkeiten, praktizierten Anwendungen. Das System der Mediation ist leicht erklärt, aber umso schwieriger hochqualifiziert anzuwenden. Und das muss der Anspruch sein.


    4. Wer sich freiwillig entscheidet, an einem Mediationsverfahren zu beteiligen, ist nicht schwach, sondern stark.


    Wer fordert eine Mediation ein? Sind das schwache Menschen, die selbst nicht in der Lage sind, ihre Konflikte zu lösen?

    Nein, ganz im Gegenteil. Es gibt immer noch u.a. eine gewisse Scham, zuzugeben, dass man sich in einer äußert schwierigen Situation befindet. In einer Situation, wo der Leidensdruck so groß ist, dass die Suche nach einer Lösung der einzige Ausweg ist. Und wer eine mögliche Lösung in der Mediation sucht, der zeigt nicht Schwäche, sondern Stärke. Nämlich die Souveränität, zu erkennen, welche Probleme man (meist) selbst löst, und wo jemand gebraucht wird, der einem in einem vertraulichen Prozess hilft, aus eigener Kraft zu gemeinsamen Lösungen zu finden.


    5. Wir starten immer mit einem „Fair-Trag“, in dem wir gemeinsam vereinbaren, wie wir in diesem Prozess miteinander umgehen.


    Wie starten wie eine Mediation? Nachdem klar ist, dass wir – die Mediatoren und beide Parteien - zusammenarbeiten wollen, entwickeln wir einen „Fair-Trag“ Da steht dann u.a.:

    - dass wir freiwillig hier sind, dass die Mediation jederzeit von einer Partei und dem Mediator selbst beendet werden kann.

    - dass wir respektvoll miteinander umgehen

    - dass jede und jeder zu Wort kommt - nacheinander - und ausreden darf

    - dass alle Beiträge erwünscht sind

    - dass es nie Schuldzuweisungen gibt, sondern den Blick nach vorne – weil vergangene Konflikte – wie vergossene Milch – nicht zurückholbar sind.

    - dass wir im vertraulichen Raum arbeiten, aus dem keine Information herausgeht und es auch keinen Report an den Arbeitgeber geben wird (es sei denn, es wird ausdrücklich gewünscht, wenn alles gelungen ist).

    - dass der Mediator/die Mediatorin allparteilich ist, und sich nie auf eine Seite schlagen wird. (Das ist die große Herausforderung an den Mediator bzw. die Mediatorin. Denn selbst die subjektive Einschätzung der Teilnehmenden, es gebe doch eine Parteinahme, lässt bereits einen Prozess scheitern, wenn das nicht aufgelöst werden kann.)

    - dass die Mediand*innen für die Lösung verantwortlich sind - der Mediator für den Prozess. Der Mediator oder die Mediatorin wird selbst keine Lösung vorschlagen. 

    Und: dass Störungen vorgehen. Nur wenn jeder Einzelne selbst, die Gruppe insgesamt und das Thema zusammenpassen, kann der Prozess der Konfliktlösung gelingen. Bitte sofort eine Störung melden.

    Wer jetzt der Meinung ist, das sei alles zu kompliziert, sei beruhigt: Der genannte Vorgang des Fair-Trag dauert meist nur wenige Minuten und ist bereits ein Baustein einer ersten Einigung. Darüber gibt es keinen Streit.


    6. Eine Mediation kann nur gelingen, wenn die Teilnehmenden gesehen werden, ihre Gefühle und Bedürfnisse erkannt werden und das alle spüren.


    Welche Methoden werden in den verschiedenen Phasen angewandt? 

    Das Zuhören

    - Die Ich-Botschaften

    - Die Erläuterung und Diskussion, wie ein Konflikt entstehen kann oder entstanden ist

    - Das Herausarbeiten von Gefühlen und Bedürfnissen und vieles andere.


    Wichtig: es darf nie um Technik gehen, sondern eine Methode muss immer authentisch angewendet werden.

    Beispiel gefällig?  Auf die Frage, wie merkt mein Gegenüber, dass ich ihm zuhöre, kommt als Antwort u.a.“ durch Kopfnicken“. Weitere Frage: Ist das immer angebracht? Antwort oft „Ja“. Jetzt sitze ich da und höre meinem Gegenüber zu, verstärke das durch Kopfnicken. Plötzlich unterhalten sich daneben zwei Personen - und ich möchte wissen, um was es da geht. Ich höre ihnen zu und kopfnicke meinem Gegenüber aber weiter zu, obwohl ich ihm nicht mehr zuhöre. Da wird das Kopfnicken zur Technik, zum billigen Trick, zu unauthentischem Verhalten.

    Und das Schlimmste: die Menschen spüren, wenn ich nicht bei Ihnen bin. Eine größere Respektlosigkeit ihnen Gegenüber gibt es kaum.


    7. Bedürfnisse sind allen Menschen gleich. Jeder und jede braucht Anerkennung, Respekt und Wertschätzung. Im Mediationsverfahren findet dies Zustimmung. Es kommt darauf an, herauszuarbeiten, wie jede(r) Einzelne das konkret erfahren kann – darin liegen die Unterschiede.


    Wir arbeiten meist mit einer Methode des Marshall B. Rosenberg. Das ist der (inzwischen verstorbene) Begründer der gewaltfreien Kommunikation.

    Er zitiert einen indischen Philosophen, der sagt, die höchste Form menschlicher Intelligenz bestehe darin, einen Konflikt zu beschreiben, ohne ihn zu bewerten. (Versuchen Sie mal selbst, einem guten Freund einen Konflikt mit jemandem zu erklären, ohne Bewertung. Das wird Ihnen nur schwer gelingen.)


    Wenn das aber im Mediationsprozess gelingt, verständigen sich beide streitende Parteien bzw. Personen auf die entsprechende Situation. Das ist Schritt eins.

    Aus dieser Situation entstanden negative Gefühle – meist gegenseitig. Diese sind nicht Ursache des Konfliktes, sondern lediglich Indikator, dass etwas nicht stimmt.

    Aber was stimmt nicht? Es wurde ein Bedürfnis verletzt. Da gibt es u.a. die Bedürfnispyramide von Maslow, einem der Urheber der humanistischen Psychologie. Er beschreibt die Rangfolge der Bedürfnisse in einem vereinfachten Modell: - existenzielle Bedürfnisse – Bedürfnis nach Sicherheit – Bedürfnis anerkanntes Mitglied einer sozialen Gruppe zu sein – Bedürfnis nach Respekt, Anerkennung und Wertschätzung – Bedürfnis nach Selbstverwirklichung.

    Und als Hypothese – für den Mediationsprozess sehr wichtig: Bedürfnisse sind allen Menschen gleich. Auf dieser Ebene gibt es keine Konflikte mehr, auch wenn der Konflikt vorher auf das Schärfste geführt worden war.

    Keiner wird im Mediationsprozess sagen, er will sein Gegenüber despektierlich behandeln, will ihm die Wertschätzung absprechen, will ihn gar verhungern lassen (existenzielle Bedürfnisse), auch wenn das im Konflikt oft direkt anders empfunden worden war. 

    Es kommt an dieser Stelle darauf an, herauszufinden, wie die einzelnen Personen Respekt, Anerkennung oder Wertschätzung empfinden können. Es geht um die Operationalisierung des oben Ausgeführten in die Praxis. Also zum Beispiel die Frage, was kann ich tun, damit Du spürst, dass ich Dich respektvoll behandle, dass ich Dich wertschätze etc. Und auch: Was ist mir wichtig, dass ich von Dir empfangen möchte.

    Hört sich sehr theoretisch an – hat aber eine unglaublich starke Wirkung – und ist meist Grundlage für Lösungen im Prozess.


    8. Gibt es Unterschiede in den Mediationsverfahren – zum Beispiel bei Familien- oder Wirtschaftsmediation? Natürlich! Aber die Unterschiede sind geringer, als man denkt.


    Gibt es Unterschiede zwischen persönlichen Mediationen und der Wirtschaftsmediation? Natürlich. Aber diese Unterschiede sind sehr viel geringer, als man annehmen möchte.

    Da kommt die Mutter des Chefs einer kleinen Baufirma mit dessen Frau zur Mediation. Sie haben Streit – täglich. Am dritten Abend verabschieden sie sich umarmend. Das haben sie jahrelang nicht mehr gemacht. Und sie sind happy, dass sie wieder miteinander können. 

    Bei Hinausgehen sagen beide übereinstimmend: eigentlich sei der Chef das Problem. Und so erhalte ich den Auftrag, den Chef anzurufen und mit ihm, seiner Mutter und seiner Frau eine Mediation zu initiieren. Diese findet statt und ist erfolgreich. So eng sind Wirtschafts- und andere Mediationen beieinander.

    Es geht immer um Menschen – und die ticken alle gleich. Ob als Chef oder ungelernter Arbeiter: alle haben Gefühle und Bedürfnisse. Alle brauchen Anerkennung und Wertschätzung. Alle brauchen Sinn in der Arbeit und im Privaten.


    Und zu guter Letzt: 


    Eine KI kann diese Prozesse, die Gefühls- und Bedürfnislagen nie erfassen. Sie kann in Mustern agieren, die mit der Wirklichkeit nichts oder wenig zu tun haben müssen.


    Es ist ein Glück, Mediator sein zu dürfen. Fast immer gelingt es, die Parteien zusammenzubringen. Und dann gibt es so oft rührende Happyends. Das ist die Anerkennung, die jeder Mediator und jede Mediatorin braucht.




    Rudolf Hausmann 


    ist 1954 in Blaubeuren geboren und hat dort sein Abitur gemacht. Er hat als Mediator unzählige Mediationen durchgeführt. Er bildet Mediatorinnen und Mediatoren seit 2017 aus – mit Abschluss zertifizierte(r) Mediator(in) mit CAS-Hochschulzertifikat 

    Er hat verschiedene Studien und Weiterbildungen abgeschlossen und ist auch deswegen schwerpunktmäßig im Wirtschaftsbereich tätig:

    • Grund- und Hauptschullehrer (PH); Diplom-Pädagoge (Uni); MBA in Finanzen (Uni); Betriebswirt mit Schwerpunkt betriebliche Altersversorgung (FH); Master of Mediation (Uni).
    • Er war Erzieher; Pädagogischer Leiter, Angestellter bei der Gewerkschaft, Lehrer für Betriebswirtschaft, Abgeordneter im Landtag von Baden-Württemberg, Vorstandsvorsitzender, Gesellschafter-Geschäftsführer.
    • Er leitet Seminare an Hochschulen, Akademien, Volkshochschulen für Betriebswirtschaft, Kommunikation, Arbeitsrecht, Leitungskompetenz, ist gerichtlich zugelassener Rentenberater; IHK-ausgebildeter Rating-Analyst und Anderes.

    Er ist zutiefst überzeugt, dass (fast) alle Menschen einen guten Kern haben und ist überzeugt von ihrer Entwicklungsfähigkeit: In vielen Mediationen hat er erfahren, dass alle das Bedürfnis haben, im Umgang mit Freunden, Kollegen und Leitungsmitgliedern ein gutes Verhältnis zu haben. Geht es um Respekt und Anerkennung finden sich alle wieder, auch wenn die Praxis das oft nicht offenbart oder gar dagegen zu verstoßen scheint.

    In Wirklichkeit wünschen sich alle einen Arbeitsplatz, in dem ihre Fähigkeiten erkannt und gefördert werden. Sie gehen dann gerne zur Arbeit, wenn dies die gelebte Kultur eines Unternehmens ist. So verstehe ich meine Aufgabe (und unsere gemeinsame):  Konfliktkosten minimieren, eine konstruktive und wertschätzende Unternehmenskultur zu unterstützen, eine Situation zu schaffen, in der gerne und motiviert gearbeitet werden kann. Zum Nutzen des Unternehmens, zum Nutzen der Beschäftigten.


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  • Beitrag 510/1 - Plötzlich Autor – Ein Erfahrungsbericht von Yasmin Mai-Schoger - Preisträgerin Förderpreis UNI MARKETING TEAM 2026

    Plötzlich Autor – Ein Erfahrungsbericht von Yasmin Mai-Schoger


    Preisträgerin Förderpreis UNI MARKETING TEAM 2026



    „Denk groß, klein machen es die Leute von allein“ - Am Anfang stand ein einzelner Gedanke


    Von der Vision zum Buch – nicht einfach, aber machbar, dranbleiben ist das Zauberwort. Um es mit meinen Worten auszudrücken: „Denk groß, klein machen es die Leute von alleine“. Ich bin Yasmin Mai-Schoger und schreibe Gedichte, Geschichten, kleine Theaterstücke und ab und zu den ein oder anderen Artikel für Zeitungen oder Gemeindeblätter. Ich bringe Gedanken zu Papier, manchmal sind es meine eigenen, manchmal die der anderen. Am Anfang meiner Geschichten steht zuhören! Zuschauen! Hinschauen! Lernen! Von anderen und von mir selbst. Aus der Geschichte, aus Visionen, aus dem was offensichtlich ist oder zwischen den Zeilen steht.


    Jeder kann schreiben - Von der Schneiderin zur Schreiberin


    Vor dem Schreiben machte ich eine Ausbildung zur Schneiderin, mittlerweile habe ich viele Wege eingeschlagen - von der Produktenwicklerin hin zur Personalentwicklerin – eben, weil das Leben so interessant ist. Und in jedem Abschnitt habe ich etwas gelernt, fachlich aber eben auch über Menschen – übers Schreiben und über mich. Das Schreiben ist für mich viel mehr als nur Gedanken zu Papier bringen. Schreiben ordnet Chaos, Unausgesprochenes, nur Gedachtes, noch nicht in Worte gepacktes. Vervollständigt Ideen, Impulse, Gedankenfetzen. Und schreiben kann jeder! Ein Gedicht, eine Geschichte, seine (!) Geschichte. In meinem Besitz sind mittlerweile über 1200 Gedichte und Geschichten – und alles fing an mit einem einzigen Gedanken an. 


    Der entscheidende Schritt – so nah und doch so fern


    Aus ein paar Worten wurden Geschichten, Texte, Gedichte - sie fanden ihren Weg in Anthologien. Geschichten unter vielen Geschichten. Ein Autor unter Autoren. Den nächsten Schritt wagte ich lange Zeit nicht. Meine Schritte passierten im Kleinen. Im Verborgenen. 

    Ich schrieb für Bekannte, Verwandte, Arbeitskollegen. Und eines Tages für ein Seniorenheim. Dreihundertfünfzig Gedichte fanden den Weg dorthin. Dreihundertfünfzig meiner Gedichte, jeden Tag eines. Jeden Tag ein paar wohlwollende Worte für Menschen, die einsam waren. Zu Zeiten, wo alle irgendwie einsam waren. Und niemand konnte, wie er wollte. Viele waren „von der Außenwelt abgeschnitten“, vereinsamten – waren für sich. Und der Tag war lang. 


    Was macht einen Autor zum Autor? Einen Schriftsteller zum Schriftsteller?


    Irgendwann waren da so viele Gedichte und Geschichten, dass sie in ein Buch passen würden. Doch den Schritt wagte ich nicht. Wie auch? War ich doch keine Autorin, keine Schriftstellerin, kein Dichter, kein Poet. Hatte ich doch nicht gelernt, wie man richtig schreibt. War ich doch lediglich ein Verfasser von kleinen Texten, schrieb Gedichte, brachte einfach nur meine Gedanken zu Papier. Wie konnte ich da ein Buch schreiben?


    Schreiben bringt Menschen zusammen – Geschriebenes ebenfalls


    Und dann schrieb ich irgendwann doch eines! Ein kleines, eines mit nur wenigen Seiten. Ich schrieb es, weil ich bemerkte, dass es Menschen gab, die meine Gedanken hören wollten. Darüber diskutierten. Ihre Gedanken dazutun wollten. Man kam ins Gespräch, tauschte sich aus, philosophierte. Schnell wurde mir klar, schreiben bringt Menschen zusammen. Umso mehr ich mich austauschte, umso mehr schrieb ich. Umso mehr ich schrieb, umso mehr Bücher entstanden. Umso mehr Bücher entstanden, umso mehr las ich. In Seniorenheimen, bei Veranstaltungen, in Jugendhäusern, in Büchereien, in Buchhandlungen. Und immer gab es einen Austausch, lange Gespräche. Und ich lernte Menschen kennen, die gern zuhörten aber eben auch Menschen, die selbst schreiben. Im Kleinen, im Verborgenen, für den Selbstgebrauch. Und Menschen, die schon viel länger als ich schrieben, die schon Bücher veröffentlicht hatten. Wir schickten uns unsere Gedichte – wir inspirierten uns gegenseitig. Eine Art „Gedichte-PingPong“ entstand. Mehrere Werke tauschten ihren Besitzer. Es entstand ein reger Austausch. Regelmäßig! Manchmal täglich!


    Austausch – so wichtig. Oftmals berichteten meine Zuhörer, sie würden so gern Geschichten schreiben oder zumindest kleinere Gedichte.


    Irgendwann eröffnete ich eine kreative Schreibwerkstatt, ich wollte Menschen zum Schreiben motivieren, sie begleiten, sie inspirieren. Auch hier fand Austausch statt – zwischen jung und alt. Scheiben findet generationenübergreifend statt - immer wieder kam ich auch mit jungen Schreibenden ins Gespräch.


    Generation Z - schreiben neu gedacht


    Sie meinen die Jugend schreibt nicht mehr? Sie haben kein Interesse an Texten, an Geschichten, an Gedichten?

    Wir leben in einer hochtechnischen Zeit, somit hat sich das Schreiben gewandelt. Die jüngere Generation schreibt anders. Sie schreiben in Blogs, nehmen an Poetry Slams teil und erstellen von ihren Reisen Reels. Sie veröffentlichen ihre Gedanken auf TikTok. Sie verbinden sich, sie tauschen sich aus. Die Generation Z macht einfach. „Think big“! Oder um es mit meinen Worten zu sagen: „Denk groß, klein machen es die Leute von allein“. Und ich lege los – ohne Konzept, ohne Schreibplan, ohne Gliederung. „Doing by doing“ - „drei Worte“ reichen völlig aus und schon ist die Geschichte gedacht. Nun muss sie nur noch zu Papier gebracht werden. Oder vielleicht auch auf den Bildschirm – ich gehe ja mit der Zeit. 


    Künstliche Intelligenz? Soziale Kompetenz reicht völlig


    Ich gehe mit der Zeit – tausche mich aus, vernetze mich, bringe Menschen zusammen. Nur der Zeitgeist der Künstlichen Intelligenz hat mich noch nicht gepackt. Meine Geschichten entstehen so ganz ohne chat gpt. Das wäre irgendwie nicht ich. Nicht authentisch. Ich möchte meine Erfahrungen weitergeben, mit meinen Worten. Mir ist wichtig, dass es meine Gedanken sind, nicht die eines Algorithmus. Einzigartig, nicht reproduzierbar – in meinem persönlichen Stil, unverwechselbar. Eben ein „echter Mai-Schoger“. Ich bin ein Verfechter der Sozialen Kompetenz – wenn wir diese beherrschen, vielleicht ist dann Platz für Künstliche Intelligenz. Und wer zwischen den Zeilen lesen kann, entdeckt in meinen Geschichten worauf es im Leben wirklich ankommt. Auf das Miteinander. Dem Füreineinander. Das Wahrnehmen. Das Zuhören. Das Hinschauen. Das Zwischenmenschliche. Das über den Tellerrand schauen. Das Selbstreflektieren. Das, was Soziale Kompetenz ausmacht und was KI eben nicht kann. Zumindest noch nicht.

    Aus dem Methodenkoffer Selbstfürsorge nach der 

    Be-your-own-child-Methode Be-y o c © nach einer Idee von Yasmin Mai-Schoger


    Soziale Kompetenz – großes Thema! Wichtiges Thema! Wünschen wir uns doch alle gesehen zu werden, wahrgenommen zu werden. Ein Miteinander auf Augenhöhe. Bei der Arbeit, in der Familie, im Bekanntenkreis. Dafür braucht es Soziale Kompetenz – als Führungskraft, als Arbeitnehmer, als Elternteil; als Autor.

    Manch einer nimmt Dinge wahr, die andere gar nicht bemerken; sie können zwischen den Zeilen lesen, sind aufmerksam, empathisch. Auch ich gehöre zu dieser Sorte Mensch. Die Sorgen und Nöte meines Gegenübers beschäftigen mich, berühren mich, lassen mich nicht los. Ich versuche zu helfen, Lösungen zu finden. Das kennen viele – doch wie damit umgehen? Hier hilft eine einfache und doch wirksame Methode. Die Be-your-own-child-Methode Be-y o c ©.


    Als Elternteil gehört man zu den aufmerksamen, empathischen, fürsorglichen, helfenden Menschen, die sich unermüdlich und voller Inbrunst damit beschäftigen, was dem Kind guttut, Freude macht, es weiterbringt.  Da wird geschaut, dass genug geschlafen wird, dass das Essen ausgewogen, abwechslungsreich und schmackhaft - und vor allem gesund ist. Wir motivieren es zu ausreichender Bewegung und gehen mit ihm an die frische Luft. Wenn das Kind krank ist, tun wir alles daran, dass es wieder gesund wird – beim ersten Anzeichen reagieren wir, steuern wir gegen, schreiten wir ein. Es wird zugehört, hingeschaut, wahrgenommen. 


    Warum tun wir das nicht auch bei uns selbst? Wir kennen uns schließlich am besten, sind uns am nächsten, kennen unsere Bedürfnisse, unsere Ziele und Träume. Gut, manchmal müssen wir vielleicht wieder lernen uns selber zuzuhören, unser eigenes Ich wahrzunehmen und eben erkennen, dass wir vieles selbst beeinflussen können, in unserer eigenen Hand haben, den ersten Schritt einfach nur gehen müssen. „Be-your-own-child!“ Höre auf Dich! Sorge auf Dich! Schau nach Dir! Geh sorgsam mit Dir um, als wärst du Dein eigenes Kind – lebe nach der „Be-y o c -Methode©“. Sei unermüdlich im fürsorglichen Umgang mit dir selbst – schau, was dir guttut, was dir Freude macht und gehe den ersten Schritt! Wir haben nur dieses eine Leben! 

    Und das ist kein Aufruf zum Egoismus – das ist Verantwortung übernehmen, für sich selbst. 


    Und das gilt auch für Autoren! Schreiben ist mehr als einfach nur schreiben. Schreiben ist reflektieren, über den Tellerrand schauen - schreiben heißt Gedanken teilen, Wissen weitergeben. Schreiben – und das darauffolgende Lesen - bringt Menschen zum Nachdenken. Somit darf auch beim Schreiben Soziale Kompetenz einfließen; denn über dem Geschriebenen beugt sich im besten Fall ein Leser, der die Gedanken des Autors aufsaugt, wie ein Schwamm.




    Yasmin Mai-Schoger wurde 1970 in Niedersachsen geboren, studierte an der FH Reutlingen Textiltechnik und arbeitete nach mehreren Fort- und Weiterbildungen langjährig als Personalentwicklerin/Ausbilderin bei einem marktführenden Unternehmen für Elektronik und Unterhaltungstechnik. Später folgten Weiterbildungen in Richtung Mediation (zertifiziert), Moderation und Coaching – welche sie im Anschluss um eine Weiterbildung als LehrMediatorin vervollständigte. Zurzeit arbeitet Frau Mai-Schoger als Projektkoordinatorin in einem generationsübergreifenden Projekt, welches sich zum Ziel gesetzt hat, Menschen für eine „sorgende Gemeinschaft“ zu begeistern, auf die Veränderungen durch den Demografischen Wandel entstehenden Lebenssituationen hinzuweisen. In ihrer Freizeit schreibt Frau Mai-Schoger Gedichte und Geschichten und hat bereits mehrere Bücher im Selbstverlag veröffentlicht. Als Autorin liest sie regelmäßig ehrenamtlich in verschiedenen Institutionen und leitet eine kreative Schreibwerkstatt, ebenfalls ehrenamtlich. Die Themen Einsamkeit und Vereinsamung greift sie immer wieder auf und versucht Menschen zu vernetzen und „an einen Tisch zu bringen“. 



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  • Beitrag 509/1 - Absehbare Umverteilung der Wertschöpfung und Vernichtung des Steueraufkommens durch KI - "Man hätte es wissen können"

    Absehbare Umverteilung der Wertschöpfung und Vernichtung des Steueraufkommens durch KI


    "Man hätte es wissen können"



    Dr. Bernd W. Dornach


    Die Ausrede "Man hätte nichts gewusst" ist bei der Fülle unserer "Gschdudierten" in diesem unseren Lande nicht mehr tolerierbar. Ein aufgeblähter Beamtenstaat im Verbund mit hochdotierten Chief-Officern jedweder Spezialisierung in unserer überall noch Top-Down geführten Wirtschaftswelt hätte "früher aufhorchen" und Verantwortung übernehmen sollen. Von den Politikern "zum Wohl des Volkes" einmal ganz zu schweigen. Das bereits angerichtete Dilemma ist bekannt!


    1. Dass das "Generationenmodell", sprich die Jungen kümmern sich um die Alten, rein soziodemographisch nicht mehr einhaltbar ist, ist seit Jahrzehnten nicht nur den Volkswirten bekannt. Die nicht mehr refinanzierbaren Verwerfungen des "Versorgungsstaates" kommen dazu.


    2. Unsere Ergebnisse des Generation-Z-Panels 2024 sowie der Generation Beta-Problematik 2025 mit entsprechenden Schwerpunkten bei den zurückliegenden Zukunfts-Tagungen sprechen auch bezüglich der bildungstechnischen und soziopsychologischen Entwicklungen eine klare Verwarnung aus. "Ja, dann wird wieder in die Hände gespuckt. Wir steigern das Bruttosozialprodukt" (Song von Geier Sturzflug) steht nicht mehr in der Hitliste. Eher schon "Work-Life-Balance" und "Erfahrungsdefizite". Das "Home-Office" wurde auch nach der Pandemie der Sympathie wegen gleich beibehalten. Der digitale Fortschritt bekam seitdem den "Möglich-Macher-Kick" dazu. Was auf der Stecke bleibt, ist nicht nur Insidern längst bekannt. Stichworte "soziale Verarmung" und die "Einsamkeitsindustrie" haben wir in unserem Blog einschlägig interdisziplinär behandelt.


    3. Auch die Social-Media-Euphorie als Problemlöser dazu ist mit den Fehl-Steuerungs-Mechanismen einschlägig bekannt. Alles erkennbar beispielsweise bei unserer Marketingclub-Veranstaltung jüngst (17.03.2026) mit dem Beispiel eines jungen Start-Ups, fern jeglichen Marketing-Grundlagen Know-Hows. Die nunmehr beginnenden politisch steuernden Maßnahmen mit Handy-Verboten bei Jugendlichen etc. zeigen wiederum inhaltlich das Versagen der Politiker nach obigem Strickmuster "Man hätte nichts gewusst". Gerade heute tickern Meldungen über Millionenstrafen für Social-Media-Plattformen wegen mangelndem Jugendschutz durch die Medien.


    4. Und jetzt kommt die angeblich alles problemlösende KI-Euphorie, vorzugsweise bei denen, die sich ohnehin keiner Verantwortung mehr bewusst sind und sich freuen über die neue Problemlösung, "die alles weiß und kann." Christoph Bornschein (Chief Product and Applied AI Officer bei Capgemini Invent) muss es als Insider an der Front wissen: Es trifft "genuin unvorbereitet, auf das was da kommt." er spricht von einem "katastrophalen Irrtum", wenn KI immer noch unreflektiert als "Add-on zur effizienter werdenden Industriegesellschaft" verstanden wird.


    5. Und massenhaft ehemalige Arbeitsplätze ersetzt. Die Wertschöpfung entsteht bei den KI-Entwicklern und nicht mehr am besteuerbaren Arbeitsplatz. Das verändert das Finanzierungsmodell des (Sozial-)Staates, das Rentensystem, die öffentliche Infrastruktur etc. "KI löst das auf. Sie schafft einen Kapitalismus, der Wertschöpfung ohne den Faktor Arbeit skaliert und damit den Sozialvertrag der Industriegesellschaft strukturell obsolet macht. Sie schafft reale Geldwerte, die aber kaum noch durch Haushalte zirkulieren und kaum Lohnsteuer oder Rentenbeiträge generieren."


    6. Der wegweisende Beitrag spricht in diesem Zusammenhang nicht von Polemik sondern Mechanik: "Die Reichen werden reicher. Das Kapital, das Maschinen besitzt, gewinnt. Die Arbeit, die durch Maschinen ersetzt wird, verliert.


    7. Nahliegende Konsequenz für den verantwortlichen Staat: Die Umschichtung der Steuermodelle wäre eine Maschinen- /Algorithmus-Steuer. (Christoph Bornschein in seinem hier zitierten Beitrag)


    8. Und wieder einmal regieren die Nichtwisser und Ignoranten: "Man scheint ernsthaft zu glauben, die industrielle Erfolgsgeschichte lasse sich ohne große Brüche fortschreiben oder doch zumindest einfrieren, während gleichzeitig diffuse KI-Weltspitzenambitionen verkündet und der Wert der Vollbeschäftigung unter neuen Namen beschworen wird."


    Wie oben geschrieben: "Man hätte es wissen können".


    * Bornschein, Christoph: VORWÄRTS IMMER! Zeit für eine Algorithmus-steuer. Im KI-Zeitalter wir auch der Sozialvertrag der Industriegesellschaft obsolet. Und jetzt? in: manager magazin, April 2026


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  • Beitrag 508/1 - Manipulation durch KI nachgewiesen - Zwei Seiten der Medaille

    Manipulation durch KI nachgewiesen


    Zwei Seiten der Medaille



    Dr. Bernd W. Dornach


    Intensive Nutzer meines Blogs kennen meine Antwort, was mich früh für das Thema Marketing begeistert und nicht mehr losgelassen hat: Vance Packard`s Buch von 1975, Die geheimen Verführer, Der Griff nach dem Unterbewussten in jedermann. *


    Dies aus einer Begeisterung für die zentrale Frage, wie man den Verkauf unterstützen kann. Das war in der Wirtschaftswunderzeit noch nicht ganz so wichtig wie heute. Der Verkäufermarkt (stärkere Position des Verkäufers, mehr Nachfrage als Angebote) hat sich infolge der Industrialisierung schon frühzeitig in den Käufermarkt gedreht (stärkere Position des Käufers, mehr Angebot als Nachfrage).


    Die zweitwichtigste Einflusskomponente meiner Arbeit erfuhr ich durch die Forderungen des Konsumerismus, um die negativen Einflüsse der intensiven Verkaufsbemühungen der Industrie in Grenzen zu halten. Meine erste wissenschaftliche Arbeit dazu trug den Titel "Der Einfluss des Konsumerismus zum Ausgleich der Interessen von Angebot und Nachfrage." Inspirator war der Anwalt und Verbraucherschützer Ralph Nader (Buch "Unsafe at any speed 1965). Seine Aktivitäten führten beispielsweise dazu, dass ab 1976 sechs Jahre aus Sicherheitsgründen bei Überschlag keine Cabrios in USA hergestellt wurden.


    Die nächste große Wegweisung erfolgte durch meine Zeit in der Werbeagentur der Herrwerth & Partner Gruppe. Hier konnte ich neben meinem psychologisch orientierten Forscherinteresse (H&P Zielgruppenforschung) vor allem die Bedeutung des kreativen Denkens kennen lernen. Aus dem Agentur-Motto von Werner Herrwerth resultiert übrigens auch der Titel unseres aktuellen Buches:


    "Wir fangen an zu denken, wo andere aufhören."


    Die Zeit der Priorisierung der Kreativ-Agenturen hat sich bis heute gehalten. Einer der ganz großen in dieser Liga, Jean-Remy von Matt, ist am 14.04.2026 ab 18:00 Uhr zu Gast beim Marketingclub Augsburg mit seinem Buch über die Erkenntnisse aus seinem kreativen Leben.** Meine anfängliche Verortung zum Forschungsprojekt zur Hinterfragung der Auswirkungen der Künstlichen Intelligenz (KI) ging anfänglich auch in die Richtung, dass Zielpersonen mit diesem Mindset individueller Kreativität (IK) der Künstlichen Intelligenz (KI) immer noch überlegen sind. Wie lange gilt diese Ansage noch?


    Zurück auf Null zum Buch von Vance Packard aus dem Jahr 1957: In einer neuen Studie von Forschern der Cornell Tech in New York ließ man mehr als 2500 Teilnehmer Texte zu diversen Themen schreiben. Einige davon mit Unterstützung eines KI-Schreibassistenten, der eine bestimmte Meinung bevorzugte. Dabei zeigte sich, dass die Studenten ihre eigenen Ansichten zunehmend an die Positionen der KI anpassten. Das Phänomen fiel den Probanden nicht einmal mehr selbst auf. Auch der zusätzliche Hinweis, dass der KI-Support voreingenommen sein könnte brachte keine wesentliche Reduzierung des Effektes. Auch der Einfluss mit KI-Informationen vor der Bearbeitung und bei einer Kontrollgruppe während der Bearbeitung wurde untersucht. Resultat: In der Kontrollgruppe, die während des Schreibens Informationen von KI eingespielt bekam, wurden diese sogar häufiger übernommen. "Die zeigte, wie subtil KI Haltungen zu verschieben vermag, selbst wenn Nutzer wissen, dass sie voreingenommen ist, so die Autoren." ***


    Switch auf die aktuelle Zeit, wo die Themen der Zeit von den drei K: Kriege, Krisen und KI dominiert werden, die immer tiefer ineinandergreifen. Alex Dogan zitiert im Pioneer das Gedankenexperiment, wenn die Entscheidung der Maschine über Krieg und Frieden entscheiden soll. Forscher des King`s College London ließen in einer Untersuchung mehrere große Sprachmodelle militärische Kriegsszenarien durchspielen. Das Ergebnis: "In 95 Prozent der Simulationen endete die Entscheidung der Maschine bei einem Atomschlag. Nicht ein einziges System entschied sich für eine Kapitulation. Noch bedenklicher wird dieses Ergebnis, wenn man bedenkt, dass KI längst Teil moderner Kriegsführung ist." ****


    Und auch zum Marketingeffekt gibt Thomas Tuma im zitierten Beitrag gleichzeitig ein Beispiel mit aktuellen Zahlen:


    Europas größter Modehändler Zalando hat ein eigenes KI-Tool entwickelt, das seinen Kunden, die Zalando aufgrund seines digitalen Geschäftsmodelles bestens kennt, maßgeschneiderte Angebote macht. Die im Marketing längst geforderte Individualisierung der Angebote wird damit durch den KI-Einsatz Realität. Umsatzplus im letzten Jahr knapp 17 Prozent auf 12,3 Milliarden Euro. Die Zahl der bestellten Produkte je Lieferung sei im Schnitt um 13 Prozent gestiegen. Die Anzahl der Retouren dagegen um 8 Prozent gefallen.


    Die andere Seite der Medaille: Das Zalando-Logistikzentrum in Erfurt wird Ende September 2026 geschlossen, wovon 2.700 Beschäftigte betroffen sind. Der 2012 eröffnete Standort entspricht nicht mehr den europaweiten modernen Anforderungen einer Neuordnung der Logistikstruktur.


    Dies als weiterer Input für unser Forschungs-Projekt zur individuellen Beurteilung der Faktenlage im Vorspann zu unserer nächsten Zukunfts-Tagung am 16.10.2026.


    * Packard, Vance: Die geheimen Verführer, Der Griff nach dem Unterbewusstsein in jedermann. Ullstein Buch Nr. 402


    ** Von Matt, Jean-Remy: AM ENDE, Erlebnisse und Erkenntnisse aus meinem kreativen Leben. ISBN: 978-3-430-21209-0


    *** Tuma, Thomas: Macht uns KI zu ihren Marionetten, in: FOCUS Plus Briefing vom 13.03.2026, Studie von Mor Naaman.


    **** Alex Dogan, stellvertretende Chefredakteurin, in: The Pioneer vom 14.03.2026


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  • Beitrag 507/1 - Löst KI-Dominanz die Wissensgesellschaft ab? - Ein Bericht mit eigenem Erfahrungs-Hintergrund

    Löst KI-Dominanz die Wissensgesellschaft ab?


    Ein Bericht mit eigenem Erfahrungs-Hintergrund



    Dr. Bernd W. Dornach


    Erlauben Sie mir zur Verortung dieser provokanten Thematik einen Blick zurück, um nach vorne zu schauen.


    Zu meiner Studienzeit gab es schon die Erkenntnis: "Wissen ist, wenn man weiß wo es steht." Die wissenschaftlich orientierte Ausbildung war aber damals -zumindest nach meinen Erfahrungen- schon geprägt durch individuelle Anwendung der Inputs. Also nicht nur ein lehrbuchhaftes Lernen sondern ein themenspezifisches Reproduzieren für die praktische Anwendung. Ich kann nach den Erfahrungen an der Augsburger Reformuniversität mit wirtschafts- und sozialwissenschaftlichem Anspruch nur sagen: "Glück gehabt." Und meine Vita ist individuell, ähnelt aber denen vieler Studienkollegen.


    So habe ich auch früh mein "Geschäftsmodell" entwickelt, Skripten der Vorlesungen zu erstellen und diese den unteren Semestern feil zu bieten. Darin standen neben weiterführender Literatur auch Tipps zur Tickung der Lehrstuhlinhaber und seiner Assistenten, was sich für Prüfungsvorbereitungen sehr bewährte. Die nachträgliche Beschäftigung in schriftlicher Form mit den Vorlesungsinhalten brachte gleichwohl mir selbst den größten Verständnisnutzen sowie entsprechende Lerneffekte. "Wer schreibt der bleibt."


    Besonders wertvoll war dazu mein frühes Engagement als Dozent der Volkshochschule bereits während der Studienzeit, wo ich das Wissen gleich direkt an die Zuhörer auf Basis der Skripten weitergeben konnte. Auf höherer Warte dann beim Aufbau des IHK-Lehrangebotes "Fachkaufmann Marketing". Meine Firma UNI MARKETING (daher die Bezeichnung) habe ich bereits als Student gegründet und später auch Kollegen für Aufträge vermittelt. Der weitere Weg als Assistent am Lehrstuhl wurde abgelöst durch die Marketingleitung eines großen regionalen Handelsunternehmens und als Mitgesellschafter einer Werbeagentur sowie freiberuflicher Trainer, Speaker und Berater. Meist fanden die verschiedenen Engagements überlappend und sogar zeitgleich statt. Aus den früheren Skripten ist meine eigene Schriftenreihe entstanden, in der in diesem Jahr auch mein 11. Band erscheint. Das Raster das wir vermittelt bekommen haben und permanent individuell weiterentwickelt haben, war die Basis.


    Ein Werdegang, mit dem wir gemeinsam auch heute noch ganz gut unterschiedliche Sachverhalte verorten und Problemlösungen anbieten können. Speziell mit den interdisziplinären Kompetenzen durch den sukzessiven Ausbau von Experten im UNI MARKETING TEAM.


    Deswegen trauen wir uns auch aktuell relativ souverän an die Auseinandersetzung mit dem KI-Boom heran und nutzen die neuen Möglichkeiten im Team zunehmend, wenngleich mit kritischem Abstand auf Basis langjähriger Erfahrungen, konstruktiv als Anregung und Support und nie als fertige Problemlösung. Letzteres wäre ein Angriff auf unser Selbstverständnis und die Auflösung von uns selbst.


    Die Relativierung dieser typischen Werdegänge ist aktuell im vollen Gange. Vergleichbar mit einer bipolaren Skala mit drastisch zunehmender Quote der KI-Verlässlichkeiten und Reduktion des eigenen analogen Basiswissens.


    Ein typischer Prozess, den wir bei unserem Forschungs-Projekt zu den Chancen der Generation Beta (2025 geboren) im letzten Jahr herausgearbeitet haben ist die Tatsache, dass gerade die Berufseinsteiger in immer mehr Firmen bereits heute mit zunehmender Tendenz durch KI ersetzt werden können. Anders ausgedrückt: Anfangsstellen, um diese Erfahrungen aufzubauen, fallen weg.


    Und auch folgende Entwicklung ist nicht mehr zu übersehen. KI als selbstlernendes System lernt offensichtlich schneller, als die nachkommende Wissensgesellschaft.


    Immer mehr Unternehmen bereiten sich durch Stellenabbauprogramme im großen Stil heute schon darauf vor. Nachvollziehbar auch als Weg, um die Wettbewerbsfähigkeit sicherzustellen.


    Dass dieser Prozess sich in zunehmenden gesellschaftlichen und gesundheitlichen Konsequenzen abspielt, steht auf einem anderen Blatt.


    Deshalb habe ich im Verbund mit einer Meta-Studie dazu und ausgewiesenen Gastautoren die Initiative zu einem weiteren Buch ergriffen.


    Auch um die Diskussion dazu anzuregen. Wir freuen uns über Ihre Rückmeldungen zu diesem Projekt mit offenem Ausgang.


    service@uni-marketing.de


    Und laden ausgewählte Interessenten gerne zur nächsten Zukunfts-Tagung am 16.10.2026 ein, bei dem das neue Buch vorgestellt wird.


    https://www.unimarketinggroup.de/zukunftstag-2026


    Herzlich Willkommen.


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  • Easy Going Beitrag 506/1 - Zusammenhalt der Generationen - Von den Bienen lernen

    Zusammenhalt der Generationen


    Von den Bienen lernen



    Dr. Bernd W. Dornach


    Das Lebenszyklus-Modell ist im Marketing schon lange bekannt. Insbesondere wird damit meist die Attraktivität der Produkte und Unternehmen im Zeitablauf erklärt. Der Abgesang auf viele Firmen, deren in die Jahre gekommene Unternehmer ihre Hausaufgaben nicht gemacht haben, um sich rechtzeitig auf die Unternehmens-Nachfolge vorzubereiten, ist vielfach beschrieben. Auf der anderen Altersseite die Start-Ups der jungen Generationen, die oft kurze Laufzeiten aufweisen, weil wichtige Basics im Zeitablauf und der Wachstumsphase nicht durchgestanden werden. Ganz zu schweigen von der Dauerdiskussion über die neuen Werte der Generation Z und ff.


    Seltener sind die natürlichen menschlichen Veränderungsprozesse im Zeitablauf eines Lebens Gegenstand der Analyse. Noch seltener die Kooperationsmodelle der Generationen entsprechend dieser Umstände. Wohl bekannt ist allerdings die wachsende Einsamkeit der älteren Generation, wenn Sie "aussortiert" wurden und sich daraus auch mangelnde "Vorsorgungsmodelle" ergeben.


    Vielleicht können wir dabei von den Bienen lernen? *


    Ausgangspunkt der vergleichenden Analyse dieser Inspiration:


    "Der Mensch hat oft Probleme damit, Älteren noch etwas zuzutrauen. Die Biene nicht."


    1. Bienen unterscheiden ihre Aufgaben nach dem Modell der Lebenszyklen mit einer naturkonformen Strategie: Die Jüngsten pflegen als Ammen die Larven. Dafür sammeln die Älteren den Nektar als Blüten und Pollen. Die älteren Bienen sind eigentlich im Endstadium ihres Lebens angekommen und weisen dementsprechend auch Symptome der menschlichen Demenz auf. Ihre biologische Uhr läuft ab.


    2. Kehren diese ehemaligen Versorgungsbienen allerdings zur Pflege zurück, schwächt sich der Alterungsprozess ab oder dreht sich sogar um. Nach Experimenten der Biologin Gro Amdan von der Arizona State University im zitierten Beitrag verändern sich sogar die biochemischen Strukturen der älteren Bienen drastisch. Die Bienen werden nicht fitter, wenn sie sich im Alter schonen. "Pflege ist komplexer als das Sammeln." Während Sammlerinnen bei Ihren Aufgaben allein unterwegs sind, verlangt die Pflegearbeit ständige Interaktion. Und genau das scheint das Gehirn zu schützen!


    3. Bei Menschen ist der Befund ähnlich gelagert: "Wer im Alter Verantwortung übernimmt und sozial eingebunden ist, bleibt geistig fitter. Positive Beziehungen und Kommunikation sind entscheidend."


    4. Bettina Hartmann vom Senior Expert Service weiß "Was man nicht nutzt geht verloren." Die Organisation vermittelt Senioren, die dies annehmen wollen und der Meinung sind "Ich muss jetzt noch was tun, sonst bricht mir zu viel weg."


    5. Typische Aussage dieser Senioren: " Ich habe so viel angesammelt in meinem Leben - ich möchte teilen."


    6. Bei den Bienen stellt sich die Frage gar nicht. "Sie kennen keinen Ruhestand und wohl auch nicht die Vorstellung, dass ihre Erfahrung an Wert verlieren könnte."


    7. Genauso wie bei den Menschen gibt es auch bei den Bienen unterschiedliche Persönlichkeitstypen. Nicht alle sind dazu bereit. "Entscheidend ist auch bei ihnen die Offenheit für die Veränderung." Die Ergebnisse vieler Studien meines Instituts bestätigen dies als größtes Problem in unserer Gesellschaft deutlich


    8. Bettina Hartmann fordert dazu:


    "Auch die Arbeitgeberseite sollte Bedingungen schaffen, unter denen ältere Menschen noch Spaß haben, zu arbeiten. Wir sollten uns also nicht fragen, wieso wir so früh aufhören, Älteren wirkliche Herausforderungen zuzutrauen - sondern ihre Erfahrungen auch als eigene Ressource sehen." 


    * Stratmann, Lenja: VON DIR LERNEN. Hey, Oma: Kannst Du mir bitte dabei helfen! In: ZEIT WISSEN, Nr. 02/2026



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  • Beitrag: 505/1 - Quintessenz: Die wichtigsten Aussagen der besten Bücher aus Dr. Dornach`s Archiv - Edward de Bono`s DENKSCHULE. Zu mehr Innovation und Kreativität

    Quintessenz: Die wichtigsten Aussagen der besten Bücher aus Dr. Dornach`s Archiv


    Edward de Bono`s DENKSCHULE. Zu mehr Innovation und Kreativität *



    Dr. Bernd W. Dornach


    Die hier besprochene Publikation ist als englische Version in einem Londoner Verlag erstmals vor ziemlich genau 40 Jahren erschienen. In der deutschen Version 10 Jahre danach 1995 als Sonderausgabe im Orbis-Verlag.


    Die Besprechung mit ausschnittsweiser Zitation im bewährten 8-Punkt-Format erfolgt auch mit dem Seitenhieb auf die vielen "gutgemeinten Ratschläge" den Altbestand über Bord zu werfen und sich den vielen aktuellen Veröffentlichungen dazu zu widmen (noch der bessere Tipp!) oder sich der Einfachheit halber auf die KI zu verlassen (der wesentlich schlechtere Tipp!).


    Ich zitiere ausschnittsweise aus einem vorderen Kapitel mit der Überschrift "Der Denker", den wir symbolisch nach einer der bekanntesten Werke von Auguste Rodin von 1906 auch für unsere Urkunden zum Förderpreis verwenden.


    Damit beantwortet de Bono kurz und bündig die neu von mir aufbereitete Frage: 


    Wie könnte man einen effektiven Denker definieren?


    1. An seiner Absicht: Als jemand, "der sein Denken willentlich einschalten und bewusst in jede von ihm gewünschte Richtung lenken kann."


    2. An seiner Vorgehensweise: Als jemand, "der sein Denken kontrolliert und nicht einfach von Idee zu Idee, von Gefühl zu Gefühl wandert."


    3. An seiner Definitionsfähigkeit: Als jemand, "der seine Denkaufgabe genau definieren und sich dann an die Durchführung machen kann."


    4. An seiner Einstellung: "Denken vermittelt ihm ein freudiges Gefühl, auch wenn er einmal nicht so erfolgreich ist. Er ist zuversichtlich und entschieden, aber gleichzeitig auch bescheiden."


    5. An seiner Zurückhaltung:  "Er erkennt, dass jede Annäherung nur eine von vielen Möglichkeiten ist, wobei er die meisten überhaupt nicht in Betracht zog."


    6. An seiner Bodenhaftung: "Er schwelgt nicht in übermäßiger Intellektualisierung, ist nicht übertrieben kritisch oder zittert vor Unentschlossenheit... Arroganz stellt für ihn die größte Denksünde dar."


    7. An seiner Zielorientierung: "Nach Abschluss seines Denkvorgangs ist er in der Lage herauszufinden, welchen Fortschritt er nunmehr erzielte. Auch wenn er zu keiner zufriedenstellenden Antwort gelangt, lernt er doch, sich mit dem Erreichten zu bescheiden."


    8. An seiner Offenheit: "Er ist sich bewusst, was getan werden muss, auch wenn er selbst nichts unternehmen kann."


    Und insgesamt immer offen mit dem Blick über den Tellerrand und dem Bewusstsein für die Notwendigkeit des Denkens auch von seinem Umfeld: 


    "Er beobachtet die Denkweise anderer, und zwar nicht, um deren Fehler herauszufinden, sondern eher wie ein Kartograph, der das Terrain erkundet."


    Letztlich also eine ganz bewährte Strategie von einem der großer Kreativitätsforscher zum Titel unseres neuen Buches.


    "Wir fangen an zu Denken, wo KI aufhört." 


    Auch gut geeignet zum Gehirntraining für Selberdenker und bewußtem Umgang fremder Quellen wie KI.


    * De Bono, Edward: DENKSCHULE. Zu mehr Innovation und Kreativität. ISBN: 3-572-00695-3


    Eine frühe Würdigung erfährt de Bono´s Werk bei: Kotler, Philip und Trias de Bes, Fernando: LATERALES MARKETING FÜR ECHTE INNOVATIONEN, Auf Abwegen zum Erfolg. ISBN: 3-593-37566-4



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  • Beitrag 504/1 - Ausschreibung Förderpreis UNI MARKETING TEAM

    Ausschreibung Förderpreis UNI MARKETING TEAM


    Die Förderpreise des UNI MARKETING Teams werden für besonders inspirierende Beispiele im Umfeld der Forschungs-Projekte unseres Instituts verliehen. 


    Die Bewerber werden von den Experten der jährlichen Zukunfts-Tagungen vorgeschlagen und dort mit einer Laudatio und Urkunde ausgezeichnet.


    Auf Basis der Tagungsergebnisse werden die Preisträger durch ausgewählte Referenten unseres Teams mit einer Anfangsberatung unterstützt.


    Ziel der Initiative ist es, die Verzahnung der wissenschaftlich orientierten Forschungs-Projekte mit der konkreten Umsetzung in der Praxis hervorzuheben. 


    Die nächste Auszeichnung erfolgt bei der Zukunfts-Tagung am 16.10.2026 zum Schwerpunkt der kritischen Auseinandersetzung mit den Chancen und Gefahren der Künstlichen Intelligenz.


    Dazu wird auch wieder ein neues Buch unserer Schriftenreihe erscheinen: https://www.unimarketinggroup.de/buecher


    Für Rückfragen steht zur Verfügung: Dr. Bernd W. Dornach, UNI MARKETING Institut, Postfach 102543, 86015 Augsburg, Mail: service@uni-marketing.de


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  • Gastbeitrag 503/1 - "Die Städte sind für Dich gebaut ..." (Bert Brecht) - Einladung zum Gespräch über Städte, Medien und Politik - am 11. Februar 2026

    "Die Städte sind für Dich gebaut ..." (Bert Brecht)


    Einladung zum Gespräch über Städte, Medien und Politik


    Nachgang zu unserer Veranstaltung "Die dritten Orte" bei den Zukunfts-Tagungen am 10.10.2025 im CARDAMOCCA


    Bert Brecht hat sich ausgiebig mit den Lebensbedingungen in den Städten befasst. Doch wie aktuell sind seine Beobachtungen? Darüber spricht Moderator und Brecht-Experte Günter Berg mit drei Experten, die sich täglich berufsmäßig mit städtischen Alltagsgeschäften beschäftigen: Als Politikerin im Bundestag und in den Medien-Redaktionen in Augsburg und München.


    Von Brechts Texten und Gedichten ausgehend diskutiert die Experten-Runde, was lebenswerte Städte heute ausmacht und vor welchen baulichen, ökologischen und sozialen Herausforderungen Stadt- (und Speckgürtel-) Bewohnerinnen und Bewohner heute stehen. Und welche Rolle die Bürgerinnen und Bürger spielen (sollten).


    Bericht von Nils Söder


    1. Ausgangsfrage: Wie „artgerecht“ sind unsere Städte heute?


    Bertolt Brecht hat früh gefragt, unter welchen Bedingungen Menschen in Städten leben, arbeiten, hoffen – oder scheitern.


    Die Veranstaltung „Die Städte sind für dich gebaut – Brecht im Gespräch über Städte, Medien und Politik“ nimmt diese Frage auf und überträgt sie konsequent auf die Gegenwart von Augsburg und seinem Umland.


    2. Forschungslabor Stadt: Bayernkolleg als Bühne für Zukunftsfragen


    Der Ort ist klug gewählt: Das Bayernkolleg Augsburg – eine Schule für Erwachsene mit eigener Transformationsgeschichte – wird zur Bühne für ein Stadtlabor im Brecht’schen Sinne.


    Hier diskutieren Expertinnen und Experten nicht theoretisch „über“ Stadt, sondern aus ihrer täglichen Praxis in Politik, Verwaltung und Medien heraus.


    3. Drei Perspektiven auf Stadt: Politik, Verwaltung, Medien


    Auf dem Podium treffen sich eine Bundestagspolitikerin, Fachleute aus der Kommunalverwaltung und Redaktionen aus Augsburg und München.


    Sie bringen jene Spannungsfelder mit, die wir aus unserer Forschung zu Innenstadtentwicklung, Handel und urbanem Lebensgefühl kennen: bauliche Verdichtung, soziale Spaltung, Mobilität, Klimadruck – und die Frage, wer in der Stadt überhaupt noch gehört wird.


    4. Die Rolle der Bürgerinnen und Bürger: Zuschauer, Statisten – oder Mitregisseure?


    Von Brechts Texten ausgehend fragt der Abend, welche Rolle Bürgerinnen und Bürger heute in der Stadtentwicklung spielen sollen – und tatsächlich spielen.


    Aus Marketingsicht ist das die Schlüsselfrage: Bleibt Stadtgestaltung ein „Top down Projekt“ oder gelingt die Transformation zu einer echten Mitmach Bühne, in der aus Konsumenten von Raumgestaltungen aktive Co Produzenten des urbanen Lebensgefühls werden?


    5. Medien als Stadtmacher: Wie Bilder von Stadt unser Verhalten steuern


    Mit Peter Müller, Chefredakteur der Augsburger Allgemeinen, sitzt ein zentraler „Stadtbild Gestalter“ auf dem Podium.


    Wie Medien Stadt zeigen – als Konfliktraum, Möglichkeitsraum oder „Problemzone“ – beeinflusst, wie Menschen in Augsburg investieren, bleiben, wegziehen oder sich engagieren; genau hier knüpfen unsere eigenen Beiträge zu Innenstadt, Handel und Markenprofilierung an.


    6. Brecht und Augsburg: Vom Brecht-Shop zur Stadtmarke


    Dass der Vorverkauf über die Buchhandlung am Obstmarkt läuft, ist kein Zufall: Sie beherbergt den weltweit einzigartigen Brecht Shop und ist Herzstück der „Brecht Meile“ in der Innenstadt.


    Augsburg nutzt dieses Erbe zunehmend strategisch – als kulturelles Alleinstellungsmerkmal, als emotionalen Anker im Städtemarketing und als Symbol für kritische, aber lebensbejahende Urbanität.


    7. Musik, Text, Diskussion: Orchestrierung statt Einzelmaßnahmen


    Mit Moderator und Brecht Herausgeber Günter Berg sowie Live Musik von Klarinette, Saxophon und Kontrabass entsteht ein bewusst orchestrierter Abend.


    Das Format selbst wird damit zum Lehrbeispiel für modernes Marketing: Inhalte, Personen, Räume und Emotionen werden so verknüpft, dass ein Erlebnis mit Nachhall entsteht – weit über den Veranstaltungstermin hinaus.


    8. Impulse für das „Marketing der nächsten Stadt-Generation“


    Aus Sicht unserer Forschung zur Zukunft der Innenstädte, Markenführung und Lebensqualitäts Indikatoren stellt dieser Abend mehr dar als „Kulturprogramm“.


    Er liefert konkrete Denkanstöße, wie Städte wie Augsburg ihre Rolle neu definieren können: als lernende Organisationen, die Brechts Fragen nach Gerechtigkeit, Teilhabe und Lebensqualität ernst nehmen – und daraus ein zeitgemäßes, glaubwürdiges Stadt Marketing entwickeln.


    11. Februar um 19:30 - 22:00

    Bayernkolleg Schillstraße 100, 86169 Augsburg


    Ein Gespräch über aktuelle Politik, über das Stadtleben und natürlich auch über Bert Brecht.


    Vorverkauf: Buchhandlung am Obstmarkt, Tel. 0821/ 518804, Eintritt: 15,- €


    https://www.buchhandlung-am-obstmarkt.de/veranstaltungen/




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  • Beitrag 502/1 - Früher Blick über den Tellerrand im Handel - Weichenstellungen des Aldi-Clans bereits in den 70er Jahren

    Früher Blick über den Tellerrand im Handel


    Weichenstellungen des Aldi-Clans bereits in den 70er Jahren



    Dr. Bernd W. Dornach


    Es gibt wohl keine Branche, die aktuell nicht vor den notwendigen Veränderungsprozessen steht. Oft sind Maßnahmen unter Zwang strategisch weniger erfolgreich, als frühzeitige Weichenstellungen. Von den Erfahrungen in guten Zeiten ganz zu schweigen. Wir von UNI MARKETING schätzen aus diesem Grund schon immer die Devise "lieber zwei Schritte zu früh als einen Schritt zu spät." Zurückgeblieben ist ein Reservoir von nicht umgesetzten Maßnahmen und nicht realisierten Konzepten. Zum aktuellen Status Quo möchten wir auch behaupten, dass KI-Empfehlungen in dieser Liga eher noch nicht vergleichbar sind. Und wir sammeln für unseren als Think-Tank gedachtes Konzept der Zukunfts-Tage mit unserem Team bevorzugt solche Ideen mit dem Blick über den Tellerrand. 


    Berichte und Denke zur Nachahmung empfohlen. Gerne mit Ihrem Bericht im Blog und Herzlich Willkommen zu unserer nächsten Zukunfts-Tagung am 16.10.2026.


    Hier dazu ein Bericht über ein Konzept aus dem LEH, dass auch wir trotz intensiver Marktbeobachtung bisher nicht auf dem Schirm hatten. Entdeckt in einem Bericht im aktuellen manager magazin mit dem Titel: 


    "DER HIPPIETRAUM DER ALDI-FAMILIE" *


    1. Die Gebrüder Aldi haben mit der systematischen Perfektion der Discount-Idee im Handel Geschichte geschrieben. Bereits Ende der 70er-Jahre machte der Aldi-Clan durch die Übernahme von Trader Joe`s in Kalifornien wohl den besten Deal, der auch vielen Insidern entgangen sein dürfte - heute aber als Konzept auch für Europa taugen könnte? Daher dieser Beitrag.


    2. Der Kultstatus von Trader Joe`s hat viele Influencer inspiriert. Natascha Fischer folgen fast zwei Millionen Menschen auf ihrem Instagram-Account "TraderJoesList", auf dem sie fast täglich neue Produkte aus dem Sortiment ausprobiert und bewertet. Geld bekommt sie von Trader Joe`s keines, weil es die Supermarktkette nicht nötig hat.


    3. Die Performance von Trader Joe`s mit dem Kultstatus schreibt sich so: Ständig wechselndes Sortiment, bunt gestaltete Läden mit Karibikmotiven, dazu passend mit Karibikhemden bekleidete Verkäuferinnen zu deren Job explizit auch der Small Talk mit der Kundschaft gehört. Damit hat sich die Marke nach dem amerikanischen Handelsexperten Errol Schweizer "eine echte Gefolgschaft" aufgebaut, ein Phänomen, worüber kein Wettbewerber in der Form verfüge. In New York oder London sind die Einkaufsbeutel aus Baumwolle begehrte und teils teuer gehandelte Modeaccessoires. Städte betteln in der Firmenzentrale im kalifornischen Monrovia regelmäßig um die Ansiedelung einer Filiale, um einzelne Viertel aufzuwerten. Dem Aldi-Clan ist seitdem das Kunstwerk gelungen, neben ihrer Stammmarke Aldi Nord eine hochprofitable Zweitmarke als "Anti-Aldi" mit zuletzt 622 Filialen aufzubauen, die im vergangenen Jahr wieder zum beliebtesten Supermarkt in Amerika gekürt wurde.


    4. Der uns aus seinen geschätzten Veröffentlichungen zur Aldi-Erfolgsstory bekannte Dieter Brandes, aus denen ich viele Studieninhalte und Vorträge ableiten konnte, hat den Coup damals im Auftrag von Theo Albrecht eingefädelt, der die Rechte für das Amerika-Geschäft seinem Bruder Karl Albrecht abgetreten hatte und der als Aldi Süd 1976 die erste US-Filiale eröffnete. Zukäufe waren Theo Albrecht aber nicht verboten. Dieter Brandes handelte nach dem dreifachen der ursprünglich gebotenen Summe auch den vom Verkäufer geforderten Deal aus, dass nichts am Konzept geändert werde. Der Gründer Joe Coulombe beteiligte die Mitarbeiter am Unternehmen, setzte diese unterschiedlich ein und bezahlte sie überdurchschnittlich gut. Ein reines Invest, dsas getreu der Aldi-Tradition extrem verschwiegen blieb.


    5. Ganz in Aldi-Gangart verzichtet auch Trader Joe`s auf Schnickschnack, allerdings gekonnt ohne den Billigcharme zu versprühen. Auch bei den Spirenzchen der Wettbewerber mit Experimenten hält sich Trader Joe`s zurück und bleibt in seinem Angebotskonzept ziemlich konsequent. Als Systemmerkmal wandelt sich das Sortiment allerdings permanent. Auf bekannte Marken wird weitestgehend zu Gunsten von lukrativen  Eigenmarken verzichtet. Und dabei wird konsequent auf ein Produkt statt mehrerer Alternativen gesetzt, das vorher durch dezidierte Geschmackstests von besonders qualifizierten Testpersonen geprüft wird. Der deutsche Handelsexperte Carsten Kortum wird im Beitrag mit der Aussage zitiert: "Die emotionale Anziehungskraft von deren Eigenmarken ist einzigartig."


    6. Obwohl ein professionelles Einkaufs- und Distributionssystem ("Optimierung bis ins Detail") dahintersteckt, wirkt Alles eher wie ein Garagenflohmarkt und selbst gemacht, sehr chaotisch und kreativ. Das Ergebnis überzeugt: Trader Joe`s verkauft im Quadratmeterumsatz mehr als jeder andere US-Lebensmittelhändler mit verhältnismäßig hoher Personalquote.


    7. Bessere Entlohnungen als der Branchendurchschnitt ziehen auch bessere Leute an. Eine ganz natürlich nachvollziehbares Erfolgsmodell erlebt auch hierzulande trotz KI bedingter Kündigungswellen so langsam eine Wiedergeburt, wie Andrea Wenzel in einem Beitrag in der Augsburger Allgemeinen gerade aufzeigt.**


    8. Den inspirierende Beitrag im manager magazin schließt die Autorin Mirjam Hecking mit der Vermutung, dass der Erfolg vielleicht auch das europäische Aldi-System einmal ergänzen könnte. Das sehe ich ganz genau so! Zu wünschen wäre es in Zeiten der ausufernden Konzentration auf den Preiswettbewerb und austauschbarer Angebote für eine besondere Anspruchsgruppe auf jeden Fall. Und die Erlebnisqualität der Innenstädte würde sich in den Discount-Schlachten mit Döner- und Pizza-Offerten an jeder Ecke auf jeden Fall verbessern. 


    * Hecking, Mirjam: DER HIPPIETRAUM DER ALDI-FAMILIE, in: manager magazin 02/2026


    ** Brandes, Dieter: Die 11 Geheimnisse des ALDI-Erfolges, ISBN: 3-593-37294-0, sowie: Konsequent einfach, die Aldi Erfolgsstory, ISBN: 3-453-15525-4


    ** Wenzel, Andrea: Weniger Arbeitszeit, mehr Gehalt - warum diese Augsburger Chefs ihren Angestellten etwas gönnen, in: Augsburger Allgemeine vom 18.01.26


    Korrespondierende Beiträge zum Aldi-Prinzip im Blog unter den Nummern 178/1 sowie 058/1 sowie zur Attraktivität der Flohmärkte unter der Nummer 080/1.


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  • Beitrag 501/1 - Wikipedia 25 Jahre am Markt - Vom Gestern für Morgen lernen

    Wikipedia 25 Jahre am Markt


    Vom Gestern für Morgen lernen



    Dr. Bernd W. Dornach


    Die Digital-Enzyklopädie Wikipedia ging vor 25 Jahren mit einem Geschäftsmodell an den Start.


    Das Internet als ein friedlicher Ort des Lernens von erfahrenen und verantwortungsvollen Experten ohne politische Machtansprüche.


    Weniger zur unreflektierten Übernahme der Inhalte sondern zur eigenen Inspiration und zum Weiterdenken.


    Gedacht als neuer qualifizierter Sparringpartner, zusätzlich zu anderen häufig noch analog daherkommenden Informationsquellen.


    Ordentliche Zitation im wissenschaftlichen Sinne war damals noch eine Selbstverständlichkeit. Die weiterführenden Quellen bei Wikipedia eine Herausforderung für die Profis, die in die Tiefe gehen wollen.


    Kein Platz für den heutigen Stand der technischen Weiterentwicklung mit Abgriff individueller Daten und Algorithmen zur Manipulation diverser Interessen. Aus Prinzip Gemeinnützig, kostenlos und offen für Alle. World Wide Web (www) in 300 Sprachen. Ohne staatliche Zensur und kapitalistischen Interessen.


    "Die Befürchtungen, dass die Menschen fortan nur noch Halbwissen zu lesen bekommen, weil keine bezahlten Fachleute mehr daran arbeiten, hat sich nicht bewahrheitet. Die Wikipedianer recherchieren und schreiben nicht nur, sie betreiben auch Selbstkorrektur."


    Wikipedia hat überlebt, obwohl das Internet mit immenser Reichweite von wenigen großen Portalen und als Geschäftsmodell von den wertvollsten Unternehmen der Welt Meta, Alphabet und Amazon als Plattform-Anbieter monopolistisch dominiert wird.


    Die Inspirationen zu diesem Beitrag von Feuilleton-Chef Richard Mayr der Augsburger Allgemeinen titelt er so:


    "Die Konzerne haben das Netz in eine Droge verwandelt."*


    Die Algorithmen sind bei KI heute so angelegt, dass möglichst viel Zeit auf die Beschäftigung damit entfällt und sich daraus Verhaltenskonsequenzen, wie beispielsweise Handels- und Dienstleistungsumsätze generieren lassen. Richard Mayr zitiert eine repräsentative Digitalstudie für das Jahr 2025, die eine durchschnittliche Nutzungsdauer der Informationen auf den Smartphones von 72 Stunden pro Woche ergibt. Das sind rechnerisch unfassbare zehn Stunden pro Tag. 


    Zwischenergebnis von Richard Mayr: Die Idee Wikipedia könnte Mut machen. "Eine andere digitale Welt wäre ja immer noch möglich - offen, gemeinnützig und am Wohl des Menschen orientiert. Was spricht eigentlich dagegen?"


    * Mayr, Richard: Von Wikipedia können wir lernen, wie der digitale Raum sein könnte, Kommentar in:  Augsburger Allgemeine vom 14.01.2026



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