Aktuelles 501-550


Hier finden Sie "Aktuelles" in Beitragsform von Dr. Bernd W. Dornach und Gastautoren.

  • Gastbeitrag 503/1 - "Die Städte sind für Dich gebaut ..." (Bert Brecht) - Einladung zum Gespräch über Städte, Medien und Politik - am 11. Februar 2026

    "Die Städte sind für Dich gebaut ..." (Bert Brecht)


    Einladung zum Gespräch über Städte, Medien und Politik


    Nachgang zu unserer Veranstaltung "Die dritten Orte" bei den Zukunfts-Tagungen am 10.10.2025 im CARDAMOCCA


    Bert Brecht hat sich ausgiebig mit den Lebensbedingungen in den Städten befasst. Doch wie aktuell sind seine Beobachtungen? Darüber spricht Moderator und Brecht-Experte Günter Berg mit drei Experten, die sich täglich berufsmäßig mit städtischen Alltagsgeschäften beschäftigen: Als Politikerin im Bundestag und in den Medien-Redaktionen in Augsburg und München.


    Von Brechts Texten und Gedichten ausgehend diskutiert die Experten-Runde, was lebenswerte Städte heute ausmacht und vor welchen baulichen, ökologischen und sozialen Herausforderungen Stadt- (und Speckgürtel-) Bewohnerinnen und Bewohner heute stehen. Und welche Rolle die Bürgerinnen und Bürger spielen (sollten).


    Bericht von Nils Söder


    1. Ausgangsfrage: Wie „artgerecht“ sind unsere Städte heute?


    Bertolt Brecht hat früh gefragt, unter welchen Bedingungen Menschen in Städten leben, arbeiten, hoffen – oder scheitern.


    Die Veranstaltung „Die Städte sind für dich gebaut – Brecht im Gespräch über Städte, Medien und Politik“ nimmt diese Frage auf und überträgt sie konsequent auf die Gegenwart von Augsburg und seinem Umland.


    2. Forschungslabor Stadt: Bayernkolleg als Bühne für Zukunftsfragen


    Der Ort ist klug gewählt: Das Bayernkolleg Augsburg – eine Schule für Erwachsene mit eigener Transformationsgeschichte – wird zur Bühne für ein Stadtlabor im Brecht’schen Sinne.


    Hier diskutieren Expertinnen und Experten nicht theoretisch „über“ Stadt, sondern aus ihrer täglichen Praxis in Politik, Verwaltung und Medien heraus.


    3. Drei Perspektiven auf Stadt: Politik, Verwaltung, Medien


    Auf dem Podium treffen sich eine Bundestagspolitikerin, Fachleute aus der Kommunalverwaltung und Redaktionen aus Augsburg und München.


    Sie bringen jene Spannungsfelder mit, die wir aus unserer Forschung zu Innenstadtentwicklung, Handel und urbanem Lebensgefühl kennen: bauliche Verdichtung, soziale Spaltung, Mobilität, Klimadruck – und die Frage, wer in der Stadt überhaupt noch gehört wird.


    4. Die Rolle der Bürgerinnen und Bürger: Zuschauer, Statisten – oder Mitregisseure?


    Von Brechts Texten ausgehend fragt der Abend, welche Rolle Bürgerinnen und Bürger heute in der Stadtentwicklung spielen sollen – und tatsächlich spielen.


    Aus Marketingsicht ist das die Schlüsselfrage: Bleibt Stadtgestaltung ein „Top down Projekt“ oder gelingt die Transformation zu einer echten Mitmach Bühne, in der aus Konsumenten von Raumgestaltungen aktive Co Produzenten des urbanen Lebensgefühls werden?


    5. Medien als Stadtmacher: Wie Bilder von Stadt unser Verhalten steuern


    Mit Peter Müller, Chefredakteur der Augsburger Allgemeinen, sitzt ein zentraler „Stadtbild Gestalter“ auf dem Podium.


    Wie Medien Stadt zeigen – als Konfliktraum, Möglichkeitsraum oder „Problemzone“ – beeinflusst, wie Menschen in Augsburg investieren, bleiben, wegziehen oder sich engagieren; genau hier knüpfen unsere eigenen Beiträge zu Innenstadt, Handel und Markenprofilierung an.


    6. Brecht und Augsburg: Vom Brecht-Shop zur Stadtmarke


    Dass der Vorverkauf über die Buchhandlung am Obstmarkt läuft, ist kein Zufall: Sie beherbergt den weltweit einzigartigen Brecht Shop und ist Herzstück der „Brecht Meile“ in der Innenstadt.


    Augsburg nutzt dieses Erbe zunehmend strategisch – als kulturelles Alleinstellungsmerkmal, als emotionalen Anker im Städtemarketing und als Symbol für kritische, aber lebensbejahende Urbanität.


    7. Musik, Text, Diskussion: Orchestrierung statt Einzelmaßnahmen


    Mit Moderator und Brecht Herausgeber Günter Berg sowie Live Musik von Klarinette, Saxophon und Kontrabass entsteht ein bewusst orchestrierter Abend.


    Das Format selbst wird damit zum Lehrbeispiel für modernes Marketing: Inhalte, Personen, Räume und Emotionen werden so verknüpft, dass ein Erlebnis mit Nachhall entsteht – weit über den Veranstaltungstermin hinaus.


    8. Impulse für das „Marketing der nächsten Stadt-Generation“


    Aus Sicht unserer Forschung zur Zukunft der Innenstädte, Markenführung und Lebensqualitäts Indikatoren stellt dieser Abend mehr dar als „Kulturprogramm“.


    Er liefert konkrete Denkanstöße, wie Städte wie Augsburg ihre Rolle neu definieren können: als lernende Organisationen, die Brechts Fragen nach Gerechtigkeit, Teilhabe und Lebensqualität ernst nehmen – und daraus ein zeitgemäßes, glaubwürdiges Stadt Marketing entwickeln.


    11. Februar um 19:30 - 22:00

    Bayernkolleg Schillstraße 100, 86169 Augsburg


    Ein Gespräch über aktuelle Politik, über das Stadtleben und natürlich auch über Bert Brecht.


    Vorverkauf: Buchhandlung am Obstmarkt, Tel. 0821/ 518804, Eintritt: 15,- €


    https://www.buchhandlung-am-obstmarkt.de/veranstaltungen/




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  • Beitrag 502/1 - Früher Blick über den Tellerrand im Handel - Weichenstellungen des Aldi-Clans bereits in den 70er Jahren

    Früher Blick über den Tellerrand im Handel


    Weichenstellungen des Aldi-Clans bereits in den 70er Jahren



    Dr. Bernd W. Dornach


    Es gibt wohl keine Branche, die aktuell nicht vor den notwendigen Veränderungsprozessen steht. Oft sind Maßnahmen unter Zwang strategisch weniger erfolgreich, als frühzeitige Weichenstellungen. Von den Erfahrungen in guten Zeiten ganz zu schweigen. Wir von UNI MARKETING schätzen aus diesem Grund schon immer die Devise "lieber zwei Schritte zu früh als einen Schritt zu spät." Zurückgeblieben ist ein Reservoir von nicht umgesetzten Maßnahmen und nicht realisierten Konzepten. Zum aktuellen Status Quo möchten wir auch behaupten, dass KI-Empfehlungen in dieser Liga eher noch nicht vergleichbar sind. Und wir sammeln für unseren als Think-Tank gedachtes Konzept der Zukunfts-Tage mit unserem Team bevorzugt solche Ideen mit dem Blick über den Tellerrand. 


    Berichte und Denke zur Nachahmung empfohlen. Gerne mit Ihrem Bericht im Blog und Herzlich Willkommen zu unserer nächsten Zukunfts-Tagung am 16.10.2026.


    Hier dazu ein Bericht über ein Konzept aus dem LEH, dass auch wir trotz intensiver Marktbeobachtung bisher nicht auf dem Schirm hatten. Entdeckt in einem Bericht im aktuellen manager magazin mit dem Titel: 


    "DER HIPPIETRAUM DER ALDI-FAMILIE" *


    1. Die Gebrüder Aldi haben mit der systematischen Perfektion der Discount-Idee im Handel Geschichte geschrieben. Bereits Ende der 70er-Jahre machte der Aldi-Clan durch die Übernahme von Trader Joe`s in Kalifornien wohl den besten Deal, der auch vielen Insidern entgangen sein dürfte - heute aber als Konzept auch für Europa taugen könnte? Daher dieser Beitrag.


    2. Der Kultstatus von Trader Joe`s hat viele Influencer inspiriert. Natascha Fischer folgen fast zwei Millionen Menschen auf ihrem Instagram-Account "TraderJoesList", auf dem sie fast täglich neue Produkte aus dem Sortiment ausprobiert und bewertet. Geld bekommt sie von Trader Joe`s keines, weil es die Supermarktkette nicht nötig hat.


    3. Die Performance von Trader Joe`s mit dem Kultstatus schreibt sich so: Ständig wechselndes Sortiment, bunt gestaltete Läden mit Karibikmotiven, dazu passend mit Karibikhemden bekleidete Verkäuferinnen zu deren Job explizit auch der Small Talk mit der Kundschaft gehört. Damit hat sich die Marke nach dem amerikanischen Handelsexperten Errol Schweizer "eine echte Gefolgschaft" aufgebaut, ein Phänomen, worüber kein Wettbewerber in der Form verfüge. In New York oder London sind die Einkaufsbeutel aus Baumwolle begehrte und teils teuer gehandelte Modeaccessoires. Städte betteln in der Firmenzentrale im kalifornischen Monrovia regelmäßig um die Ansiedelung einer Filiale, um einzelne Viertel aufzuwerten. Dem Aldi-Clan ist seitdem das Kunstwerk gelungen, neben ihrer Stammmarke Aldi Nord eine hochprofitable Zweitmarke als "Anti-Aldi" mit zuletzt 622 Filialen aufzubauen, die im vergangenen Jahr wieder zum beliebtesten Supermarkt in Amerika gekürt wurde.


    4. Der uns aus seinen geschätzten Veröffentlichungen zur Aldi-Erfolgsstory bekannte Dieter Brandes, aus denen ich viele Studieninhalte und Vorträge ableiten konnte, hat den Coup damals im Auftrag von Theo Albrecht eingefädelt, der die Rechte für das Amerika-Geschäft seinem Bruder Karl Albrecht abgetreten hatte und der als Aldi Süd 1976 die erste US-Filiale eröffnete. Zukäufe waren Theo Albrecht aber nicht verboten. Dieter Brandes handelte nach dem dreifachen der ursprünglich gebotenen Summe auch den vom Verkäufer geforderten Deal aus, dass nichts am Konzept geändert werde. Der Gründer Joe Coulombe beteiligte die Mitarbeiter am Unternehmen, setzte diese unterschiedlich ein und bezahlte sie überdurchschnittlich gut. Ein reines Invest, dsas getreu der Aldi-Tradition extrem verschwiegen blieb.


    5. Ganz in Aldi-Gangart verzichtet auch Trader Joe`s auf Schnickschnack, allerdings gekonnt ohne den Billigcharme zu versprühen. Auch bei den Spirenzchen der Wettbewerber mit Experimenten hält sich Trader Joe`s zurück und bleibt in seinem Angebotskonzept ziemlich konsequent. Als Systemmerkmal wandelt sich das Sortiment allerdings permanent. Auf bekannte Marken wird weitestgehend zu Gunsten von lukrativen  Eigenmarken verzichtet. Und dabei wird konsequent auf ein Produkt statt mehrerer Alternativen gesetzt, das vorher durch dezidierte Geschmackstests von besonders qualifizierten Testpersonen geprüft wird. Der deutsche Handelsexperte Carsten Kortum wird im Beitrag mit der Aussage zitiert: "Die emotionale Anziehungskraft von deren Eigenmarken ist einzigartig."


    6. Obwohl ein professionelles Einkaufs- und Distributionssystem ("Optimierung bis ins Detail") dahintersteckt, wirkt Alles eher wie ein Garagenflohmarkt und selbst gemacht, sehr chaotisch und kreativ. Das Ergebnis überzeugt: Trader Joe`s verkauft im Quadratmeterumsatz mehr als jeder andere US-Lebensmittelhändler mit verhältnismäßig hoher Personalquote.


    7. Bessere Entlohnungen als der Branchendurchschnitt ziehen auch bessere Leute an. Eine ganz natürlich nachvollziehbares Erfolgsmodell erlebt auch hierzulande trotz KI bedingter Kündigungswellen so langsam eine Wiedergeburt, wie Andrea Wenzel in einem Beitrag in der Augsburger Allgemeinen gerade aufzeigt.**


    8. Den inspirierende Beitrag im manager magazin schließt die Autorin Mirjam Hecking mit der Vermutung, dass der Erfolg vielleicht auch das europäische Aldi-System einmal ergänzen könnte. Das sehe ich ganz genau so! Zu wünschen wäre es in Zeiten der ausufernden Konzentration auf den Preiswettbewerb und austauschbarer Angebote für eine besondere Anspruchsgruppe auf jeden Fall. Und die Erlebnisqualität der Innenstädte würde sich in den Discount-Schlachten mit Döner- und Pizza-Offerten an jeder Ecke auf jeden Fall verbessern. 


    * Hecking, Mirjam: DER HIPPIETRAUM DER ALDI-FAMILIE, in: manager magazin 02/2026


    ** Brandes, Dieter: Die 11 Geheimnisse des ALDI-Erfolges, ISBN: 3-593-37294-0, sowie: Konsequent einfach, die Aldi Erfolgsstory, ISBN: 3-453-15525-4


    ** Wenzel, Andrea: Weniger Arbeitszeit, mehr Gehalt - warum diese Augsburger Chefs ihren Angestellten etwas gönnen, in: Augsburger Allgemeine vom 18.01.26


    Korrespondierende Beiträge zum Aldi-Prinzip im Blog unter den Nummern 178/1 sowie 058/1 sowie zur Attraktivität der Flohmärkte unter der Nummer 080/1.


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  • Beitrag 501/1 - Wikipedia 25 Jahre am Markt - Vom Gestern für Morgen lernen

    Wikipedia 25 Jahre am Markt


    Vom Gestern für Morgen lernen



    Dr. Bernd W. Dornach


    Die Digital-Enzyklopädie Wikipedia ging vor 25 Jahren mit einem Geschäftsmodell an den Start.


    Das Internet als ein friedlicher Ort des Lernens von erfahrenen und verantwortungsvollen Experten ohne politische Machtansprüche.


    Weniger zur unreflektierten Übernahme der Inhalte sondern zur eigenen Inspiration und zum Weiterdenken.


    Gedacht als neuer qualifizierter Sparringpartner, zusätzlich zu anderen häufig noch analog daherkommenden Informationsquellen.


    Ordentliche Zitation im wissenschaftlichen Sinne war damals noch eine Selbstverständlichkeit. Die weiterführenden Quellen bei Wikipedia eine Herausforderung für die Profis, die in die Tiefe gehen wollen.


    Kein Platz für den heutigen Stand der technischen Weiterentwicklung mit Abgriff individueller Daten und Algorithmen zur Manipulation diverser Interessen. Aus Prinzip Gemeinnützig, kostenlos und offen für Alle. World Wide Web (www) in 300 Sprachen. Ohne staatliche Zensur und kapitalistischen Interessen.


    "Die Befürchtungen, dass die Menschen fortan nur noch Halbwissen zu lesen bekommen, weil keine bezahlten Fachleute mehr daran arbeiten, hat sich nicht bewahrheitet. Die Wikipedianer recherchieren und schreiben nicht nur, sie betreiben auch Selbstkorrektur."


    Wikipedia hat überlebt, obwohl das Internet mit immenser Reichweite von wenigen großen Portalen und als Geschäftsmodell von den wertvollsten Unternehmen der Welt Meta, Alphabet und Amazon als Plattform-Anbieter monopolistisch dominiert wird.


    Die Inspirationen zu diesem Beitrag von Feuilleton-Chef Richard Mayr der Augsburger Allgemeinen titelt er so:


    "Die Konzerne haben das Netz in eine Droge verwandelt."*


    Die Algorithmen sind bei KI heute so angelegt, dass möglichst viel Zeit auf die Beschäftigung damit entfällt und sich daraus Verhaltenskonsequenzen, wie beispielsweise Handels- und Dienstleistungsumsätze generieren lassen. Richard Mayr zitiert eine repräsentative Digitalstudie für das Jahr 2025, die eine durchschnittliche Nutzungsdauer der Informationen auf den Smartphones von 72 Stunden pro Woche ergibt. Das sind rechnerisch unfassbare zehn Stunden pro Tag. 


    Zwischenergebnis von Richard Mayr: Die Idee Wikipedia könnte Mut machen. "Eine andere digitale Welt wäre ja immer noch möglich - offen, gemeinnützig und am Wohl des Menschen orientiert. Was spricht eigentlich dagegen?"


    * Mayr, Richard: Von Wikipedia können wir lernen, wie der digitale Raum sein könnte, Kommentar in:  Augsburger Allgemeine vom 14.01.2026



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