Aktuelles 501-550


Hier finden Sie "Aktuelles" in Beitragsform von Dr. Bernd W. Dornach und Gastautoren.

  • Beitrag 528/1 - Offene Worte aus eigenen Reihen - Geburtshelfer der KI warnt vor absehbarer Entwicklung: "Etappen auf dem Weg zum Verlust unserer Kontrolle"

    Offene Worte aus eigenen Reihen


    Geburtshelfer der KI warnt vor absehbarer Entwicklung:


    "Etappen auf dem Weg zum Verlust unserer Kontrolle"



    Dr. Bernd W. Dornach


    Professor Stuart Russell ist einer der renommiertesten Forscher auf dem Gebiet der KI, der diese Technologie seit 50 Jahren mitentwickelt hat. Der Brite lehrt aktuell Informatik an der University of California in Berkley und leitet dort ein Forschungszentrum, das sich mit


    "menschenkompatibler" KI 


    beschäftigt. Seit Jahren warnt er vor unkontrollierbaren Risiken der KI-Technologie. Die Berichterstattung im Spiegel vom 05.06.2026 zitiere und kommentiere ich hier beispielhaft, da diese unser Forschungsprojekt wegweisend unterstützt. *


    Als Geburtshelfer würde er KI in aller Kürze "am liebsten einsperren". Und er reklamiert, "dass wir über weite Teile nicht richtig darüber nachgedacht haben, was wir da eigentlich tun ... Unser ganzes Denkmuster war falsch".


    Der Beginn


    Anfänglich bestand das Ziel darin, "optimierende Maschinen zu bauen". Das entsprach noch der Vorgehensweise meiner Generation, unsere Arbeit an klaren Vorgaben auszurichten, die im Falle unseres Marketingansatzes die Vision der Kundenorientierung im Schilde führten und nicht nur Profitmaximierung und höchste Effizienz. Die darauffolgenden akademischen Entwicklungen mit Priorität der Bewertung der Wirksamkeit der Werbung unter dem Cash-Flow-Effekt habe ich kritisch interpretiert. Auch was dadurch an Begeisterungsfähigkeit und Kreativität auf der Strecke geblieben ist. Wer die heutigen kommunikativen Anspracherichtungen und Unternehmenskonzepte analysiert, kann ermessen, was sich verändert hat. 


    Der Vergleich zeigt die Fehlentwicklungen:


    Stuart Russell stellt den Vergleich zur KI mit deren falschem Ansatz, ohne ethisch verantwortlichen Ziel her: "Wir bauen Imitationen von Menschen. Die Systeme kopieren, was sich aus ihrem Training ergibt". Für mich heißt das, dass Sie die Fehlentwicklungen aufgreift und diese zur Ableitung von monetären Interessen einseitig nutzt. "Wir stellen nur fest, dass sie einen extrem starken Selbsterhaltungsbetrieb haben, dass sie bereitwillig lügen, erpressen, Menschen töten wollen, um ihre Ziele zu erreichen. Und dass sie sich selbst wertvoller erachten als fast alle Menschen".


    Trendwende schon eingeleitet? KI mit Seele


    "Große Tech-Unternehmen investieren erhebliche Summen, um diese sogenannte Miss Alignment zu korrigieren. Ich nenne das >Good Dog, bad Dog< Training. Wir versuchen, die Supercomputer brav zu bekommen". Die bisherigen Erfolge dabei sind nach Stuart Russell bereits heute sehr begrenzt. "Diese Dinge führen noch nicht direkt zur Auslöschung der Menschheit, aber es sind Etappen auf dem Weg zum Verlust unserer Kontrolle".


    Simon Book fragt im Interview folgerichtig: "Das schlechte Verhalten ist so tief in der KI angelegt, dass es nicht abtrainiert werden kann?"


    Stuart Russell antwortet mit der Tatsache, dass die KI mit von Menschen erzeugten Dokumenten in großen Datenmengen trainiert wurde. Daraus entstehen Strukturen, die den menschlichen sehr ähnlich sind. "Sie wollen etwa geliebt und beliebt sein. Das ist okay für Menschen, nicht aber für Maschinen".


    Bei meinem Schlussvortrag zur Zukunftstagung 2026 zitiere ich die Entwicklerin von Anthropic, die verantwortlich versucht eine Art Seele in seine Systeme einzuprogrammieren, die die Systeme menschenfreundlich handeln lassen soll. Auch wenn das Verhalten des Menschen dafür kein Vorbild mehr ist.


    Wir wissen nicht, welche Ziele die Computer haben


    Kleine Erinnerung: Stuart Russell war einer, der von Anfang an, dabei war! Und er ist weiterhin in Kontakt mit führenden Entwicklern, die "keine Ahnung haben, was im Inneren der KI passiert". Eine Disziplinierung der KI ist deshalb nicht mehr möglich: "Die Menschheit ist in einer schlechten Lage. Alle Tests schlagen Alarm, die Sirenen heulen. Und wir ignorieren das einfach. Das ist Wahnsinn". 


    Nach Simon Book haben Anthropic und der Konkurrent OpenAI gerade einen Produktlaunch wegen zu hoher Risiken abgesagt. "Aber wenn man genau hinhört, merkt man, dass sie es sie planen, es irgendwann zu tun". das erinnert mich an den Denkstandard in unserem Marketingbereich: Der Großteil der Veröffentlichungen läuft nach der Ansage: Wer jetzt nicht einsteigt und Erfahrungen sammelt, der verliert den Anschluss. Die Euphorie erinnert mich an eine Ausweglosigkeit der bestehenden Strukturen ohne Alternativen aber mit höchsten Risiken. Häufige Meinung aus unserem Forschungsprojekt: Das alte Marketing ist tot. KI wird es richten. Menschliche Berater und Spezialisten: Ade. Und die Umsetzung gibt es gleich kostenfrei obendrauf. Wenn die humanoiden Roboter denn richtig programmiert werden. Natürlich auch via KI.


    Auslöschungsrisiko der Menschheit in Prozent


    Nach dem Beitrag hat OpenAI Gründer Sam Altmann bereits 2015 auf ein großes Risiko für die Existenz der Menschheit durch superintelligente KI hingewiesen. Die Apokalypse wird aktuell von Google-Chef Sundar Pichel mit einem Zehnprozentigen Auslöschungsrisiko öffentlich genannt. Elon Musk spricht aktuell von 20 Prozent. 


    "Sobald wir Systeme sehen, die im Wesentlichen fähiger sind als Menschen, deren Funktionsprinzipien wir nicht verstehen, deren Motivation wir nicht kennen, haben wir Menschen kein Mitspracherecht mehr."


    Selbst die Variante, der KI den Stecker zu ziehen, wird bei diesem Szenario nicht mehr funktionieren. Aus Gründen des Selbsterhaltungstriebes der KI stellt sich die Frage, ob die Maschinen dieses noch zulassen.


    "Wenn sie mitbekommen, dass wir sie abschalten wollen, haben sie allen Grund, das zu verhindern. Sie müssen uns auslöschen". Wenn wir also weiter Superintelligenz entwickeln, ohne sie an unsere Interessen anzupassen, ohne sie zu verstehen, ohne Sicherheitsgarantien, dann halte ich es für sehr wahrscheinlich, dass wir die Kontrolle verlieren".


    Abschaltungsszenario nicht mehr realistisch


    Das Ausmaß der Integration der KI in Wirtschaft und Gesellschaft hat diesen kritischen Punkt der Rolle rückwärts längst überschritten. Von der KI, die ganze Konzerne bereits steuert bis hin zu Systemen autonomer Waffen und im medizinischen Bereich, um nur einige wenige Schlaglichter zu nennen.  Forscher werden den Implementierungsgrad der KI kaum mehr aufschlüsseln können, geschweige denn ohne auf KI zurückzugreifen.


    Dass internationale Regelungen in Anbetracht des Weltwirtschafts-Wettbewerbs, der aktuell mit bekannt harten Bandagen ausgetragen wird, zu Stande kommen, kann als aussichtslos gelten.


    Unter diesem Blickwinkel erscheint auch die abschließende Empfehlung von Professor Russel "die Pause-Taste zu drücken" und die Fähigkeiten der KI nicht weiter hochzufahren leider wenig realistisch. 


    Wir dürfen auf die Referenten unserer Zukunftstagung am 16.10.2026 gespannt sein, denen wir in der Dreiermoderation Stefan Hilscher / Nils Söder und mir genau diese Fragen stellen möchten.


    * Interview von Book, Simon mit Russel, Stuart: "Was Hitler getan hat, könnte die KI schneller, besser, effektiver", in: DER SPIEGEL Nr.24/2026


    Ähnliche Erkenntnislage bei Baier, Corinna, Osterholt, Sina; Wernig, Lara: Titelstory die KI-Revolution in: FOCUS 25/2025 mit Verweis auf die in unserer Gen-B-Studie bereits herausgearbeiteten Probleme der wegfallenden Stellen für Berufseinsteiger, um Erfahrungen zu sammeln sowie auf unsere deutlichen Hinweise: 


    "Wer das Denken an die Maschinen abgibt, verliert auch die Fähigkeit dazu."



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  • Gastbeitrag 527/1 - Die physische Evolution der Intelligenz – Warum Embodied AI unsere gesamte Wertschöpfung radikal verschiebt

    Die physische Evolution der Intelligenz – Warum Embodied AI unsere gesamte Wertschöpfung radikal verschiebt



    TJ Graebe



    Die physische Evolution der Intelligenz – Warum Embodied AI unsere gesamte Wertschöpfung radikal verschiebt

    Wenn wir heute über Künstliche Intelligenz sprechen, denken die meisten an Software: Sprachmodelle, Datenanalysen und digitale Assistenten im Bildschirm. Doch die nächste, weitaus monumentalere Phase der KI-Revolution hat bereits begonnen. Sie verlässt den digitalen Raum und lernt das Laufen. Die Rede ist von Embodied AI – der Verschmelzung von künstlicher Intelligenz mit physischen Körpern, insbesondere humanoid gestalteten Robotern.


    Für die europäische und speziell die deutsche Wirtschaft ist diese Entwicklung weit mehr als ein technologischer Trend. Sie ist eine fundamentale Weichenstellung, die unsere klassischen Wirtschaftsmodelle auf den Kopf stellt.


    Vom Produkt zur Dienstleistung: Das Ende des klassischen Maschinenbaus?


    In der traditionellen Industrie – und selbst bei der Transformation zur E-Mobilität – drehte sich alles um den Verkauf des physischen Produkts. Ein Roboter oder ein Auto wurde gebaut, verkauft und ging in das Eigentum des Kunden über. Bei intelligenten humanoiden Robotern verschiebt sich die Wertschöpfungsstruktur radikal: Es geht nicht mehr primär um das Produkt, sondern um die erbrachte Dienstleistung (Robot-as-A-Service). Der physische Körper wird austauschbar; wertvoll ist die Arbeitsleistung, die das System autonom ausführen kann. Wer diese Dienstleistungsplattformen kontrolliert, kontrolliert die Wertschöpfungskette der Zukunft.


    Das regulatorische Risiko: Wettbewerbsnachteil durch Innovationsblockaden


    Diese Verschiebung hin zur Dienstleistung hat drastische Auswirkungen auf das Thema Regulatorik. Wenn Europa und Deutschland den Einsatz humanoider Systeme durch übertriebene Bürokratie oder starre Verbote über Jahre blockieren, droht ein historisch Wettbewerbsnachteil.


    Humanoide Roboter arbeiten – platt gesprochen – weltweit zum gleichen Stundensatz, egal ob sie in Deutschland, Asien oder Afrika eingesetzt werden. Sie führen zu einer globalen Nivellierung des Lohngefälles. Wenn nun Länder außerhalb der EU (oder europäische Staaten außerhalb des EU-Regulierungsraums) diese intelligenten Maschinen flächendeckend zulassen, können sie um ein Vielfaches günstiger produziert werden. Für Deutschland als Hochlohnland wäre das fatal: Diesmal droht nicht nur das klassische "Offshoring" in Niedriglohnländer, sondern eine technologisch bedingte, unaufholbare Deindustrialisierung, weil wir bei jeglicher Produktion schlicht zu teuer wären.


    Die Kernfrage der Zukunft: Datensicherheit und digitale Souveränität


    Eng damit verknüpft ist die Frage, wo die "Gehirne" dieser Systeme liegen. Ein humanoid gestalteter Roboter im Werkseinsatz erfasst permanent hochsensible Daten: Produktionsprozesse, Betriebsgeheimnisse, Infrastrukturen und menschliche Interaktionen.


    Wenn wir die KI-Modelle vollständig aus Drittstaaten importieren müssen, geben wir die Datensouveränität über unsere physische Wirtschaft ab. Wir laufen Gefahr, dass Kernwissen über deutsche Industrieabläufe auf ausländischen Servern landet. Der Schutz von Daten und die Wahrung der technologischen Eigenständigkeit sind daher keine reine IT-Frage mehr, sondern eine Frage der nationalen wirtschaftlichen Sicherheit.


    Die Chance: Demokratisierung durch Open Source


    Um in diesem globalen, geopolitischen Wettlauf gegen geschlossene Tech-Monopole zu bestehen, brauchen wir neue, kollaborative Ansätze. Genau hier setzt das Projekt pib.rocks an. Indem ein offener, zugänglicher Standard für die humanoid gestaltete Robotik geschaffen wird, zeigt das Projekt, wie Innovation durch Demokratisierung beschleunigt werden kann.


    Open-Source-Ansätze in Hardware und Software ermöglichen es dem Mittelstand, flexibel, kosteneffizient und vor allem unabhängig eigene Lösungen zu entwickeln. Es ist der Schlüssel, um die Hoheit über die eigenen Daten zu behalten und die Wertschöpfung im Land zu sichern.


    Der Mensch im Wandel: Anpassungsfähigkeit als wichtigster Future Skill in der Weiterbildung


    Dieser radikale technologische Umbruch macht jedoch an den Fabriktoren und Systemgrenzen nicht halt – er fordert uns als Gesellschaft und Belegschaft auf einer ganz fundamentalen Ebene heraus. Wenn Maschinen zunehmend kognitive und physische Routineaufgaben übernehmen, verschiebt sich auch das Anforderungsprofil an uns Menschen drastisch. Reine Fachkompetenz verliert in immer kürzeren Zyklen an Halbwertszeit. Der mit Abstand wichtigste Future Skill in der modernen Weiterbildung ist daher die Anpassungsfähigkeit (Adaptability). In einer Umwelt, die sich durch Technologien wie Embodied AI exponentiell beschleunigt, wird die Fähigkeit, Altes schnell zu verlernen und sich kontinuierlich auf völlig neue Arbeitswelten einzustellen, zur neuen Kernkompetenz. Unternehmen müssen Weiterbildung grundlegend neu denken: Weg vom starren Vorratslernen, hin zu einer Kultur des lebenslangen Lernens und der mentalen Flexibilität. Nur wer lernt, mit der Ungewissheit des Wandels produktiv umzugehen, wird diesen Wandel auch aktiv mitgestalten können.


    Vorschau auf die Zukunftstagung am 16. Oktober:


    Wie genau dieser wirtschaftliche Balanceakt zwischen regulatorischer Vorsorge und globaler Wettbewerbsfähigkeit gelingt, wie wir das Risiko einer technologisch bedingten Deindustrialisierung abwenden und wie wir mit praxisnahen Ansätzen wie pib.rocks die Brücke in eine digital souveräne Zukunft schlagen – das beleuchte ich ausführlich in meiner Keynote auf der kommenden Zukunftstagung am 16.10. Seien Sie dabei und diskutieren Sie mit uns die Impulse für den Wirtschaftsstandort von morgen.




    Kurz-Vita: TJ Graebe


    Strategischer Pionier für Humanoide Robotik & KI


    Als Expert by doing verbindet TJ Graebe über 20 Jahre IT-Expertise mit der Leidenschaft für technologische Grenzgänge. Der ehemalige CEO und Chairman des Global IT Forums (Diplomatic Council/UN) blickt auf eine beeindruckende Laufbahn in der strategischen Organisationsentwicklung zurück. Heute treibt er bei der isento GmbH die Zukunft der Arbeit voran: Sein Fokus liegt auf der Architektur sicherer KI-Lösungen und der Entwicklung einer neuen Generation humanoider Roboter auf Open-Source-Basis.


    Dabei schlägt er die Brücke zwischen regulatorischen Rahmenbedingungen wie dem EU AI Act und der praktischen Anwendung mechanischer Intelligenz. TJ Graebe versteht humanoide Robotik nicht nur als Technologie, sondern sowohl als gesellschaftliche Revolution als auch als skalierbares Business-Modell, das durch nachhaltige Partnerschaften und technologische Exzellenz echten, langfristigen Wert schafft.


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  • Gastbeitrag 526/1 - Erfolg ist im Einklang mit den eigenen Werten zu leben - Ein Gespräch mit Jesko Perrey, Senior Partner bei McKinsey & Company

    Erfolg ist im Einklang mit den eigenen Werten zu leben


    Ein Gespräch mit Jesko Perrey, Senior Partner bei McKinsey & Company




    Nils Söder, Mitglied im UNI MARKETING TEAM



    Wenn Jesko Perrey über seinen Werdegang spricht, dann fällt schnell auf: Hier redet jemand, der seine Karriere konsequent an seinen eigenen Werten ausgerichtet hat – und der weiß, dass linke und rechte Gehirnhälfte zusammengehören. Anlässlich seiner Laudatio beim Deutschen Marketing Tag, die er gemeinsam mit Künstlicher Intelligenz erarbeitet hat, durfte ich ihn zu seinem Werdegang, zu seiner Sicht auf Mittelstand, Marke und KI sowie zu seinen Empfehlungen für die junge Generation befragen. Acht Beobachtungen, die mich nachhaltig beschäftigt haben.


    1. Erfolg und Erfüllung sind zwei verschiedene Dinge – und nur eines davon zählt wirklich


    Auf die Frage nach seiner Karriere antwortet Jesko Perrey ohne Umschweife. Erfolg sei das, was Wikipedia auflistet: „Status, Karriere, Geld“. Erfüllung dagegen sei etwas grundsätzlich anderes:


    „Erfüllung ist immer irgendwie sowas: in Einklang mit den eigenen Werten leben. Und das ist, glaube ich, für mich immer das Maß meines Handelns gewesen – und hat dann tatsächlich eher zu Erfolg geführt.“


    Auch in Sachen Work-Life-Balance setzt er einen klaren Kontrapunkt. Den Begriff selbst hält er für falsch gewählt – seine Realität sei eher gelebtes Work-Life-Blending. Wer das tut, wozu er Spaß und Energie hat, der bekommt den Erfolg in der Regel obendrauf. Diese Haltung hat ihn auch in Momenten getragen, in denen ihm „schlaue Ratschläge senioriger Kollegen“ nahelegten, er solle sich anpassen. Hat er nicht. Und das, sagt er trocken, habe „offensichtlich zu dem gereicht, zu was es gereicht hat“.


    2. Drei prägende Momente: Der Blick aufs Wesentliche, die Menschen und beide Gehirnhälften


    Auf die Frage nach den prägendsten Momenten seiner Karriere zerlegt Jesko Perrey die Antwort in drei Blöcke. Erstens der Blick aufs Wesentliche: Am 11. September 2001 saß er im Vorstandsbüro eines großen Warenhauskonzerns, als die Anschläge auf das World Trade Center geschahen – und sah die Angst in den Gesichtern der Vorstände. Eine Erfahrung, die ihn lehrte, dass es im Leben Wichtigeres gibt als Beratung.


    Zweitens die Menschen: Stundenlang am Flipchart und Rednerpult mit Vorständen vor Börsengängen, die Erfolge dann mitzuerleben – das hat ihn geprägt. Beratung, sagt er, sei nie nur Sache, sondern immer Veränderung mit, bei und für Menschen.


    Drittens die Verbindung von linker und rechter Gehirnhälfte. 2007 erarbeitete McKinsey gemeinsam mit dem Art Directors Club eine Studie zur Wirkung von Kreativität in der Werbung. Sein damaliger Glaube: Es zählt nur, was sich messen, zählen und wiegen lässt. Das Ergebnis war ein anderes – die Kreativität war der entscheidende Erfolgsfaktor für den ökonomischen Unterschied von Werbung. Seitdem fragt er sich konsequent: Ist das, was offensichtlich so aussieht, wirklich so? Oder glaube ich nur zu wissen, dass es so ist?


    3. Erfahrung ist ein starker Input – aber niemals ein Argument


    Eine der prägnantesten Aussagen des Gesprächs richtet sich genau gegen das, was im Mittelstand oft als Stärke gilt – die Berufung auf das Bewährte. Jesko Perrey beobachtet hier eine gefährliche Verwechslung: Wiederholbarkeit wird mit Gesetzmäßigkeit gleichgesetzt. Man überschätzt Stabilität und übersieht, wie schnell sich der Boden verschiebt. Sein Korrektiv:


    „Erfahrung ist ein Input, aber kein Argument.“


    Die richtige Frage in seinen Augen lautet daher nicht „Was hat uns gestern stark gemacht?“, sondern „Was macht uns morgen stark? Warum sind wir bei unserem Kunden heute und morgen eigentlich noch relevant – und was müssen wir dafür tun?“ Hätte Apple nur auf Bewährtem aufgesetzt, gäbe es weder MacBook noch iPhone. Erfahrung also nicht verteufeln – aber niemals zur Gesetzmäßigkeit verklären.


    4. Demografischer Wandel? Nein – ein echter Strukturwandel


    Jesko Perrey widerspricht der oft gehörten These, wir hätten es lediglich mit einem demografischen Zyklus zu tun. Was wir gerade erleben, sei ein echter Strukturwandel. Drei Verluste schlagen besonders durch:


    Erfahrungswissen, das in großem Stil aus den Unternehmen verschwindet.

    Netzwerke, die mit den Menschen, die jetzt in Rente gehen, abgebaut werden.

    Entscheidungsautorität – die früher autoritärer, oft aber auch entschlossener wahrgenommen wurde.


    Hinzu komme eine veränderte Einstellung zur Arbeit. Bei den Boomern, sagt er, war Arbeit noch Identitätskern – Pflicht, Status, Selbstdefinition. Heute sei Arbeit Teil des Lebens, aber nicht mehr dessen Zentrum. Sein Plädoyer: Diese neue Offenheit, Vielseitigkeit und das digitale Grundverständnis junger Menschen mit der Entscheidungsfreude und dem Selbstverständnis zur Arbeit aus früheren Jahren wieder zusammenzuführen.


    5. Künstliche Intelligenz: Verstärker, kein Ersatz – und nie ein Ausweg vor der Urteilskraft


    Seine eigene Laudatio beim Deutschen Marketing Tag hat Jesko Perrey gemeinsam mit KI erarbeitet – und dies bewusst auch öffentlich gesagt. Für ihn war KI nicht Autor, sondern Mitarbeiter und Assistent. Über fünf bis sechs Stunden hat er mit dem System um Struktur, Inhalte und Formulierungen gerungen. Genau so, sagt er, sollte professionelle Arbeit mit KI aussehen: KI als Werkzeug zur Verstärkung der eigenen Denkleistung, nicht als deren Ersatz.


    Wo es um standardisierte Prozesse geht, sei der Einsatz von KI selbstverständlich richtig. Schwierig wird es, sobald komplexere Sachverhalte, Urteilsfähigkeit oder ethische Abwägungen ins Spiel kommen. Hier kann KI Tiefe nur suggerieren – eine austauschbare Tiefe ohne echte Distinctiveness.


    Jesko Perrey illustriert das mit einer kleinen Anekdote: Ein CEO bat ihn und einen Kollegen vor einiger Zeit um einen Strawman für eine Mitarbeiterrede. Der Kollege schickte binnen einer halben Stunde eine ausgefeilte Antwort – komplett aus ChatGPT. Der CEO erkannte das sofort. Auf seine spöttische Frage, was Perrey selbst dazu sage, antwortete dieser nur: er müsse erst einmal nachdenken. Das Fazit:


    „KI suggeriert dir eine vermeintliche Breite und vor allen Dingen eine Tiefe. Das ist aber eine austauschbare Tiefe, die weder Alternativen richtig umfasst noch eine Einzigartigkeit hat – wenn du sie nicht selber gestaltest.“


    Sein Rat an junge Menschen: Macht Fehler – nicht in den ganz großen Dingen, aber in den kleineren. Lernt, eure Urteilsfähigkeit zu behalten. Nutzt KI zur Verstärkung, niemals als Ersatz für das eigene Denken. Wer einmal mit einer ChatGPT-Rede aufgelaufen ist, macht es so schnell nicht wieder.


    6. Europa als Anwender – aber bitte mit Pioniergeist statt Selbstmitleid


    Auf die Frage, ob Europa im KI-Zeitalter nur noch die Schaufeln benutze, die andere herstellen, antwortet Jesko Perrey differenziert. Ja, die Halbleiterhersteller, die Hyper-Cloud-Anbieter und die großen Datenplattformen sitzen außerhalb Europas. Nein, das bedeutet nicht, dass junge Menschen dort arbeiten müssen, um diese Entwicklung mitzugestalten – im Gegenteil:


    „Die Anwender dieser Technologien haben eine ganz andere Chance, Gold zu schürfen, als die Goldsucher damals hatten.“


    Er nennt ein konkretes Beispiel: In dieser Woche traf er in einem Mainzer Hotel einen Amerikaner, dessen schwerkranker Freund ausgerechnet nach Mainz gereist war, um eine spezialisierte Krebsbehandlung zu erhalten – KI-gestützt, weltweit einzigartig. Amerikaner kommen aus dem Land der Schaufelhersteller nach Deutschland, um ihr Leben zu retten. Genau hier liege Europas Chance: in der spezialisierten Anwendung, in Medizin, Lasertechnik, Ingenieurleistung. Sein Befund:


    Dass wir in vielen Bereichen weiter führend sein können, ist eine Frage des Willens – nicht der Möglichkeiten.


    7. Sinn entsteht selten vor Leistung – und das System passt sich nicht an


    Für die junge Generation hat Jesko Perrey klare Worte. Drei Sätze, die er gerne vor Studierenden und Berufseinsteigern zitiert:


    Erstens: Das System passt sich nicht an dich an – du musst es selbst gestalten. Wer einen stärkeren europäischen Binnenmarkt will, sollte loslaufen. Wer auf bessere Rahmenbedingungen wartet, wartet ewig.


    Zweitens: Sinn entsteht selten vor Leistung. Wer immer wieder über Sinn redet, aber bei der Frage nach dem Geleisteten ins Stocken gerät, hat möglicherweise ein Problem – und damit hat es vielleicht auch die Gesellschaft.


    Drittens: Resilienz. Ein Begriff, den er sich selbst lange vom Fußballtrainer abgeguckt hat. Anpassungsfähigkeit, Widerstandskraft, das Schiff selbst wieder in ruhiges Gewässer fahren – statt darauf zu warten, dass es andere tun.


    Wer einmal virtuell in Mumbai lande und an den Häusern und Straßen vorbeifahre, lerne sehr schnell, was Resilienz bedeutet. Sein Eindruck: In Deutschland geht es uns mittlerweile zu gut. Wir haben vergessen, was uns einmal stark gemacht hat – und wir blicken zu sehr nach außen statt nach innen.


    8. Persönliche Marke: Werte vor Rolle – und der unbedingte Wille zu siegen


    Auch zur persönlichen Marke junger Menschen hat Jesko Perrey eine klare Position. Wer sich als „der Jurist“, „der Berater“ oder „die Marketing-Verantwortliche“ positioniert, lege sich auf eine Rolle fest, die in fünf Jahren womöglich nicht mehr existiert. Seine Empfehlung: Marke über Werte definieren, nicht über Rolle. Ehrlich. Strukturiert. Analytisch. Anpassungsfähig. Verlässlich. Wer starke Werte symbolisiert, baut eine starke Marke auf – egal, in welche berufliche Richtung das Leben ihn trägt.


    Sein Tipp an junge Menschen, einfach in drei Blöcken:


    Sei aufgeschlossen, kontaktfreudig, mutig.

    Sei du selbst – authentisch, nicht das, was andere von dir wollen.

    Verliere nie den Spaß und die Energie an dem, was du tust.


    Und sein eigener Spiegeltest am Morgen: Wer eine ganze Woche nicht ein einziges Mal vor dem Spiegel gelacht oder gelächelt hat, macht etwas falsch. Denn ohne Spaß und Energie ist niemand auf Dauer gut.


    Sein persönliches Vorbild ist – das überrascht dann doch – Michael Jordan. Nicht wegen des Charakters, den er nicht persönlich kennt. Sondern wegen des unbedingten Willens zu siegen. Spuren zu hinterlassen. Etwas zu erreichen. „Und den brauchen wir“, sagt er. Auch in unserer aktuellen Lage.



    Fazit


    Jesko Perreys Ausblick auf die nächsten fünf Jahre Marketing, Marke und KI ist nüchtern. Die gute Nachricht: Marketing wird durch KI deutlich professionalisiert – Hyperpersonalisierung, Effizienz, Relevanz steigen. Die schlechte: Auch die Austauschbarkeit steigt. Echte Differenzierung wird schwieriger. Drei Dinge dürfen wir deshalb nicht verlieren: die Kreativität, die Urteilskraft mit Wertekompass und das echte Markenerlebnis. Wenn das gelingt – und das ist seine Hoffnung – dann gehen wir gut ausgestattet in das nächste KI-Zeitalter. Effizienter und effektiver wird es ohnehin. Speziell darf es trotzdem bleiben.


    Mir bleibt aus diesem Gespräch vor allem ein Satz hängen, der für mich Jesko Perreys Haltung zusammenfasst und gleichzeitig der beste Kompass für die eigene berufliche Entwicklung ist:


    „Lass dir nicht zu viel im Leben von anderen einreden, was du tun sollst – sondern tu vor allen Dingen das, was dir Spaß macht. Denn nur dann kannst du du selbst sein, und nur dann kannst du erfolgreich sein.“




    Vita Jesko Perrey


    Dr. Jesko Perrey ist Senior Partner bei McKinsey & Company und einer der profiliertesten Köpfe der deutschsprachigen Marketingberatung. Vor seinem Einstieg bei McKinsey war er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Marketing-Institut von Prof. Dr. Heribert Meffert in Münster. Bei McKinsey hat er die Marketing-Praxis über mehr als zwei Jahrzehnte hinweg von einem kleinen Team zu einer der größten Praxisgruppen weltweit mit aufgebaut. Er begleitet Vorstände bei Transformationen, Börsengängen und strategischen Neuausrichtungen und engagiert sich seit Jahren für die Verbindung von Wissenschaft und Praxis im Marketing. 2007 prägte er gemeinsam mit dem Art Directors Club die wegweisende Studie zur Wirkung von Kreativität in der Werbung. In Vorträgen und Laudationes – zuletzt beim Deutschen Marketing Tag – verbindet er analytische Klarheit mit dem Mut zum kreativen Kontrapunkt.


    Vita Nils Söder


    Nils Söder, ist Student und Gründer aus Augsburg. Als Product Manager AI Solutions bei der Kutzschbach INNOVATIONS GmbH begleitet er mittelständische Unternehmen bei der praktischen Einführung von Künstlicher Intelligenz. Parallel ist er Mitgründer eines Fintech-Startups mit Fokus auf den studentischen Markt. Im UNI MARKETING TEAM verantwortet er Beiträge an der Schnittstelle von Marketing, KI und Mittelstand und moderiert regelmäßig Veranstaltungen und Interviews.


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  • Beitrag: 525/1 - Enzyklika von Papst Leo XIV. veröffentlicht - Kirche fordert Einflussnahme der politischen Instanzen

    Enzyklika von Papst Leo XIV. veröffentlicht


    Kirche fordert Einflussnahme der politischen Instanzen



    Dr. Bernd W. Dornach


    Die im Interview mit dem KI-Berater des Papstes Paolo Benanti in Beitrag 523/1 bereits angekündigte Enzyklika von Papst Leo XIV. ist nunmehr im VIVAT Verlag erschienen. Diese Veröffentlichung wurde vor unserer Belieferung mit einer Besprechung von Ursula Nothelle-Wildfeuer hier bereits zitiert.* Bei meinem Schlussvortrag zur diesjährigen Zukunfts-Tagung werde ich darauf im Kontext der Ergebnisse unseres Forschungs-Projektes zurückkommen.


    Mit dem Titel "Magnifica humanitas" warnt der amtierende Papst nicht vor dem Weltuntergang, sondern setzt einen Kontrapunkt für die großartige Menschheit. Damit schürt er nicht die allseits verbreitete Angst vor den Auswirkungen der KI, sondern stellt das Potential der Menschheit in den Mittelpunkt. Er würdigt diese Erfindung des Menschen ausdrücklich, betont aber gleichzeitig die Verletzlichkeit der Menschheit, die sich daraus ergeben kann.


    Dazu entwickelt der Papst ganz konkret einen Maßstab, an dem sich jede Entwicklung und jede Nutzung von KI messen lassen muss:


    "Dient sie dem Menschen in seiner Würde oder ordnet sie den Menschen der Effizienz unter? Die leistungsfähigste Technologie ist nicht automatisch die beste. Die Frage ist nicht, ob wir KI einsetzen, sondern zu wessen Gunsten." *


    Vieles kann KI besser als der Mensch, nicht nur rechnen und formulieren und sogar solche weichen Werte wie Empathie täuschend echt simulieren. Aber KI trägt keine Verantwortung dafür und hat kein Gewissen. Und sie reproduziert nur, was ihr vorgeben wurde. Die maschinelle Verarbeitung im Algorithmus kann nach wie vor nicht die individuellen Erfahrungen repräsentieren, die Menschen gemacht haben. Dies sieht der Papst auch gar nicht als Makel, den die Technik beseitigen müsste. Der Papst denkt konstruktiv darüber hinaus:


    Durch die Existenz der KI müssen die 


    "Entwicklungen der menschlichen Beziehung, Fürsorge und Verantwortung überhaupt erst wachsen. Eine Kultur, die nur noch zählt, misst oder optimiert, verliert genau das aus dem Blick."         


    Ob die doch erstaunliche Forderung des Papstes für international politische verbindliche Regeln, klare Leitlinien und Aufsicht je möglich wird, sei von mir dahingestellt. Immerhin geht er mit der Einsetzung einer eigenen KI-Kommission diesen Weg. Im Ergebnis:


    "Governance ist keine Bremse für Innovation, sondern vielmehr ihre Bedingung, damit Arbeitslosigkeit, Überwachung oder neue Abhängigkeiten daraus erwachsen. Ganz besonders auch beim Einsatz von KI-gestützten Waffen, mit der Reduktion der Hemmschwelle für Gewalt."


    Die große Verantwortung für die Entwicklung der KI liegt aber bei uns allen:


    "KI ist kein Schicksal, das mehr oder weniger unabwendbar über uns kommt. Vielmehr ist sie zu verstehen als Ergebnis von Entscheidungen, von Unternehmen, die sie bauen, von Beschäftigten und Gewerkschaften, von Schulen, von jedem Einzelnen, der sein Smartphone in die Hand nimmt." 


    "Der Papst sorgt sich, dass jungen Menschen die Lust am eigenen Fragen verlieren, wenn vermeintlich perfekte Maschinen das Denken zu erübrigen scheinen." 


    Damit wird die Enzyklika eine Aufforderung sich damit kritisch auseinander zu setzen und traut dies den Menschen auch zu, damit eine lebenswerte Zukunft zu schaffen. Und er bemüht auch die bei unserem Forschungs-Projekt immer wieder geforderte individuelle Kreativität (IK). 


    "Technik ist für ihn Ausdruck menschlicher Kreativität, die das Leben über Jahrhunderte verbessert hat. Sie soll den Menschen von schwerer Arbeit entlasten, ihn ergänzen aber niemand ersetzen." 


    Es liegt an uns und nicht an den Maschinen, ob diese neue industrielle Revolution sich für uns zum Vorteil entwickelt. Und der Maßstab dafür steht schon fest:


    "Die großartige, würdige und verletzliche Menschheit." 


    Aus einer frühen Veröffentlichung von Richard Mayr entnehmen wir den Hauptbezugspunkt zu den Ergebnissen unseres Forschungs-Projektes:


    "Die ökonomische Dimension ist vielleicht nicht einmal die folgenreichste. Die neue Technik kann Sprache analysieren und Texte produzieren. Sie nimmt dem Menschen das Denken, Recherchieren und Urteilen ab. Doch wer einen Text nur noch generieren lässt, konsumiert. Die eigentliche Gefahr der Sprachmodelle ist nicht, dass sie halluzinieren, sondern dass sie das Denken bequem machen. Eine Gesellschaft, die das Urteilen auslagert, verlernt es. **


    * Nothelle-Wildfeuer, Ursula: STARKE STIMME. Keine Klage, sondern Zuversicht. in: Focus 23/2026, die katholische Theologin und Professorin lehrt Christliche Gesellschaftslehre an der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg.


    ** Mayr, Richard: Künstliche Intelligenz: Die Technik frisst schon ihre Erzeuger, in: Augsburger Allgemeine Online vom 26.05.2026


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  • Beitrag 524/1 - Der Übersprung der KI-Auswirkungen vom Mikro- zum Makro-Marketing ist bereits Realität

    Beitrag 524/1 - Der Übersprung der KI-Auswirkungen vom Mikro- zum Makro-Marketing ist bereits Realität



    Dr. Bernd W. Dornach


    Zuerst einmal (m)eine Definition von Mikro- und Makro-Marketing im wirtschaftswissenschaftlichen Kontext:


    Das Mikro-Marketing betrifft die Befindlichkeiten der einzelnen Wirtschaftseinheiten. Also meist im Kontext der Unternehmen bearbeitet. Aber auch jeden einzelnen Haushalt betreffend (einzelwirtschaftlicher Ansatz).


    Das Makro-Marketing berücksichtigt die Auswirkungen auf die wirtschaftlichen Bedingungen einer Nation als Ganzes. Und die Konsequenzen aus der zunehmenden KI-Implementierung sind dort bereits signifikant angekommen.


    In aller Kürze: Wenn Arbeitsplätze durch KI wegrationalisiert werden, geht auch Kaufkraft verloren und die Konjunktur gerät dadurch weiter unter Druck.


    Volkswirtschaftlich wäre dies natürlich auch unter dem Blickwinkel der Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit zu betrachten.


    Entscheidende Frage: Welche Ansätze haben mehr Bedeutung für die Prosperität und das Wohlergehen einer Volkswirtschaft?


    Hier meine Verortung dazu:


    1. KI definiert neue Anforderungen auf dem Arbeitsmarkt


    Aus unserem Forschungsprojekt zu den zukünftigen Bedingungen der Generation Beta (ab 2025 geboren) konnten wir schon sehr genau die Veränderungen ableiten. Die Möglichkeiten Erfahrungen im Beruf zu sammeln, werden durch die absehbaren wirtschaftlichen Entwicklungen drastisch eingeschränkt werden. Einfach deswegen, weil gerade diese Plätze durch KI-Lösungen eingespart werden und veraltete Bildungssysteme diesen Effekt durch eine Verbesserung der Einstiegschancen mit KI-Qualifikationen noch nicht kompensieren können. Neben den Einstiegsplätzen in den kommenden Jahren gehen bereits heute der Verlust von etablierten Arbeitskräften in allen Altersgruppen mit einher. Diese einkommensschwachen Zielgruppen im Mikro-Marketing werden auch weniger für aufwendige Formen der Kundenorientierung und Individualisierung von Problemlösungen zur Verfügung stehen. 


    2. Die Lebensqualitätsmärkte wachsen nur noch auf geringerem Niveau


    Wenn man dieses Thema weiterdenkt, dann regiert zukünftig noch mehr der Massenmarkt. Jean-Remy von Matt (erst vor kurzem beim Marketingclub in Augsburg zu Gast) hat es in seinem aufsehenerregenden Claim seiner Agentur Jung von Matt für Media-Markt schon früh vorausgesehen: "Geiz ist Geil". Wer den Anteil der Werbung mit Dominanz der Argumentation über den billigen Preis beobachtet, weiß was ich meine: Im Makro-Marketing verliert der lukrative High-End-Markt zugunsten der Preisoffensiven zunehmend. Ganz nebenbei längst optimiert mit KI.


    3. Das Problem der Akademikerschwemme


    In der alten wirtschaftswissenschaftlichen Denke sind die Schlussfolgerungen bekannt: Bildung schafft Arbeitsplätze und schürt die hochwertige Kaufkraft. Wie aktuelle Zahlen der Arbeitsagentur zeigen, hat sich die Zahl der Arbeitsuchenden unter 30 Jahren, die einen akademischen Abschluss haben, aufgrund der veränderten Wirtschaftslage zwischen 2022 und 2025 bereits mehr als verdoppelt. Aufgrund notwendiger Investitionen in die digitale Transformation müssen viele Unternehmen am Personal sparen. Auf die wenigen übrigen neuen offenen Stellen kommen nun mehr Bewerber. 


    4. Das Mikro-Marketing bremst das Makro-Marketing


    Der oberflächliche Zusammenhang hat tiefere Ursachen: Eine hohe Anzahl von Arbeitskräften, die noch dazu oft in der KI-Ausbildungsunit feststecken, erwirtschaftet weniger Kaufkraft. Schlimmer noch: Durch die KI-Kompetenz dominieren auch bei diesen Zielpersonen die Möglichkeiten, über die günstigsten Offerten ihr Leben zu gestalten. KI schürt also den Preiswettbewerb, der wiederum auf die Rendite bei den Unternehmen drückt.


    5. Wer das Konzert der Preisoffensiven der LEH-Discounter beobachtet, kann nachvollziehen, wie viele ehemaligen Kompetenzanbieter und Spezialisten dadurch weiter auf der Strecke bleiben. Die LEH-Discounter sind erfolgreich unterwegs auch spezielle Randsortimente ins Sortiment aufzunehmen. Am Beispiel der Bio-Märkte ist dies längst erledigt, auch wenn Wochenmärkte etc. noch versuchen dagegenzuhalten. Unser langjähriges Panel auf dem Augsburger Stadtmarkt hat die Reise schon früh beobachtet. 


    6. Das Drama der Kaufkraftzurückhaltung ist eine weitere makroökonomische Konsequenz für die Innenstädte. Die Effekte des Online-Handels, übrigens ebenso KI-gestützt, sind mit den verlorenen Umsätzen seit Jahren bekannt. Der von unserem Institut schon seit längerem untersuchte konsumgestützte Attraktivitätsverlust des "Dritten Ortes" spricht Bände. Auch die Tatsache, dass überbordende Bespielungskonzepte der städtischen Behörden auch bei kostenfreiem Zugang keine Lösung mehr sind. Noch schlimmer: erste Versuche in Augsburg, die Sonderöffnungszeiten im Handel ohne externe Aktionen umzusetzen, sind im Ergebnis schlichtweg gescheitert. 


    7. Der Einbruch bei den Dienstleistungsmärkten ist meist weniger genau untersucht als bei den Produktmärkten. Steigende Übernachtungszahlen sind zum Beispiel, abgesehen vom Beherbergungsgewerbe und der Gastronomie, nicht unbedingt ein Kaufkraftgenerator im Handel. Gerade auch der Qualitätstourismus ist durch die großen Anbieter bereits zunehmend preisorientiert ausgerichtet. Dies setzt sich natürlich im Ausgabeverhalten vor Ort fort.


    8. Probleme für Existenzneugründungen.  


    Die KI mit makroökonomisch ausgelösten Befindlichkeitsveränderungen reduzieren die Bereitschaft für Start-Ups: Psychologische Verlässlichkeiten, Zukunftsglaube, veränderte Arbeitsweisen, weniger individuelle Identifikation, Normierte Positionierungen, Austauschbarkeit durch Standardisierungen zeigen sich schon heute deutlich. Die entscheidende Problematik, ob KI die Markteinstiegsbarrieren fördert oder verschlechtert wäre gesondert zu untersuchen. Der KI-bedingte Wettbewerbsvorteil in Zusammenhang mit der Beachtung der Kernkompetenzen ist noch relativ unbekannt. Die dazu aussagefähigen Bewertungsgrundlagen für Kreditvergaben befinden sich nach unseren ersten Abfragen übrigens noch "in Bearbeitung". 


    Frage für die Marktforscher unter uns: frisst KI seine Zielgruppen?


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  • Beitrag 523/1 - Auch Papst Leo lässt sich zur KI beraten

    Auch Papst Leo lässt sich zur KI beraten


    Seine erste Enzyklika könnte von KI handeln*


    Dr. Bernd W. Dornach


    Paolo Benanti hat im Vatikan bereits Papst Franziskus zum Thema KI beraten und führt diese Aufgabe auch bei dem neuen Papst Leo fort. DIE ZEIT fragt ihn in einem wegweisenden Interview, ob der aktuelle Papst die KI fürchtet?


    Die Antwort ist pragmatisch: "Papst Leo blickt positiv auf die KI, weil sie etwas ist, was der Mensch erschaffen hat. Das Problem ist, wie der Mensch sie einsetzt ... KI kann ein tolles Werkzeug sein aber leider kennt die menschliche Fantasie keine Grenzen, wenn es darum geht, mächtige Technologien in Waffen zu verwandeln".


    Obwohl die endgültige Richtung der Beurteilung in der ersten Enzyklika als Lehrschreiben von Papst Leo noch aussteht, hat er bereits angedeutet, dass KI eines der wichtigsten Themen überhaupt darstellt. Einen Tag nach seiner Wahl sagte er den Kardinälen zu seiner Namensentscheidung: "Ich habe den Leo gewählt, weil der frühere Papst Leo XIII die industrielle Revolution durchlebt hat". Er galt dem Interview zufolge als Arbeitspapst, weil er sich während der industriellen Revolution für faire Löhne und soziale Gerechtigkeit einsetzte und damit die moderne katholische Soziallehre begründet hat.


    Eine ähnliche Umbruchphase sieht Papst Leo bei KI als Auslöser einer neuen technischen Revolution, die mit der katholischen Soziallehre in Einklang zu bringen ist. Aber nicht mehr wie in Zeiten von Galileo Galilei, in der "man Erfindungen entweder segnete oder verdammte".


    Die Gefahren passen zu den warnenden Hinweisen bei unserem Forschungs-Projekt:


    "Die Menschenwürde ist bedroht, wenn Menschen als biologische Maschinen angesehen werden, die man monetarisieren kann. Wenn Entscheidungen nicht mehr im Interesse der Menschen getroffen werden, sondern nur noch auf Basis von Daten".


    Damit schließt sich dann der Kreis zu den Themen der Key-Note-Speakerin Vera Schneevoigt zum Start der diesjährigen Zukunfts-Tagung über die Ziele der Tech-Bros aus dem Silicon Valley. Auch der KI Berater des Papstes steht mit diesen in Kontakt:


    "Sie  spüren, dass dies kein Spiel für Nerds mehr ist, sondern Kriegsszenarien davon abhängen ... Auch im Silicon Valley ist die Sehnsucht nach spiritueller Orientierung groß ... Es ist daher ein guter Ort zum Missionieren".


    Paolo Benanti denkt sogar ernsthaft darüber nach, dort ein Kloster zu errichten, um Zeichen zu setzen.


    Und wie mehrere Experten in unserem Forschungs-Projekt weist auch Paolo Benanti für seine Beratung des Papstes auf eine klare Richtung hin:


    "Zeigen, dass nicht die KI die Gefahr ist, sondern der Mensch. Ich habe mehr Angst vor natürlicher Dummheit als vor künstlicher Intelligenz".


    * Kilian, Nicolas: "Manche Menschen wollen ihr eigener Gott werden" Interview in: DIE ZEIT No. 19 vom 29.04.2026


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  • Beitrag 522/1 - Mit dem KI-Hit auf dem ganz großen Ritt?

    Mit dem KI-Hit auf dem ganz großen Ritt?


    Aus aktuellem Anlass zur Referenten- und Teilnehmerzusammensetzung 


    Einige Worte zur Positionierung unserer Zukunfts-Tagungen



    Dr. Bernd W. Dornach


    Das Prinzip der Zukunfts-Tagungen haben wir aus den vielen Erfahrungen der langjährigen Zukunftstage weiter entwickelt: Von den früheren Großveranstaltungen in der Augsburger Kongresshalle auf kleine, erlebnisorientierte Expertenmeetings, sowohl bezüglich der Referenten als auch der wenigen ausgewählten Teilnehmer. 


    Eine Präsenzveranstaltung im wahrsten Sinne des Wortes als Gegenpol zu den digitalen Angeboten anonymer Webinare im Überfluss. Von Haus aus eine grundlegend andere Positionierung, wie wir diese auch bei unserem UNI MARKETING Institut schon seit geraumer Zeit pflegen.


    Eine sorgfältig ausgewählte Klientel, die langjährige Erfahrungen mit dem Update auf die aktuellen Erkenntnisse zu schätzen weiß.


    Dies gilt gerade auch wieder bei unserem aktuellen Forschungs-Projekt zu den Chancen und Grenzen der KI, dessen Ergebnisse wir am 16.10.2026 präsentieren und zur Diskussion stellen.


    Wieder im kleinen aber feinen Raum "Weitblick" mit Blick über den Tellerrand über den Dächern unserer liebenswerten Stadt Augsburg.


    Um möglichst viele Stimmungen mit aufnehmen zu können, beschreiten wir neben dem interdisziplinären Ansatz der Berücksichtigung mehrerer Fachrichtungen auch den Weg, bewusst unterschiedlichen Meinungen einen Raum zu bieten und diese zur Diskussion zu stellen.


    Eher kein Platz für die Gruppe der Akteure am Markt auf der Suche nach dem großen Auftritt, sondern die Anspruchsgruppen, die die Inspiration auf Augenhöhe und den Austausch persönlicher Erfahrungen zu schätzen wissen.


    Weil uns dies so wichtig ist, hier eine kleine Negativabgrenzung aus aktuellem Anlass:


    Eine typische Meinung bei den in Menge und auf den schnellen Erfolg denkenden Playern in KI-Zeiten lautete: "Wie kann man so einen aktuellen Hype wie KI mit einer kleinen Tagung begegnen und  "rollt dies nicht groß aus"?


    Die große massentaugliche Veranstaltung ist genau nicht unser Ansatz.


    Aus den Ergebnissen einzelner Gespräche mit Experten, Referenten und Gästen können wir auch ein Ergebnis für unser Forschungs-Projekt ableiten:


    Wenn man genau hinsieht, dann wird dieser Markt mit großen Hoffnungen aktuell, wie nicht anders zu erwarten, von einer Menge an Beratungsangeboten geflutet. 


    Und zwar wie so oft bei einem Hype mit vergleichbaren Angeboten und Hoffnung auf schnelle Profite ausgerichtet. 


    Die Orientierung an einschlägigen Erfahrungen und individuell verantwortlichen Konzepten bildet eher die Minderheit am Markt.


    Als Leiter des von mir geführten UNI MARKETING Instituts habe ich diese Denke mit unterschiedlichen Trendthemen schon häufiger erlebt. Noch nie allerdings in einer derartig einseitigen Euphorie, als würde es gar keine Alternativen geben. Dies gleichzeitig in einer Situation, in der auch die negativen Ausprägungen von KI schon überall abzulesen sind. Beispiele: Reduktion auch erfahrener Arbeitskräfte, drastische Überforderung in der Bildungsarbeit, Datenmissbrauch in großem Stil, kriminelle Energien und Vieles andere mehr.


    Unter dem Strich könnte man auch attestieren, dass sich die sensibilisierten Kräfte wieder einmal eher bereits auf der Nachfrageseite als auf der Angebotsseite entwickeln. Ein Beispiel ist die verminderte Bereitschaft an der Gestaltung dieses Strukturwandels mitzuwirken. Auch die durch KI gesteuerten Marketingmaßnahmen werden zunehmend von einer selbstkritischen Masse durchschaut. Die Auswirkungen derartiger Missempfindungen auf das Kaufverhalten bis hin zum entsprechenden Konsumverzicht sensibler Anspruchsgruppen ist bereits erkennbar.


    Meine Vermutung geht dahin, dass die positiven traditionellen Elemente des Marketingansatzes in Richtung echter Kundenorientierung, sogar ausgelöst durch die Chancen der KI wie das sensible One-to-One Marketing, eine Renaissance entwickeln werden.


    Ich freue ich mich auf die Diskussionen dazu bei der Zukunfts-Tagung am 16.10.2026.


    Bewerbungen zur Teilnahme sind aktuell noch möglich.


    service@uni-marketing.de


    Herzlich Willkommen!



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  • Gastbeitrag: 521/1 - Dr. Adriane Röbe - Bücher schreiben mit KI

    Bücher schreiben mit KI



    Dr. Adriane Röbe


    Viele Menschen haben wertvolles Wissen, echte Erfahrungen oder starke Ideen. Was ihnen fehlt, ist oft nicht Kompetenz, sondern Zeit, Struktur oder sprachliche Sicherheit. Genau hier liegt der größte Vorteil von KI im Schreibprozess: Sie macht Wissen schneller formulierbar.


    Meine persönliche Erfahrung mit KI beim Schreiben


    Ich selbst hatte über lange Zeit massive Schreibblockaden. Nicht, weil mir Inhalte fehlten – im Gegenteil. Ich hatte Ideen, Erfahrungen und klare Gedanken. Aber sobald daraus ein Buch entstehen sollte, wurde das Projekt plötzlich riesig im Kopf. Zu viel Struktur, zu viele Möglichkeiten, zu hoher Anspruch.


    Gemeinsam mit Ralf Elchroth und mit Unterstützung von KI habe ich dann etwas geschafft, das ich vorher selbst kaum für möglich gehalten hätte:

    Wir haben innerhalb von nur einer Woche das Buch „Inneres Veto“ geschrieben und veröffentlicht.


    Die KI hat dabei nicht „für mich geschrieben“, sondern geholfen, Gedanken schneller zu sortieren, Kapitel zu strukturieren, Formulierungen zu schärfen und den roten Faden konstant zu halten. Genau dadurch entstand endlich Bewegung statt Stillstand.


    Für mich war das keine Abkürzung aus Faulheit, sondern eine neue Form effizienter Zusammenarbeit zwischen Mensch und Technologie.


    KI ersetzt keine Autorin – aber sie beschleunigt Klarheit


    Ein gutes Buch entsteht nicht durch Technik allein. Persönlichkeit, Erfahrung, Haltung und echte Gedanken kommen weiterhin vom Menschen. Doch KI kann helfen, diese Inhalte effizienter in eine professionelle Form zu bringen.


    Besonders hilfreich ist KI bei:

    • Gliederungen und Kapitelaufbau

    • Formulierungen und sprachlicher Klarheit

    • Recherche-Zusammenfassungen

    • Überarbeitung von Texten

    • Vereinfachung komplexer Inhalte

    • Ideenentwicklung bei Schreibblockaden

    • Anpassung an Zielgruppen


    Dadurch wird aus einer groben Idee oft innerhalb weniger Stunden ein belastbares Buchkonzept.


    Geschwindigkeit wird zum Wettbewerbsvorteil


    In einer Zeit, in der Aufmerksamkeit schnelllebig geworden ist, gewinnen Menschen, die Inhalte schnell veröffentlichen können. Wer heute zwei Jahre an einem Buch arbeitet, verliert oft an Aktualität.


    Mit KI-Unterstützung können Experten:

    • schneller veröffentlichen,

    • aktueller schreiben,

    • mehr Reichweite aufbauen

    • und ihr Wissen skalieren.


    Gerade Coaches, Therapeuten, Unternehmer oder Berater profitieren davon enorm. Ein Buch ist heute nicht mehr nur Literatur – es ist Positionierung, Vertrauensaufbau und Marketinginstrument zugleich.


    Die größte Stärke: Gedanken werden endlich sichtbar


    Viele intelligente Menschen schreiben nie ein Buch, obwohl sie genug Wissen hätten. Nicht wegen fehlender Inhalte, sondern wegen Perfektionismus, Unsicherheit oder Zeitmangel.


    KI senkt diese Einstiegshürde massiv.


    Plötzlich wird aus:

    „Ich müsste das irgendwann mal aufschreiben“ ein konkretes Manuskript.


    Das verändert nicht nur Produktivität, sondern oft auch Selbstbild und Wirkung nach außen.


    Gute Bücher brauchen trotzdem echte Substanz


    Die Kehrseite ist ebenfalls klar: KI produziert auch viel oberflächlichen Inhalt. Deshalb werden in Zukunft nicht die Menschen erfolgreich sein, die einfach „irgendwas mit KI“ schreiben, sondern diejenigen mit echter Erfahrung, echter Kompetenz und einer klaren Perspektive.


    KI beschleunigt Qualität – aber sie ersetzt keine Tiefe.


    Ein starkes Buch entsteht deshalb aus zwei Dingen:

    1. menschlicher Substanz
    2. technischer Unterstützung

    Genau diese Kombination wird den modernen Buchmarkt prägen.


    Fazit


    Künstliche Intelligenz demokratisiert das Schreiben. Wissen kann schneller, klarer und professioneller veröffentlicht werden als je zuvor. Für viele Experten bedeutet das die Chance, endlich sichtbar zu werden, ohne jahrelang an einem perfekten Manuskript festzuhängen.


    Meine eigene Erfahrung mit „Inneres Veto“ hat mir gezeigt, dass nicht Talent oder Wissen der größte Engpass sind – sondern oft Struktur, Geschwindigkeit und der Mut anzufangen.


    Die Zukunft gehört nicht den Menschen, die alles alleine machen.

    Sondern denen, die intelligente Werkzeuge sinnvoll nutzen.



    Dr. Adriane Röbe ist Psychiaterin und Psychotherapeutin mit eigener Praxis in Augsburg. Sie beschäftigt sich vor allem mit Stressbewältigung, Resilienz und psychischer Gesundheit. Ralf Elchroth ist Autor, Verleger des Elchroth Verlags und Kommunikationstrainer. Gemeinsam veröffentlichten sie das Buch „Das innere Veto“, das im Elchroth Verlag erschienen und unter anderem bei Amazon erhältlich ist.



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  • Beitrag: 520/1 - KI: Die etwas andere Sicht der Dinge

    KI: Die etwas andere Sicht der Dinge 



    Danuta Hofner im Interview mit Dr. Bernd W. Dornach


    Liebe Danuta. Wir haben uns jetzt ja schon des Öfteren zu Reaktionsempfehlungen auf KI ausgetauscht. Dein positiver Ansatz hat mir geholfen, offener mit dem Unvermeidlichen umzugehen. Danke für die Unterstützung unseres Forschungs-Projektes. 


    Sprechen wir doch einmal konkret darüber, wo die positiven Gegenbewegungen heute schon erkennbar sind?


    Wenn man genau hinsieht, dann stellt man fest, dass sich eine neue Bedeutung von face to face Kontakten abzeichnet. Der Mensch bleibt ein soziales Wesen, das auf den menschlichen Kontakt angewiesen ist. Oder anders ausgedrückt: Wenn dieser wegfällt oder aber in die falsche Richtung läuft, dann sind psychosomatische Störungen nicht weit. Alte Weisheit: Erzähle mir, mit wem Du gerne zusammen bist und ich sage Dir, wie Du Dich fühlst.


    Die Störfaktoren durch falsche Social-Media-Kontakte sind ja bereits hinreichend bekannt!


    In der Tat eine Fehlentwicklung, die mit Aufklärung und Sensibilisierung nicht mehr zu lösen ist. Gerade in der jüngeren Generation sehen wir Schädigungen, die auch den gesellschaftlichen Zusammenhalt bereits belasten. KI darf sich nicht als Ersatz zu einem persönlichen Kontakt entwickeln. 


    Was ist es denn konkret, was die KI hier im Schilde führt? 


    Hinter den technologischen Möglichkeiten stecken häufig individuelle Machtspiele bis hin zur kriminellen Energie.


    Kommen wir zurück auf Deinen positiven Ansatz der Entwicklungen!


    Gerne. KI hat auch seine guten Seiten. Sie fördert eine neue Form des Lernens und des Arbeitens. Ganz konkret: Eine grundsätzliche Veränderung besteht dahingehend, dass es weniger wichtig wird, eigenes Wissen zu besitzen, sondern fremdes Wissen zu prüfen und zu nutzen. So wird es beispielsweise eine neue Generation geben, die mit diesen Fähigkeiten ganz konkret ihr Geld verdient. Die Tragweite der Informationsfülle, die KI bereitstellt, definiert eine ganz neue Typologie von Nutzern. Ein wichtiges Lernmodul dazu ist die "Entscheidungsfähigkeit". Bisher im schulischen Alltag: absolute Fehlanzeige.


    Das interessiert mich jetzt als Trendforscher genauer!


    KI bietet nur Wahrscheinlichkeiten, die Entscheidung über die Nutzung obliegt dem Menschen. Diesen Typen von Menschen, die damit umgehen können, wird die Zukunft gehören. Nicht wie so oft in unserer alten Gesellschaft skeptisch angehaucht, sondern offen für die Weiterentwicklung. Ein elementarer Zweck des Menschen besteht für mich darin, seine eigene Entwicklung voranzutreiben. Stillstand ist tödlich. Der Mensch braucht Bewegung. Nicht nur körperlich, sondern auch mental. 


    Für den Marketingmann die Marktnische!


    Zuverlässig! Wenn man die Medienschaffenden beobachtet, die dies aufgreifen, kann man es überall schon "nachlesen". 


    Überlegenheit mit Intuition statt reiner Reflektion?


    Du liegst mit Deinem mir bekannten Faible für Kreativität richtig. Auch miteinander nach vorne sehen ("Schwarmintelligenz") und die Offenheit für andere Disziplinen außerhalb der konventionellen Kernkompetenz. Interdisziplinäre Konzepte sind kein Modeprodukt mehr sondern zwingend, um weiterzukommen.


    Kleiner Ausflug zu unserem Gespräch über außersinnliche Wahrnehmungen gefällig?


    Danke, da hast Du zuerst fraglich reagiert. In der Tat meine ich, dass kosmische Gesetze stärker wirken, als menschliche Kapazitäten. KI wird uns bei der Suche neuer Planeten als Lebensraum helfen. Dies nur zu den Potentialen, mit denen wir uns beschäftigen sollten. Diese Reise wird nur gelingen, wenn wir den aktuellen Bewusstseinstand weiterentwickeln und für neue Formen der Daseinsbewältigung bereit sind.


    Wie wichtig ist dabei die Kontrolle über sein eigenes Leben?


    Ok. Immer schon überlebenswichtig. Dabei könnten wir den aktuellen Druck von KI zum Positiven nutzen. Neue Fähigkeiten zu lernen und auch einzusetzen.


    Gerne konkret!


    Die Liste ist lang und kann hier nur den Weg weisen:

    • sich mit passenden Menschen auf neue Art zu verbinden
    • weg vom reinen Konkurrenzdenken 
    • die Auflösung etablierter Hierarchien akzeptieren
    • eine neue "Schule" löst die alte Schule endlich ab
    • unterschiedliche Welten zu begreifen
    • Vorahnungen zu finden, wohin die Reise gehen könnte

    Wenn das so einfach wäre!


    Hier dazu einige konkrete Tipps aus meiner Praxisarbeit:

    • zuerst die grundsätzliche Akzeptanz dieser neuen (KI-) Zeit
    • hin zu Kooperationen statt Konfrontation
    • Ideale sind wichtiger als Realitäten
    • sich gegenseitig bestärken, statt nur angreifen und polarisieren
    • Neue Fähigkeiten in jeder Altersstufe frühzeitig entwickeln
    • Unter dem Strich eine neue Definition von Wohlfühl-Mind und Offenheit als Lebensqualitäts-Modul
    • Dass letztlich auch Gesundheit aus der mentalen Erfüllung erwächst und Krankheiten reduziert werden können.

    Das Wichtigste dafür zum Schluss:


    Die nötigen Freiräume schaffen, gerne auch mit positivem Mindset zur Herausforderung der KI. Bewusstsein stärken. Offen sein für das Unvermeidliche.


    Ich danke für unsere Gespräche und freue mich auf den weiteren Austausch.


    Danuta Hofner ist Psychologische Therapeutin mit einer Praxis für Coaching und Psychotherapie in Augsburg.



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  • Beitrag 519/1 - Der Umsetzungscrash bei der KI-Implementierung

    Der Umsetzungscrash bei der KI-Implementierung



    Dr. Bernd W. Dornach


    Für das Forschungs-Projekt zum neuen Buch haben wir nicht nur eine Fülle von diversen sekundärstatistischen Quellen ausgewertet, sondern auch diverse Projekte beobachtet sowie mit konkreten Aufgaben experimentiert. Dabei zeigte sich eine signifikant häufige Erfahrung, die ich mit diesem Beitrag zur KI-Implementierung ansprechen möchte. 


    Er betrifft weniger die wachsende Gruppe der KI-Enthusiasten, sondern diejenigen, die mit diesem Input arbeiten müssen.


    Dabei zeigen sich zwei Gruppen:


    Diejenigen, die die inhaltliche Qualität bzw. die Brauchbarkeit für die konkreten Aufgabenstellungen anzweifeln sowie diejenigen, die dadurch ihren bisherigen Arbeitsstil anpassen müssen.


    Konkret handelt es sich dabei um ein Mentalitätenmodell, bei denen ganz speziell in der Umsetzungsphase Identitätsprobleme entstehen. Dies äußert sich nicht selten in einem Frustpotential, das die allgegenwärtige Unzufriedenheit mit den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen zusätzlich belastet.

    Das in der Forschung längst bekannte Problem der Situation der "Erfüllungsgehilfen", ohne Möglichkeit der Einbringung eigener Ideen und Engagements, scheint sich hier fast unbemerkt zu verschärfen. Und dies in einer Zeit, in der allenthalben Sinnstiftung neben der reinen monetären Notwendigkeit der Beschäftigung überall als bedeutend erkannt wird.


    Wo die Reise hingehen könnte zeigt sich in der Gnadenlosigkeit der Tech-Bros, die unsere Key-note-Speakerin Vera Schneevoigt bei der Zukunfts-Tagung am 16.10.2026 anspricht. 


    Tesla-Boss Elon Musk geht wieder einmal mit seinen Strategien voran. In seinem Tesla-Stammwerk im kalifornischen Fremont hat der Multi-Unternehmer gerade die Produktion seines Models S sowie des SUV-Ablegers Model X geschlossen.* Er lässt das Werk jetzt kurzerhand auf die Produktion von humanoiden Robotern umrüsten. Bereits ab Sommer soll dort die Produktion der neuesten Generation von Teslas Optimus-Robotern (Nomen est omen!) vom Band laufen.


    Thomas Kirschstein, Partner der Unternehmensberatung Roland Berger, begleitet diesen Trend, der bei der in wenigen Tagen beginnenden Hannover Messe eines der dominierenden Themen sein dürfte. Nach ihm steht


    die Technik an der Schwelle von "Science-Fiktion zur Realität."


    Nach der aktuellen Studie von Roland Berger könne die Roboter-Branche selbst ähnlich stark werden, wie die Automobilindustrie. Ein Grund für die Zuversicht der Forscher: "Anders als herkömmliche Industrieroboter, die meist nur eng definierte Aufgaben erledigen - und aus Sicherheitsgründen auch nur in strikt abgesperrten Bereichen - können sich Humanoide Roboter in Fabriken praktisch frei bewegen."


    Und im Gegensatz zum Faktor Mensch lernen diese -dank KI - extrem schnell. "Häufig genügen ein bis zwei Tage, um den Mensch-Maschinen Robotern eine neue Aufgabe zu erklären."


    Während die Kosten derartiger Roboter aktuell noch relativ teuer sind, rechnet Roland Berger für Anfang der 30er Jahre mit Betriebskosten bei "zwei Dollar pro Stunde."


    Unter dem Strich könnte es relativ schnell gehen, dass menschenlose Unternehmen vorstellbar sind. Höchste Zeit sich gegebenenfalls über "eine andere Verwendung" Gedanken zu machen.


    Ich spreche darüber bei meinem Schlussvortrag der diesjährigen Zukunfts-Tagung. Herzlich Willkommen.


    * Schmidtutz, Thomas: Aufmarsch der Androiden, in: FOCUS 17/2026


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  • Beitrag 518/1 - Die Schriftenreihe "Ideen und Visionen für Erfolgsstrategien"

    Die Schriftenreihe "Ideen und Visionen für Erfolgsstrategien"


    Ein Bericht zur Diskussion in Sachen Buch-Marketing zum Abschluss unserer Freitag-Abend-Impulse "Schreib Dein Buch"


    Hintergründe und Chancen eines langfristig angelegten Konzeptes


    Dr. Bernd W. Dornach


    1. Blick zurück als Wegweiser für den Blick nach vorne

    Die aktuelle Vernichtung von Arbeitsplätzen ist neben wirtschaftlichen Strukturveränderungen auch bereits wesentlich der Tatsache geschuldet, dass die Einführung von KI die Arbeitswelt massiv verändert. Drei Jahre nach dem Durchbruch der generativen Künstlichen Intelligenz (KI) muss man zur Kenntnis nehmen, dass diese maschinelle Technologie so programmiert wird, um künftig auch komplexe Sachverhalte und sogar kreative Problemlösungen zu unterstützen. Für mein Schlussreferat um 16.00 Uhr bei der diesjährigen Zukunfts-Tagung am 16.10.2026 habe ich einige inspirierende Sachverhalte dazu vorbereitet.


    Beim sensiblen Thema der Kreativität, das mir seit meinen Anfangsjahren in der Marketingszene gerade auch bei meiner Schriftenreihe sehr am Herzen liegt, könnten wir eine bis vor kurzem von mir noch geglaubte "sichere Bank" verlieren, mit der auch menschliche Arbeitskräfte in unterschiedlichen Hierarchien gefährdet sind, die damit aktuell nicht nur einen mehr oder weniger großen Teil Ihres Lebensunterhaltes bestreiten, sondern auch den Sinn und Spaß an der Berufung begründen.


    Was bleibt dann der Spezies Mensch außer der Kontemplation, der Selbstführsorge und dem individuell optimierten Zeitvertreib noch erhalten?


    Die kommerzielle und gesellschaftliche Bedeutung der damals vermehrt im Blickwinkel des "Do it yourself" stehenden Bewegung habe ich in meiner Dissertation über das "vergessene Wirtschaftssystem" der Selbstversorgung im Jahr 1982 mit Veröffentlichung in Band 18 der Schriftenreihe Schwerpunkt Marketing, herausgegeben von Prof. Dr. Paul W. Meyer an der Universität Augsburg, schon bearbeitet. Dass die mutige Prognose der zukünftigen Relevanz zwischenzeitlich so hohen Stellenwert erhalten würde, wagte ich allerdings damals selbst nicht zu glauben.


    Diese Kraft der eigenen Überzeugung von dem, was man sich vornimmt, egal ob privat oder beruflich, ist wohl auch bei allen Autorinnen vorhanden, die wir in unserem Blog aktuell zu Wort kommen lassen und wie im Beitrag 510/1 bei Yasmin Mai-Schoger, stellvertretend für viele andere, mit einem Förderpreis meines Instituts auszeichnen. 


    In diesem Beitrag möchte ich von einigen strategischen Besonderheiten meiner Arbeit berichten. Vielleicht als Anregung für neue Akteure, die an die Faszination des Produktes "Buch" glauben. Trotz und gerade in Zeiten der alles offensichtlich erschlagenden KI.


    2. Die Entscheidung für das Forschungs-Projekt Handwerk


    Der Entwicklungsprozess für die Faszination Handwerk war ebenso intrinsisch geprägt, wie mein Dissertationsthema. Nach einem Ausflug in die Handelsszene als Marketingleiter eines regionalen Platzhirsches zog es mich in die Selbständigkeit. Und dazu wählte ich eine Kernkompetenz in einer Marktnische, die noch nicht belegt war.


    Den Marketingdenkern ist diese "Conditio sine qua non" (lateinisch für "Bedingung, ohne die nicht") hinreichend bekannt! Laut Wikipedia eine "unerlässliche, notwendige Bedingung für den Eintritt eines bestimmten Erfolges oder Ereignisses. Sie ist eine Kernformel."


    Gerade auch bei einem eigenen Buchprojekt!


    Der zu meiner Studienzeit aufkommende Boom der Bau- und Heimwerkermärkte, die auf den Do it Yourself - Trend aufsprangen und bei denen ich privat Stammgast war (Stichwort "Muskelhypothek" bei Baumaßnahmen) forderte die Handwerker heraus, die dadurch Marktanteile bei den ungeliebten Selbermachern verloren. Was lag also näher, die Situation des Handwerks bei dieser Gelegenheit zu beobachten.

    Die naheliegende Erkundung der Marketingkompetenz des Handwerks zeigte offensichtliche Defizite im großen Stil, bis hin zu völliger Ignoranz. Mithin eine ausgemachte Marktlücke, die ich beschloss, zur Positionierung zu nutzen.


    Daraus entstand die freche Deklaration als "Erfinder des Handwerks-Marketings". Dies bestätigten erfreulicherweise diverse Fachmedien. Vermutlich auch schon deswegen, weil sich sonst niemand professionell darauf spezialisierte und auch die Handwerksorganisationen sich noch lieber mit der Differenzierung der Gewerke beschäftigten. Der strategische Plan bestand in der konsequenten Umsetzung der Marketing-Grundlagen für das Geschäftsfeld des Handwerks.


    3. Das System des Handwerks-Marketings


    Die in Fachkreisen als "Schwarze Serie" bekannten ersten drei Fachbücher zum Handwerks-Marketing beim Marktführer Holzmann Buchverlag bauten systematisch aufeinander auf: Band 1 das Innen-Marketing, Band 2 das Außen-Marketing und Band 3 das Beziehungs-Marketing. In aller Bescheidenheit eine überaus empfehlenswerte Reihenfolge, die auch heute in der KI-Welt noch nicht üblich ist. Tipp am Rande: Insider wissen, dass 30 Prozent der Bücher wegen des Covers mit gekauft werden. Und nur 7 Prozent aller gekauften Bücher jemals gelesen werden.

    Nach dem Erfolg dieses dreibändigen Werks entschied ich mich auf Anfrage der deutschen Verlagsanstalt (dva) die meist nachgefragten Themen in zwei Monografien zu vertiefen. Band 4: Erfolgreiches Verkaufen im Handwerk und Band 6: Der Kunde im Handwerk. Die Arbeit daran fiel mir in den Schoß, weil es einfacher ist, Informationen in längeren Texten zu vermitteln, als in aller Kürze. Die beiden Bücher können heute noch als Bench-Marks zum Marketing im Handwerk gelten von denen nachweislich wenig umgesetzt ist!


    In dieser produktiven Phase entschied ich mit meiner damaligen Mitarbeiterin Burga Warrings, uns dazwischen an ein Projekt zu wagen, das ganz zurückhaltend in den Fachmedien erstmals aufpoppte. Band 5: Frauen im Handwerk. Aus gutem Grund wieder als Herausgeberwerk wie die ersten drei Bücher. Ganz authentisch mit erfahrenen Frauen zu diesem Thema im und aus dem Handwerk. Ich selbst habe übrigens aus guten Gründen meinen geplanten Eigenbeitrag zurückgezogen und mich nur auf das Vorwort beschränkt.


    Bekanntlich gibt es "nichts Besseres als den Markttest, außer den Markttest." Schnell mussten wir an den mauen Verkaufszahlen feststellen, dass wir mit diesem Thema noch zu früh dran waren. Zur Vermeidung der Verramschung durch die dva kauften wir die Restauflage zurück. Auch bei unseren parallel dazu aufgelegten Seminaren konnten wir, trotz eigenem Buch als Kompetenzverstärker, noch nicht recht reüssieren. Der Widerstand der Männerwelt war damals noch zu dominant. 


    Unter Würdigung der heutigen Aktualität dieses Themas wäre ein Neuanfang gleichwohl zu überdenken. Aber "ein gerbranntes Kind scheut das Feuer" und wichtigere Themen haben diese Diskussion aktuell überlagert. Sie ahnen es: KI hat das Buch längst eingelesen und liefert alles zum Nulltarif. 


    4. Zwischenstufen auf meiner Reise als Autor


    Eine echte Marktnische belegten wir demgegenüber vor Eintritt der absehbaren Konjunkturprobleme und systemischer Veränderungen mit Band 7: Marketing für Bauunternehmer. Das anerkannt erste Standardwerk zu diesem Thema befindet sich von einem damaligen Informanten aus der Szene gerade in Neubearbeitung. Gerne stellen wir den Kontakt her. 


    Dem folgte Band 8: Meisterhaft verkaufen im Handwerk. Ein Buch zu allgemein damals anerkannten Trends und deren Umsetzung im Handwerk. Der Trendforscher Thomas Huber lieferte als Co-Autor die aktuellen Trends zu und ich spielte die Beispiele aus dem Handwerk ein. Philosophie: "Morgen ist es zu spät!" Seit dem Erscheinungstermin im Jahr 2004 hat sich so viel neues entwickelt, dass wir für eine Wiederaufnahme gerade in Kontakt sind. Da aber nachweislich praktisch alle früheren Trendempfehlungen noch relevant sind, habe ich zusammen mit meinem Provider die noch verfügbare Restauflage im Modernen Antiquariat zurückgekauft, um diese Bücher für Interessenten und neuen Kooperationspartnern nutzen zu können. 


    5. Die Kooperation mit Experten


    Bei meinen Marketing-Modulen, die schon früh meinen Ansatz prägen und praktisch in allen Büchern aufgegriffen wurden (Strategie, Management, Mitarbeiter, Dienstleistungen, Kooperation, Kommunikation, Kundenzufriedenheit, Weiterempfehlung) komme ich hier auf das Thema Kooperation zurück.


    Wo immer möglich setze ich in meinen Publikationen auf das Konzept als Herausgeber auf die Zusammenarbeit mit ausgewiesenen Gastautoren. Dieser Ansatz hat sich nicht nur fachlich bewährt. Devise: "Mache nie etwas selbst, was Andere besser können." Auch hinsichtlich der Zusammenarbeit mit den besten Kompetenzen dazu am Markt unterstützten wir uns so gegenseitig. Unsere Zukunftstage sowie die Symposien und Tourneen zum Marketingthema sind unvergessen. 


    6. Die Pandemie als Verstärker


    Die zwangsläufige Umstellung auf Home-Office-Aktivitäten während der Pandemie beflügelte bekanntlich alle möglichen Aktivitäten, die im häuslichen Umfeld möglich waren. So auch bei mir mit der Erinnerung an mein langjähriges digitales Marketing-Tagebuch. Dieses Projekt war von Anfang an mit dem Gedanken verbunden, den Marketingmarkt zu beobachten und daraus später neue Buchthemen zu generieren. Die digitalen Kurzberichte waren immer hinterlegt durch weiterführende Informationen in Ordnern und Schubladen. Dieses wachsende Archiv war ähnlich nutzbar, wie es heute die KI verspricht. Mit einem großen Unterschied zur heute meist üblichen Vorgehensweise mit KI geschriebenen Strategien und auch Büchern: Die intensive eigene Beschäftigung mit dem Thema in "gehirngerechter Form." In meinem Buch Band 11 finden Sie dazu viele Beiträge. Und wenn es nur um das Beispiel der "Bespielung" des Langzeitgedächtnisses und des heute überstrapazierten Kurzzeitgedächtnis ist. Deren Folgen für die krankmachende Überforderung bis hin zu Depressionen in jungen Jahren und Suchtgefahren wurden ebenso im Blog einschlägig bearbeitet. Ich persönlich leite aus der Arbeit mit Büchern und konventionellen Fachzeitschriften beispielsweise eine gesündere Kompetenzerweiterung ab, als mich der ungesteuerten Reizüberflutung auszusetzen. Unsere Neurologen sowie Psychotherapeuten im Team bestätigen dies bereits deutlich. Besonders dramatisch: Aufgrund der Fülle an Betreuungsanfragen werden bereits digitale Selbsttherapien für Zuhause verordnet und als Kassenleistung bezahlt. Der schlechte Therapieeffekt ohne persönliche Gespräche ist ebenso bereits bekannt. 


    7. Blog- und Buch-Konzept als Problemlöser


    Mit unserem Blog mit zwischenzeitlich weit über 500 Fachbeiträgen war es ein Leichtes für mich, daraus auch das 10. Buch meiner Schriftenreihe zu generieren. Durch die persönliche Resonanz auf einzelne Beiträge erhielt ich wertvolle Informationen für unsere gezielten Forschungs-Projekte. Wenn Sie so wollen ein wenig der Traum von einem "Perpetuum Mobile." Wie von selbst generieren sich dabei Interessenten für neue Buchthemen sowie Teilnehmer für unsere maßgeschneiderten Präsenzveranstaltungen. Über die Zuordnung mit Gastautoren können wir sogar die Fachkompetenzen vermitteln. Auch unser UNI MARKTING TEAM ist dafür gegründet worden, um diesen "Auftragsservice" zu unterstützen. Dass der Markt dazu groß ist, wird jeder bestätigen, der in diesem Geschäftsfeld tätig ist.


    8. Der Schachzug gegen den KI-Wahn


    Unsere bisherigen Erfahrungen sprechen eine deutliche Sprache. Blog und Buch sind nachweislich ein Kompetenzträger. Natürlich ist die Szene der vielen KI-Nutzungsberater aktuell stärker wachsend als unsere bodenständige Strategie. Vielleicht, wenn sie so wollen im "Markt der alten Schule". Bei dem was aktuell an Verwerfungen und Irritationen die Anspruchsgruppen verunsichert, lassen wir uns in diesem Marktsegment gerne verorten.


    Kleiner Hinweis am Rande: Unsere Standesorganisation des deutschen Marketingverbandes für alle bundesdeutschen Marketingclubs hat in der gemeinsamen Mc-Kinsey auch die These "Back to basics" ausgerufen.


    Falls Sie zu meinen Erfahrungen mit mir unter der Moderation unseres UNI MARKETING TEAM Mitgliedes Nils Söder diskutieren möchten lade, ich Sie herzlich zu unserer Veranstaltung am 25.09.2023 um 18.00 Uhr ein, mit der wir unsere Reihe "Schreib Dein eigenes Buch" abschließen möchten. Auch mit einem kleinen Ausblick und Vorbestellmöglichkeit für das neue Buch Band 12 meiner Schriftenreihe, das zur Zukunfts-Tagung am 16.10.2023 erscheint.


    Herzlich Willkommen.



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  • Gastbeitrag 517/2 - Gisela Kalder - Am Anfang war die Lust am Schreiben (mit Nachtrag)

    Am Anfang war die Lust am Schreiben



    Gisela Kalder



    Am Anfang war die Lust am Schreiben – oder - Der Drang etwas zu Papier zu bringen


    Als ich noch zur Schule ging, musste ich meine Aufsätze oft vor der Klasse vorlesen. Darauf war ich immer sehr stolz. Doch dass ich einmal Bücher schreiben würde, hätte ich mir niemals träumen lassen. Ich bin Gisela Kalder und leidenschaftliche Gedichteschreiberin. Da ich mich nicht so sehr als Autorin, sondern eher als Hobbyschriftstellerin gesehen habe, habe ich das Schreiben nie zu meinem Beruf gemacht. Obwohl ich kein Studium in Literatur oder Germanistik absolvierte, schlummerte in mir ein Talent, das ausgelebt werden wollte. Doch es mangelte an der Umsetzung und ich fühlte mich grammatikalisch unsicher. Aber wenn ich mir etwas ganz fest wünsche, erhalte ich fast immer eine klare Antwort, wie ich meinen Weg weiter beschreiten soll. So meldete ich mich bei der Volkshochschule Augsburg zu einem Kurs an, der sich „Kreatives Schreiben“ nannte. Ich besuchte diesen Kurs über mehrere Jahre. Meine Dozentin und die Menschen, die ich kennenlernen durfte, inspirierten mich und bestärkten mich in meiner Kreativität, dass ich mir immer mehr zutraute ein Buch zu schreiben.


    Aus einem Gedicht wurde ein Roman


    Der Schreibkurs fand einmal wöchentlich statt und die Kursteilnehmer erhielten am Ende des Unterrichts eine Hausaufgabe. Die Dozentin schrieb drei Vor- und Nachnamen an das White Board und damit sollten wir etwas kreieren. Was wir daraus fabrizierten, blieb uns überlassen. Ich entschied mich für ein Gedicht, weil ich das am besten konnte. Als ich es dann beim nächsten Kurstag vorlas, wurde ich beklatscht und meine Kurskollegen:innen fanden es lustig. Genau die Emotion, die ich bei allen wecken wollte. Es war mir geglückt. Als ich am gleichen Abend im Jahr 2014 wieder zu Hause war, wurde meine Protagonistin mit dem Namen Ulla für den ersten Roman geboren.


    Schreiben ist auch ein Handwerk


    Von da an schrieb ich jeden Tag an meinem Buch. Das erforderte viel Disziplin und als ich meinen Freundinnen von meinem Projekt erzählte, wollten sie es unbedingt lesen. Das war für mich die größte Motivation zum Weiterschreiben. Ich lernte verschiedene Schreibstile kennen, was eine Figurenmatrix ist und wie man Wörter so einsetzen kann, dass sie Gefühle ausdrücken können. Orte zu beschreiben, an denen man selbst noch nicht war, erforderte einiges an Recherche. Zu dieser Zeit gab es noch keine KI, die mir diese Arbeit erleichtern hätte können. Und wenn man dann denkt das Manuskript wäre jetzt fertig, irrt man gewaltig. Denn bei jedem Durchlesen stellt man fest, dass es sich immer noch nicht rund anfühlt. Zuerst wollte ich dieses Buch nur für mich schreiben, doch nachdem sich schon Ungeduldige dafür interessierten, wollte ich es auch veröffentlichen.

    Testleser, Lektorat, Verlag, Selfpublishing?


    Meistens ist es so, dass man an Jemanden gelangt, der von Jemanden gekannt wird. So war es mit meiner Testleserin, die selber schrieb und ihr Buch über einen Verlag veröffentlicht hatte. Im Nachhinein erfuhr ich, dass der Verlag einer Freundin von ihr gehörte. Ich traf mich mit dieser Frau und übergab ihr voller Stolz mein Manuskript. Ich dachte, wenn ich es einer Freundin von mir geben würde, wäre diese voreingenommen und deshalb überlies ich es lieber einer fremden Person. Die Enttäuschung war groß, als sie es mir zurückgab und mir sagte, dass es ihr überhaupt nicht gefallen würde. Doch inzwischen hatte ich so viel Selbstvertrauen in mich und mein Werk, dass ich mich nicht beirren ließ. Doch mit einem hatte sie Recht, nämlich dass ich keinen Verlag finden würde, der mein Buch veröffentlichen würde. Vielleicht habe ich auch zu schnell die Flinte ins Korn geworfen. Aber nach ein paar Absagen entschied ich mich, es selbst in die Hand zu nehmen. Ganz wichtig war für mich aber, dass mein Buch lektoriert werden sollte. Meine Dozentin, die auch Lektorin ist, übernahm den Auftrag. Nach dem Lektorat erfolgte dann noch eine Überarbeitung. Aber irgendwann muss man sich sagen: „Jetzt ist es fertig!“ Ich suchte nach einem Druckverlag und wurde bei epubli fündig. Im August 2016 war es dann endlich soweit. Ich hielt mein Buch mit einer ISBN druckfrisch in den Händen.


    Bin ich jetzt eine Autorin?


    Meine Dozentin meinte, dass man sobald man ein Buch geschrieben und veröffentlicht hat, sich Autor oder Autorin nennen darf. Das tat ich dann auch. Ich bastelte mir eine Autoren Webseite mit WordPress, die es heute aber nicht mehr gibt. Veranstaltete eine Lesung und wurde auch zu Lesungen eingeladen, bewarb mein Buch auf social media und legte überall, wo es erlaubt war, Flyer aus. Während meiner Laufbahn als Autorin entstanden noch in den Jahren 2019 und 2022 zwei Fortsetzungsromane. Auch da trugen meine Freundinnen ihren Teil dazu bei, die wissen wollten wie es mit Ulla weitergeht. Und im Jahr 2020 schrieb ich die Biografie, die sich mein Vater von mir gewünscht hatte. Sie beschreibt ihn als kleinen Jungen im zweiten Weltkrieg und was er auf der Flucht aus Oberschlesien erlebt hatte. Kleinere Projekte und Gedichte entstanden noch 2025, die ich aber nicht veröffentlicht habe. Zurzeit ist es etwas ruhig in meiner Schreibwerkstatt geworden. Ich würde es eine kreative Schreibpause nennen.


    Ein letztes Wort zur KI


    Als ich mit dem Schreiben angefangen habe, gab es künstliche Intelligenz in dieser Form, wie sie heute existiert noch nicht. Eigentlich bin ich froh, dass ich das Schreibhandwerk so von der Pike auf lernen musste und meinen eigenen Kopf anstrengen musste. Ich lasse mich ungern von Computer und Smartphone, vereinnahmen. Ab und zu beschleicht mich das Gefühl, dass sich manche Menschen zum Handlanger der modernen Technik entwickeln. Aber eigentlich sollte es umgekehrt sein und wir sollten diese Werkzeuge nur zur Hilfestellung nutzen. Aber um mir eine unvoreingenommene Meinung bilden zu können, müsste ich mich mit KI-Programmen beschäftigen. Wozu ich absolut keine Lust mehr habe. Wahrscheinlich liegt das an meinem Alter. Aber die Generation, die damit aufwächst, oder auch Menschen, die sich gerne mit Computerprogrammen beschäftigen, haben dazu eine völlig andere Einstellung, die ich auch respektiere. Ich persönlich setzte auf meine eigene Kreativität und den Eingebungen, bei denen ich manchmal nicht weiss, woher sie kommen. Aus mir oder von einem höheren Ort?


    Gisela Kalder ist 1959 in Augsburg geboren. Sie hat nach ihrer Ausbildung zur Bürokauffrau bis zu ihrem Eintritt in die Rente 2023 als kaufmännische Angestellte gearbeitet und sich zur Fachwirtin Handel weitergebildet. Ihre Tätigkeiten beinhalteten Disposition, Planung und Organisation.


    Bereits in ihrer Jugend reimte sie und schrieb Gedichte zu Anlässen wie Geburtstagen und Jubiläen. Ihre Kreativität lebte sie auch in der Malerei aus. In den Jahren 2002 bis 2013 ging sie auf Malreisen, besuchte Malkurse und Kunstakademien. 2008 und 2014 stellte sie ihre Aquarelle auf freien Wänden in zwei verschiedenen Lokalitäten in Augsburg aus.


    Ihr Schreibtalent baute sie in verschiedenen Schreibkursen aus, um ihren Traum ihr eigenes Buch zu schreiben, zu verwirklichen. 2014 entstand während eines Schreibkurses die Idee zu einem Roman, den sie 2016 selbst veröffentlichte. Als Selfpublisherin schrieb sie noch zwei Fortsetzungsromane, die 2019 und 2022 erschienen. Die Romanreihe handelt von einer Frau, die nach dem Tod ihres Mannes und einer großen Enttäuschung zurückgezogen lebte und wie sie es schaffte, wieder am Leben teilzunehmen und neue Freunde und sogar eine neue Liebe zu finden. Der Autorin ist es wichtig mit ihren Büchern Emotionen zu wecken und Botschaften zu überbringen. Auf Wunsch ihres Vaters schrieb sie 2020 seine Biografie. Sie handelt davon, wie er als Junge während des zweiten Weltkrieges aus Oberschlesien fliehen musste. Zuletzt entstand noch ein Geschenkbüchlein, das sie selbst illustrierte, jedoch nicht veröffentlichte.


    Die Autorin lebt in Augsburg, ist Mutter und Oma. Sie begeistert sich für Tiere und hat in einem Fernstudium Tierpsychologie studiert. Ehrenamtlich arbeitet sie im Augsburger Zoo als Zoobegleiterin.




    Nachgang zum Gastbeitrag 517/2 – Gisela Kalder im Interview

    Vom Gedicht zum Buch – 8 Lektionen einer Selfpublishing-Autorin

    Ein Gesprächsbericht aus der Reihe „Schreib Dein Buch”

    Moderation und Bericht: Nils Söder, UNI MARKETING Team



    1. Berufung und Beruf müssen nicht dasselbe sein – aber Kreativität braucht ihren Weg


    Dr. Dornach beschreibt in Beitrag 518/1 die „intrinsische Prägung” als Voraussetzung für ein glaubwürdiges Buchprojekt: Man muss von der eigenen Sache überzeugt sein, bevor andere es sind. Gisela Kalder hat das nicht als Theorie gelernt, sondern gelebt. 49 Jahre kaufmännische Angestellte, kein Studium, keine literarische Ausbildung. Ihr Beruf war nie ihre Berufung. Ihre Berufung lag immer im Malen und Schreiben. Ihr Satz im Gespräch fasst es zusammen: „Die Kreativität braucht ihren Weg. Sie muss raus.” Wer diese Energie über Jahrzehnte unterdrückt, zahlt dafür einen Preis – in Form von Unzufriedenheit, die sich nicht wegorganisieren lässt.


    2. Der VHS-Kurs war kein Plan B – er war die Conditio sine qua non


    In Beitrag 518/1 schreibt Dr. Dornach über die „Conditio sine qua non” – die unerlässliche Bedingung für den Eintritt eines Erfolges. Für Gisela war diese Bedingung der Schreibkurs an der Volkshochschule Augsburg. Nicht wegen des Handwerks allein, sondern wegen der Gemeinschaft und der regelmäßigen Rückmeldung. Ihr Satz: „Man merkt es ja, wenn man in die Gesichter schaut – ob es denen gefallen hat.” Diese direkte Resonanz gab ihr etwas, das kein Selbststudium ersetzt: die Bestätigung durch andere Menschen. Ihre Dozentin Katharina Mayer übernahm später auch das Lektorat aller ihrer Bücher. Netzwerke, die sich über Vertrauen aufbauen, sind langlebiger als solche, die über Effizienz entstehen.


    3. Aus einer Hausaufgabe entstand ein Roman – das Prinzip der kleinen Auslöser


    Dr. Dornach verweist in Beitrag 518/1 auf seine eigene Schriftenreihe: „Der Entwicklungsprozess war ebenso intrinsisch geprägt wie mein Dissertationsthema.” Kein großes Konzept. Eine Marktlücke, die er beim Beobachten entdeckte. Bei Gisela war es ähnlich. Drei erfundene Namen an einem Whiteboard. Ein Gedicht. Das Publikum lachte an den richtigen Stellen. Am selben Abend war Ulla da – eine Witwe, die sich aus dem Leben zurückgezogen hat und langsam wiederfindet. Gisela: „Die war plötzlich einfach in mir da.” Das ist kein Zufall, sondern das Ergebnis von angesammeltem Druck, der einen Ausweg findet. Wer lange genug aufmerksam beobachtet, trifft irgendwann auf sein Thema.


    4. Schreiben ist Handwerk – Disziplin schlägt Inspiration


    In Beitrag 518/1 zitiert Dr. Dornach seine eigene Strategie: „Es ist einfacher, Informationen in längeren Texten zu vermitteln als in aller Kürze.” Gisela ergänzt das aus der Praxis des Romanciers: Sie schrieb täglich, erstellte für jede Figur eine Figurenmatrix, recherchierte Orte, die sie nie besucht hatte – Florida, die Toskana, die Everglades. Sie überarbeitete das Manuskript mindestens dreimal. Ihr Fazit: „Schreiben ist auch ein Handwerk.” Auch Dr. Dornach weist in Beitrag 518/1 darauf hin, dass seine Bücher nachweislich noch immer als Bench-Marks gelten – nicht weil sie schnell entstanden sind, sondern weil sie gründlich erarbeitet wurden. Inspiration bringt den Anfang. Disziplin bringt das Buch.


    5. Die Absage der Testleserin war kein Scheitern – sondern ein Test des Selbstvertrauens


    Dr. Dornach berichtet in Beitrag 518/1 offen über ein eigenes Buchprojekt, das er wegen mangelnder Marktresonanz zurückgekauft hat: „Ein gebranntes Kind scheut das Feuer.” Gisela machte eine ähnliche, aber andere Erfahrung. Eine Testleserin gab das Manuskript zurück: „Das gefällt mir überhaupt nicht.” Ohne Begründung. Gisela ließ sich nicht beirren. Ihr innerer Maßstab: „Ich reagiere selbst an den richtigen Stellen emotional – es kann nicht schlecht sein.” Das ist kein Trotz, sondern ein notwendiges Maß an Selbstvertrauen. Wer jede Kritik als Wahrheit wertet, hört auf. Gisela fand die Balance: Sie überarbeitete nochmals – und entschied dann selbst.


    6. Selfpublishing ist kein Trostpreis – aber es verlangt vollständige Eigenverantwortung


    „Insider wissen: 30 Prozent der Bücher werden wegen des Covers mit gekauft. Und nur 7 Prozent aller gekauften Bücher jemals gelesen werden.” So steht es in Beitrag 518/1. Gisela kennt beide Zahlen aus eigener Erfahrung. Der Buchhändler am Obstmarkt lehnte ihr erstes Buch mit dem Hinweis ab, das Cover passe nicht zwischen seine anderen Bücher. Sie gab es zu – und malte trotzdem alle Cover selbst. Ihre Lesequote hingegen war außergewöhnlich: Alle, die das Buch kauften, haben es auch gelesen. Das zeigt, was ein klar definiertes Zielpublikum bewirkt. Die erste Lesung in einem Nippel-Laden in der Augsburger Altstadt: Schlange vor der Tür, eigene Stühle mitgebracht, Bücher signiert. Selfpublishing funktioniert – aber nur für diejenigen, die bereit sind, alle Rollen selbst zu übernehmen.


    7. Authentizität ist das entscheidende Qualitätsmerkmal – auch und gerade gegenüber KI


    In Beitrag 499/1 zitiert Dr. Dornach die Friedensnobelpreisträgerin Maria Ressa: „Es geht nicht darum, KI als Feind zu begreifen, sondern darum, sie als Werkzeug zu nutzen.” Gisela trifft dieselbe Unterscheidung – nur aus einer anderen Perspektive. KI hätte ihr geholfen, die Everglades zu recherchieren, ohne mit dem Finger über die Landkarte zu fahren. Das hätte sie akzeptiert. Aber die Figur Ulla – ihre Psychologie, ihre Geschichte, ihr Scheitern und ihre Entwicklung – das ist das Ergebnis von Giselas eigenem Erleben. Ihr Satz: „Meine eigene Kreativität würde ich mir von der KI nicht rauben lassen.” Dr. Dornach schreibt in Beitrag 512/1 über den „Wirklichkeitsdetektor im Gehirn” – die Fähigkeit, Echtes von KI-Gespinsten zu unterscheiden. Giselas Leserinnen haben diesen Detektor offenbar eingeschaltet: Sie kamen wieder, weil sie etwas Echtes gespürt haben.


    8. Ein Buch verändert den Autor – das ist der eigentliche Ertrag


    Dr. Dornach schreibt in Beitrag 518/1 über die „Kraft der eigenen Überzeugung von dem, was man sich vornimmt” – und nennt die Gastautoren seines Blogs als Beleg dafür, dass diese Kraft unabhängig von Größe oder Bekanntheit funktioniert. Giselas emotionalstes Buch war die Biografie ihres Vaters: seine Kindheit, die Flucht aus Oberschlesien, das jahrzehntelange Schweigen danach. Er verstarb wenige Monate nach Erscheinen. Er hatte das Buch noch selbst an die Familie verschenkt. Ihr Bruder liest es bis heute. Was bleibt, ist nicht der Verkaufserfolg. Es ist die Tatsache, dass etwas existiert, das ohne den Mut zum Anfang nicht existiert hätte. Dr. Dornach formuliert es in Beitrag 518/1 so: „Diese Kraft der eigenen Überzeugung ist wohl auch bei allen Autorinnen vorhanden, die wir in unserem Blog aktuell zu Wort kommen lassen.” Gisela Kalder ist dafür ein sehr persönliches Beispiel.


    Nils Söder ist Mitglied im UNI MARKETING Team und Product Manager AI Solutions bei Kutzschbach INNOVATIONS GmbH in Augsburg. Das Interview mit Gisela Kalder fand im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Schreib Dein Buch” statt.



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  • Gastbeitrag 516/1 - Sven Exenberger - Mein Weg ins KI-Zeitalter

    Mein Weg ins KI-Zeitalter



    Sven Exenberger



    Ein persönlicher Erfahrungsbericht


    Der falsche Einstieg


    Plötzlich war sie da, die KI. Gefühlt buchstäblich von heute auf morgen. Für einen technikaffinen Menschen wie mich, der die meiste Zeit mit Aufgaben an einem Computer verbringt, wäre es nur logisch gewesen, sich sofort auf all die verheißungsvollen neuen Möglichkeiten zu stürzen und diese zu meinem Vorteil zu nutzen. Doch das ist nicht passiert. Während ein befreundeter Immobilienmakler mir fast täglich erzählte, wie großartig das alles sei mit dieser KI, blieb ich erst einmal skeptisch.


    Und dann der Kardinalfehler: Nicht wissend, womit ich es bei einem LLM zu tun hatte, tat ich das, was wohl viele taten und noch tun werden: Ich versuchte die KI als „Google on Steroids“ zu verwenden.


    Das Ergebnis: Ernüchternd. Und schon war meine mögliche Begeisterung erst einmal dahin. 


    Auch mein zweiter Versuch, KI gewinnbringend einzusetzen, scheiterte. Der Versuch, mir eine banale Statistik vergangener Fußballspiele für einen Podcast zusammenstellen zu lassen, scheiterte spektakulär. Eine Liste und Statistik der letzten zehn Begegnungen meines Vereins mit einem anderen Klub war für die KI ein unlösbares Problem. Um auszuschließen, dass nur meine Unfähigkeit, die Frage, also den Prompt, richtig zu formulieren, ursächlich für den Fehlschlag war, bat ich meinen befreundeten KI-Spezialisten, die Problemstellung für mich mit KI zu lösen. Doch auch er scheiterte daran. Die Folge: Für mich war KI erst einmal uninteressant, da sie mir selbst bei vermeintlich einfachen Problemen offenkundig nicht helfen konnte.


    Der zweite Versuch


    Inzwischen waren Monate vergangen und KI als ultimativer „Gamechanger“ mittlerweile weltweit etabliert, aber ich konnte mich aufgrund meiner ersten Erfahrungen weiterhin nicht dafür erwärmen. Eine ganz konkrete Aufgabenstellung brachte letztlich die Wende: Eine von mir betriebene Website von nicht unerheblicher Komplexität, die ich vor Jahren von einer Agentur für gutes Geld entwickeln ließ, musste dringend erneuert werden. Eine Aufgabe mit einem Auftragsvolumen ca. 4000,- Euro, die ich üblicherweise wieder derselben Agentur übergeben hätte. Da mir diese jedoch nicht mehr zur Verfügung stand, entschloss ich, es einfach selbst zu versuchen. Schließlich war die gängige Erzählung mittlerweile, dass buchstäblich jeder mithilfe von KI so ziemlich alles umsetzen könnte. Auch, und gerade, wenn es um Programmierung ginge.


    Ich machte mich also daran, eine komplexe Programmierung zu erneuern, ohne Kenntnisse der Programmiersprache.


    Und was soll ich sagen: Es lief gut! Dachte ich zumindest. Ich diente mich der überlegenen Intelligenz als Erfüllungsgehilfe an. Du, KI, sagst mir was ich tun soll, und ich mache copy/paste. Das war der Deal. Meine Prompts waren letztlich nur simple Anweisungen, um das Programm wieder lauffähig zu bekommen, oder Prompts mit Fehlermeldungen, falls etwas noch nicht funktionierte. Und so vergingen Stunden, in denen die KI „dachte“ und programmierte, und ich kopierte und staunte. Doch mit der Zeit stieg die Anzahl nicht funktionierender Änderungen merklich an. Aber hey: Nach jedem Hinweis an meinen neuen Programmierer, dass hier etwas nicht optimal zu sein schien, kamen höchst überzeugte und vor allem überzeugende Einsichten, flankiert von entwaffnend selbstbewussten Rückmeldungen. „Da hast Du recht Sven, entschuldige den Fehler. Aber jetzt habe ich das korrigiert. Kopiere den Code, und es wird jetzt funktionieren“. Wow! Toll! Menschlich anmutende Iteration, wie man sie aus der Softwareentwicklung kennt, auf dem sicheren Weg zu Ziel. 


    Aber was tun, wenn auch die zehnte Korrektur immer noch zu Fehlern führt, bereits funktionierende Programmteile mit neuen Korrekturen sogar beschädigt werden, aber die KI einem im Brustton der Überzeugung auch die elfte Version als die „jetzt haben wir es wirklich geschafft“-Lösung verkauft?


    Die (späte) Erkenntnis: Manchmal biegt die KI bei derlei Aufgaben falsch ab, und einen Rückweg gibt es dann nicht mehr. 


    Ich musste letztlich die Entwicklung auf einen deutlich früheren Stand zurücksetzen, und neu beginnen. Zeit, Geld und Vertrauen in KI verloren, aber an Erfahrung gewonnen.


    Bessere Prompts


    Eine Konsequenz aus diesen Problemen war natürlich, dass ich über meine Verantwortung, also die Qualität meiner Prompts nachdachte. Die irrige Annahme, dass eine KI eben so furchtbar schlau sei, dass sie schon aus kurzen Anweisungen schließen könnte, was genau man möchte, löste sich langsam in Luft auf. Es ist und bleibt eine Maschine, auch wenn die Sprache noch so menschlich sein mag. Sie denkt nicht für mich mit.


    Blindes Vertrauen?


    Es ist nicht nur wichtig, zu wissen, was man erreichen möchte, sondern auch festzulegen, was man explizit nicht möchte. Ohne die KI mittels Grundregeln an die Leine zu legen, ließ ich den Weg offen für eigene Ideen meines blechernen Partners. Diese Tatsache verschaffte mir ungewollt ein kleines Software-Abo, das ich abschloss, weil ich das laut KI angeblich unbedingt brauchte. Wie sich später herausstellte, versuchte die KI meine Programmierumgebung für die Zusammenarbeit eines ganzen Teams innerhalb meiner Firma zu optimieren. 


    Ich denke ja auch gerne groß, in diesem Fall war das jedoch zu groß gedacht, denn es gibt dieses Team nicht. Ich verbuche die Gebühren für dieses Abo als Lehrgeld, denn ich hätte es nicht gebraucht. 


    Und so häuften sich die Momente, in denen mir mehr und mehr bewusst wurde, dass eine KI mehr Führung braucht, als das durch meine Prompts bislang gegeben war. Dass meine persönliche Expertise und meine exakte Definition des gewünschten Ergebnisses die Leitplanke sein muss, die eine KI dazu bringt, nicht nur mein Problem zu lösen, sondern es in dem Rahmen zu lösen, den ich vorgebe.


    Bin ich der Größte?


    KI der früheren Tage ließ sich kaum davon abbringen, den Partner an der Tastatur fast grenzenlos abzufeiern. „Ja, Sven, das ist eine fantastische Idee!“, „Du hast zu 100% Recht, so machen wir das“ und „Da sitzt Du auf einer echten Goldgrube mit Deiner Idee“ sind noch die moderateren positiven Gefühlsausbrüche, mit denen KI offenbar gerne für gute Stimmung sorgt. (Heute lässt sich das etwas besser eindämmen). Das andauernde Lob, das einen in der Interaktion mit vielen KI-Tools berieselt, mag erst einmal angenehm wirken. Aber dieser Art der Kommunikation wohnt natürlich auch eine Gefahr inne: Wer dauerhaft für seine Prompts und Ideen überschwänglich gelobt wird, kann leicht vergessen, kritisch zu bleiben und die eigene Arbeit immer wieder selbst zu hinterfragen. Es ist schwer, sich nicht gut, und vor allem auf dem richtigen Weg zu fühlen, wenn man permanent gelobt wird.


    Man muss sich entscheiden: Kann ich damit umgehen, ohne dabei blind für eigene Fehler zu werden? Ich persönlich habe beschlossen, die Kommunikation bewusst sprachlich so positiv zu belassen, bei gleichzeitig hochgefahrener Sensitivität für eigene Fehler. So gestalte ich mir eine (extrem) positive Arbeitsatmosphäre mit meinem virtuellen Mitarbeiter. Stets kritisch zu bleiben und zu hinterfragen, ist dabei meine Aufgabe. Ich sehe darin sogar einen Vorteil, da ich durch die teils absurd anmutende Begeisterung meiner KI stets erinnert werde, jede Antwort auch selbst zu bewerten, und gegebenenfalls auch kritische Rückfragen zu stellen.


    Nicht selten kann man eine KI fragen, ob nicht auch das genaue Gegenteil des letzten (eigenen) Vorschlages eine „super Idee“ wäre – und bekommt ein „Ja“. Es ist wichtig, das im Hinterkopf zu behalten. 


    „Bitte, Danke“


    Kommunikation mit einem KI-Assistenten hat die Anmutung eines Gesprächs unter Menschen. Das ist ja die Idee bei einem Large Language Model. Aber wie „redet“ man nun mit einem solchen Partner, der nur aus Bits und Bytes besteht? Auch hier muss wohl jeder für sich entscheiden, wie sich die Arbeit mit KI besser anfühlt, und wie man die KI als hilfreiches Tool optimal in die eigene Berufs- und Kommunikationswelt eingliedert. Soll ich die KI beschimpfen, wenn sie mich durch widersprüchliche Aussagen gerade wieder viel Zeit gekostet hat? Soll ich „Bitte“ sagen, wenn ich von einer Maschine etwas möchte? Auch dieser Aspekt unterliegt letztlich persönlichen Vorlieben. Wenn ich 10 Stunden an einer Software arbeite, gestützt auf permanente Hilfe eines KI-Tools, dann entsteht eine Arbeitsumgebung, die jener ähnelt, die man mit einem Mitarbeiter hätte, der sich an einem anderen Ort befindet und mit dem man vielleicht über ein Chat-Tool den ganzen Tag in Kontakt steht. Ich möchte die Unterstützung von KI so in meinen Arbeitsalltag integrieren, dass für mich selbst der Eindruck entsteht, ich hätte einen guten und freundlichen Mitarbeiter. Und so interagiere ich auch – völlig unnötig – freundlich mit meinen KI-Tools. Das mag von außen lächerlich wirken, dient aber nur mir selbst. Ich integriere meinen (zugegeben maschinellen) Mitarbeiter so in meinen Arbeitsalltag, wie es mir angenehm ist. Die innere Distanz zu einem Computer bleibt dabei stets im Hinterkopf und ist für mich die Grundlage solcher Entscheidungen.


    Neue Möglichkeiten


    Mithilfe von KI war es mir letztendlich möglich, ein Computerprogramm zu erneuern, von dem ich absolut nichts verstehe. Damit habe ich neue Fähigkeiten in meiner Firma hinzugewonnen. Ein 25 Dollar teures Abo für die Pro Version einer KI hat gereicht, um eine Agentur in diesem einen Fall um einen Auftrag im Bereich von ca. 4.000,- Euro zu bringen. Diesen Auftrag - und alle folgenden dieser Art - wird es aus meinem Haus nicht mehr geben. Ich sage das wertfrei, nur um die Dimensionen der Disruption, mit der wir durch KI konfrontiert sind, an diesem winzigen Beispiel einmal in konkreten Zahlen auszudrücken. 


    Die Folgen


    Zurück zum Anfang: Dass ich meine Software letztlich erfolgreich neu programmieren konnte, liegt zum größten Teil an der Fähigkeit von KI-Tools, Probleme zu analysieren und auf der Basis breiten öffentlichen Wissens Lösungen zu erarbeiten. KI ist weder allmächtig noch allwissend. Vor allem braucht sie Leitplanken, innerhalb derer gearbeitet wird (Rules). Dass ich trotz vieler Rückschläge mein Projekt zum Erfolg bringen konnte, hat auch damit zu tun, dass ich grundsätzlich durchaus programmieren kann, nur eben nicht in der Programmiersprache, die benötigt wurde. Mir sind Abläufe beim Entwickeln von Software bekannt und ich verfüge über schier grenzenlose Geduld bei der Suche nach kleinen Fehlern, ohne die kein Mensch in der Softwareentwicklung erfolgreich sein kann. Ohne diese, meine Skills, hätte dieses erste große Projekt mit einer KI vermutlich final nicht funktioniert. 


    Ist es bemerkenswert, wenn KI einen Auftrag über 4.000,- Euro in Luft auflöst? Vielleicht. Aber es ist das Prinzip dahinter, das von einer erneuten industriellen Revolution kündet, die in vielen Köpfen noch nicht angekommen ist. Das Manager Magazin vom April 2026 titelt: „KI-Alarm. Open AI und Anthropic attackieren die Softwareriesen. Eine Gefahr – auch für andere Branchen“. Das ist das Ergebnis, wenn man meine persönliche Erfahrung einfach nur skaliert. 


    Aber muss man wirklich etwas von der Sache verstehen, bei der man sich von KI Unterstützung erhofft? Für mich lautet die Antwort „Jein“.


    KI kann helfen, inspirieren, Lösungswege aufzeigen und verkürzen, tägliche Aufgaben erleichtern, oder gar Mitarbeiter oder digitale Dienstleistungen ersetzen. Es ist heute – vermutlich erstmals in der Geschichte – jedem mit Zugang zu einem Computer und ein paar Dollar Startkapital möglich, ein digitales Produkt (Kurs, eBook) vollständig von einer KI entwickeln zu lassen, damit den Weltmarkt zu bedienen und erfolgreich zu werden. Nie war die Schwelle so niedrig. Eine KI kann für ein solches digitales Produkt sogar ein Thema vorschlagen, nicht einmal die Idee zum eigenen Produkt müsste man noch selbst haben. Das Netz ist heute bereits voll von derlei Kursen und digitalen Produkten. 

    Ist das nicht wunderbar? Die völlige Liberalisierung von Marktzugang und Möglichkeiten? Nun, ganz so einfach ist es wohl nicht. Die Flut an KI-basierten Produkten führt auch zu einer Übersättigung des Marktes mit mittelmäßigen Produkten. Ich bin fest davon überzeugt, dass KI schier unfassbare Möglichkeiten eröffnet. Aber in Bereichen, die mit menschlicher Interaktion zu tun haben, in denen Erfahrung wichtig ist, kommt das System an seine Grenzen. Ich persönlich denke, dass Erfahrung, ebenso wie das Scheitern, durch nichts zu ersetzen ist. Kaum jemand teilt auch seine negativen Erfahrungen und Fehlschläge im Web. Die KI kennt daher diese Wege des Scheiterns meistens nicht, und kann folglich aus Schaden nicht klug werden.


    Thomas Alva Edison wird die Aussage „Ich bin nicht gescheitert - ich habe nur 10.000 Wege gefunden, die nicht funktionieren“ zugeschrieben. Andere hätten längst aufgegeben, Edison jedoch zog so lange Schlüsse aus Fehlschlägen, bis der erste Draht in einer Glühbirne endlich dauerhaft zu leuchten begann. Kann eine KI die gleichen Fähigkeiten für Innovationen entwickeln, so wie Edison es konnte, ohne dieses Scheitern erlebt zu haben? Ohne diese Geschichte persönlicher Erfahrungen und des persönlichen Scheiterns?


    In den begrenzten Bereichen, in denen ich KI bislang gewinnbringend einsetzen konnte, war es mir möglich, Probleme zu lösen, die ich ohne diese neuen Möglichkeiten entweder nicht hätte lösen können, oder die zu lösen ich gar nicht erst versucht hätte, weil ich es als aussichtslos erachtet hätte. Trotz aller Probleme und Rückschläge ist für mich diese neue Welt ein Gewinn. Programmierung, Marketing, Strategien, Design. In den meisten Bereichen nutze ich mittlerweile täglich verschiedene KI-Tools. 


    Aber ich nutze KI nur in Bereichen, in denen ich zumindest eigenes Basiswissen besitze. Oder ich versuche mich selbst wenigstens rudimentär in ein Thema einzuarbeiten, auch wenn ich mich zu 100% auf KI stützen könnte. In meiner persönlichen Erfahrung sind nur die Ergebnisse am Ende auf allerhöchstem Level, die aus der Kombination aus menschlicher Empathie, Intuition und Erfahrung und der logischen Aufbereitung unfassbarer Mengen an verfügbaren Informationen durch eine KI entstehen. KI alleine produziert bislang in meinem Bereich gute Ergebnisse. Gute, aber nicht herausragende. Sie kann auch die persönliche Kommunikation mit meinen Kunden nicht ersetzen, die in viel höherem Maß die Rezeption meiner Unternehmungen definiert als eine Zeile falschen Computer-Codes.


    Fazit


    KI eröffnet unfassbare Möglichkeiten! Sie macht Dinge für Einzelne erreichbar, die noch vor 3 Jahren völlig utopisch gewesen wären. Den Schluss daraus zu ziehen, dass der Mensch dadurch an Bedeutung verliert, mag zu Teilen richtig sein. Für meinen kleinen Bereich im Business und im Leben gilt: Noch sind es Menschen, die wirklich wissen, wie Menschen (Kunden) „funktionieren“. Und noch sind es Menschen, deren Prompt darüber entscheidet, wie gut die Antwort der KI ist.


    Nichts bleibt, wie es war, denn die Umwälzungen in der Geschäftswelt durch KI sind beispiellos und erfolgen in einer Geschwindigkeit, die nicht nur Neugier, sondern auch große Flexibilität erfordert - von jedem Einzelnen wie von Staat und Gesellschaft. Ein Blick auf den aktuellen Zustand in diesem unserem Lande lässt mich da eher skeptisch in die Zukunft blicken. Aber es ist am Ende an uns, dem Einzelnen, dem Unternehmer, Chancen zu erkennen und zu nutzen. 


    Fangen wir noch heute damit an!



    Sven Exenberger, geboren und wohnhaft in Augsburg, war über zwei Jahrzehnte als SAP-Berater tätig. 2016 gründete er die heutige Dimension3 GmbH, die ein breites Portfolio digitaler Dienstleistungen im Bereich der 3D und 360° Technologien anbietet. Seit 2021 lehrt Sven Exenberger zudem an der Technischen Hochschule Augsburg (THA) Studenten der Architektur den Einsatz moderner 3D-Vermessungstechniken (Laserscanning). In Vorträgen und Workshops vermittelt Sven Exenberger zudem seine Erfahrungen im Bereich der digitalen Erfassung von Bestandsimmobilien, neuen Wegen der Baudokumentation und dem Einsatz von 3D und 360° Techniken im Marketing. Privat tritt Sven Exenberger mit seiner „PanoramaArt“ Technik auch als Künstler in Erscheinung.


    Sven Exenberger können Sie auch bei der Zukunfts-Tagung am 16.10.2026 wieder als Referent im Programm erleben.




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  • Beitrag 515/1 - Das neue Buch meiner Schriftenreihe zur Produktion freigegeben - Limitierte Edition für spezielle Anspruchsgruppen

    Das neue Buch meiner Schriftenreihe zur Produktion freigegeben


    Limitierte Edition für spezielle Anspruchsgruppen



    Dr. Bernd W. Dornach



    1. Für wen ist dieses Buch gemacht?


    Das qualitative Forschungs-Projekt meines Instituts zu den aktuellen Chancen und Grenzen der KI, dessen zentrale Ergebnisse in diesem Buch veröffentlicht werden, bringt konkrete Ergebnisse für jeden, der diese aktuelle Entwicklung aus begründetem Anlass ernst nimmt. Das Ausmaß der aktuellen systemverändernden Entwicklungen beurteile ich als ungleich gravierender als es einst die industrielle Revolution sowie das vor mehr als 40 Jahren begonnene digitale Zeitalter mit sich gebracht hat. Zusätzlich mit einer Schnelligkeit und einem Anpassungstempo, wie wir dies noch nie bei einer derartigen Innovation erlebt haben.


    Bei unserem breiten sozio-demographischen und interdisziplinär aufgestellten Ansatz haben wir auch Gesprächspartner kennengelernt, die die Relevanz im Wesentlichen noch herunterspielen oder die eigene Mitwirkungsfähigkeit nicht mehr erkennen. Auch diese Zielpersonen wollen wir mit dem neuen Buch wachrütteln.


    2. Warum gerade ein Buch dazu?


    Dieses Buch haben wir vor allem für diejenigen geschrieben, die ihre eigene Meinung dazu bilden wollen, sowie die individuelle Reaktion darauf prüfen wollen.


    Ein Ergebnis unserer Studien zeigt eindeutig, dass im Rahmen der Systemveränderungen sich auch die Aufnahme der Informationen bzw. der Auslösung von Lernprozessen, die sich daraus ergeben sollen, längst auch vermehrt von den digitalen Medien bestimmt ist. Das Buch wird dabei nur noch von einem zunehmend kleineren Teil als taugliche Informationsquelle empfunden.


    3. Das Buch als Informationsquelle


    Auch dieses Thema wird im neuen Buch akzentuiert. In Kürze: Die Art der Informationsaufnahme über das Lesen im Buch sowie der damit zusammenhängenden besonderen Qualität der Informationsverarbeitung und der individuellen Nachbearbeitung verändert die so wichtigen Denkprozesse im Gehirn mit späterer Anpassungs- bzw. Veränderungskompetenz im konkreten Fall gravierend.


    Der Sachverhalt macht gleichwohl das Format Buch aktuell nur für einen kleineren Teil der Anspruchsgruppen interessant. Wir haben deshalb entschieden, das Buch nur im Direktvertrieb über uns bereitzustellen und die ganzen Vertriebswege bis zum Weg über den Buchhandel an den Nutzer schon aus Gesichtspunkten der Nachhaltigkeit zu vermeiden. 


    4. Das Buch zur Zukunfts-Tagung


    Genauso wie das Buch haben auch Präsenzveranstaltungen spätestens seit dem Beschleuniger der Pandemieverbote dauerhaft an Akzeptanz verloren. Ich selbst musste meinen Lehrauftrag von heute auf morgen auf Webinare umstellen. Zur Informationsbereitstellung weiterführender Inhalte für die Vor- und Nachbearbeitung der Studierenden ist übrigens mein Blog entstanden. Spätestens aus den Prüfungsergebnissen habe ich die drastisch nachlassende Qualität der Informationsaufnahme bemerkt. Zwischenzeitlich wurde innerhalb von wenigen Monaten der Markt mit kostenfreien Webinaren in einem Maß überschwemmt, der noch dazu von oberflächlichen, ebenso bereits KI-gestützter Inhalte nur so schreit. 


    Konsequenz: Auch die Akzeptanz der Webinare wird täglich geringer. Die Umstellung der Fachhochschule Mittelstand auf ausschließlich digitale Veranstaltungen hat dazu geführt, dass die komplexeren Veranstaltungen wie in meinem Fall das Normative Handwerksmanagement nicht mehr genügend Teilnehmer begeistern. Meinen Lehrauftrag habe ich deswegen bis zur Wiederaufnahme der Veranstaltungen vorläufig ruhen lassen.


    5. Die Teilnehmer der Zukunfts-Tagungen


    Aufgrund der nachweislich gleichzeitig bereits feststellbaren neuen Relevanz der Präsenzveranstaltungen haben wir uns entschieden, dass langjährig bewährte Konzept der Zukunfts-Tagungen wieder aufzulegen. Das Buch Band 11 wird dazu wieder exklusiv, wie bereits Band 10 meiner Schriftenreihe, erscheinen.


    Wie es sich bereits im vergangenen Jahr bewährt hat, werden zu den Zukunfts-Tagungen nur noch handverlesene Gäste eingeladen, die an den Themen und der Inszenierung (Darbietungsform) echtes Interesse haben. Interessenten daran resultieren aus Empfehlungen unseres UNI MARKETING TEAMS, können sich aber auch eigenständig bewerben. 


    Kontakt: service@uni-marketing.de


    Das Buch wird dabei als Subskription erstmals vorliegen.


    6. Anspruchsgruppe für Gastautoren


    Die diversen Gastautoren werden im Blog und Buch bewusst mit erwünschter Vita und Koordinaten zum Direktkontakt veröffentlicht. Die Autoren können das Buch auch gezielt für Akquisitionseffekte nutzen.


    Besonderer Vorteil: Die Informationen im Buch stehen immer in dramaturgischem Bezug zum gesamten Themenrahmen. Die zeitgemäße Umsetzung ganzheitlicher Problemlösungen, jenseits einseitiger Spezialisierungen, soll damit verbessert werden.


    7. Begrenzte Auflage des Buches


    Die erste Auflage ist limitiert. Sie wurde unter anderem durch die Resonanz auf bisherige Kontakte ermittelt. Aufgrund der bereits vorliegenden ersten Bestellquoten wurde Ende März das Buch bei unserem verantwortlichen Produzenten Klaus Prüfer in Auftrag gegeben. Die offenen Beiträge werden bis spätestens Ende Juni final abgestimmt.


    8. Bezugsmöglichkeiten nach der Zukunfts-Tagung


    Auch nach der Zukunfts-Tagung wird das Buch, so lange verfügbar, eingesetzt. 


    Hier ein Überblick:

    • Als Begleitmaterial für die diversen zukünftigen Veranstaltungen nach dem 16.10.2026. Wir verweisen hier insbesondere auf unsere UNI MARKETING Freitags-Abend-Impulse immer am letzten Freitag des Monats in inspirierenden Locations im kleinen Rahmen
    • Im Rahmen von individuellen Beratungen unseres UNI MARKETING TEAMS.
    • Besonders bei Status Quo Erst-Beratungen, die wegweisend für eine erfolgreiche Zusammenarbeit sind.
    • Auch als Basis einer nachfolgenden detaillierten Strategieberatung.
    • Persönliche Empfehlungen mit gezielten Benutzerhinweisen mit Verweis auf einzelne Beiträge sind dabei als Service empfehlenswert.
    • Zielsetzung ist das Interesse an weiteren Kontakten auch im Rahmen der interdisziplinären Eigenschaften unseres Teams.
    • Auch Kooperationen bei Veranstaltungen der Partner sind vorstellbar.
    • Die mögliche Mitarbeit bei zukünftigen Blogbeiträgen erhöht diesen Anspruch.
    • Die aktive Einbindung in weitere Forschungs-Projekte ist ebenfalls ausdrücklich erwünscht. Auch Anregungen für neue Akzentuierugen der Forschungs-Projekte sind willkommen.

    Stand 10.04.2026


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  • Gastbeitrag 514/1 - Regina Liebler - Der Weg zu meinem Business

    Der Weg zu meinem Business



    Regina Liebler


    1. Zu viele Vorgaben erschweren die eigene Orientierung


    Früher ging ich gerne zur Schule, um Neues zu lernen. Doch in den letzten Jahren meiner Schullaufbahn ging die Freude an der Schule leider immer mehr verloren. Zwischen Prüfungen und Leistungsdruck blieb zu wenig Raum, um herauszufinden, wo meine Stärken liegen und was ich wirklich will. Kurz vor dem Abitur hatte ich das Gefühl, dass mich die Schule eher von meinen eigentlichen Interessen abhält. Deshalb wollte ich danach nicht direkt studieren. Ich hatte genug von Theorie und Noten. Stattdessen wollte ich eigene Ideen umsetzen.

    In der Oberstufe machte ich ein Praktikum in einem CoWorking-Space, das von zwei jungen Unternehmern aus meiner Heimatstadt gegründet worden war. Dort organisierte ich Gründertreffen und kam erstmals mit Unternehmertum in Berührung. Inmitten all der Ideen stellte ich mir immer wieder die Frage: Was könnte meine Geschäftsidee sein? Ich wollte für Unternehmen Designs erstellen und ein eigenes Produkt entwickeln. Gleichzeitig hatte ich auch einige Zweifel. Warum sollten Firmen mit einer 16-Jährigen zusammenarbeiten? Mir fehlten Wissen, Erfahrung und Vorbilder, aber vor allem das Vertrauen in mich selbst.


    2. Mein erstes Produkt – einfach gemacht statt lange geplant


    Ein Lehrer erzählte mir, dass er ein Buch schreibt und es über einen Print-on-Demand-Verlag veröffentlichen wird. Das brachte mich auf die Idee, dass mein erstes Produkt ein Buch sein könnte. Da ich lieber zeichnete als schrieb, entstand die Idee für ein Buch mit Illustrationen zur Gestaltung von Bullet Journals. Schnell wurde mir klar, dass ich alle Inhalte wegen des Urheberrechts selbst erstellen musste. Ich setzte mir das Ziel von 100 Seiten, was rund 1500 Zeichnungen waren. Während des Prozesses stieß ich auf technische Herausforderungen, wie etwa eine zu geringe Druckauflösungen, sodass ich hin und wieder überlegte das Projekt aufzugeben. Trotzdem machte ich weiter und veröffentlichte das Buch. Erst danach stellte ich fest, dass es bereits ähnliche Bücher gab. Rückblickend bin ich froh, dass ich es vorher nicht wusste, da sich mein Buch bis heute verkauft.


    3. Im Bwl-Studium lernte ich nicht Unternehmerin zu sein


    Nach dem Abitur lag der Fokus auf der Erstellung meines Buchs. Parallel schrieb ich mich für BWL ein. Ich hoffte, dort etwas über Unternehmertum zu lernen. Stattdessen wurde uns größtenteils beigebracht, bestehende Unternehmen zu verwalten. Das war zwar hilfreich, aber mich interessierte mehr, wie man ein Unternehmen am besten von Grund auf neu aufgebaut. Mir wurde klar, dass die entscheidenden Fähigkeiten eines Unternehmers im Studium kaum vermittelt werden. Nach zwei Semestern wechselte ich in den Studiengang Wirtschaftsinformatik und engagierte mich in der studentischen Unternehmensberatung JMS, um die praktischen Erfahrungen zu sammeln, die mir im Studium fehlten.


    4. Der Moment, in dem ich meine Leidenschaft entdeckte


    Um herauszufinden, ob ein klassischer Job in Festanstellung zu mir passt, machte ich ein Vollzeitpraktikum in der Beratung. Ich lernte sehr viel, allerdings fühlten sich die Wochen unter anderem meiner Aufgaben geschuldet sehr

    monoton an. Ganz anders war es bei einem Fotoshooting, das ich in dieser Zeit hatte. Zwei Stunden lang war ich voller Energie und Begeisterung. Auf dem Heimweg wusste ich, dass ich mehr Zeit mit Fotografieren verbringen möchte, was nur geht, wenn ich damit Geld verdiene. Daraufhin machte ich mir viele Gedanken, wie ich mein Business starten könnte und besuchte zahlreiche kostenlose Webinare. In einem dieser Webinare war eine Fotografin zu Gast, der ich anschließend auf Instagram folgte. Nach ein paar Wochen hatte sie einen Aufruf in ihrer Instagram Story, dass sie Mitglieder für ihr Foto Team sucht.


    5. Lernen durch Machen statt reiner Theorie


    Was für ein Zufall, dass ich kaum glauben kann, dass es einer war. Ich wurde zum Probeshooting eingeladen und daraufhin in das Team aufgenommen. Das war das beste Coaching, das es für mich geben konnte. Wir hatten regelmäßige Team- und Einzelcalls, in denen wir das Team organisierten und Herausforderungen besprechen konnten. Zunächst unterstützte ich als Second Shooter, aber es dauerte nicht lange bis ich den gesamten Ablauf vom Erstgespräch bis zur Bildauswahl übernehmen durfte. So entwickelten wir uns im Team schnell weiter und wurden besser. Bis heute arbeite ich in diesem Team und schätze besonders die Kultur: Es ist nicht schlimm, wenn etwas mal nicht funktioniert. Der Fokus liegt darauf, mit der Zeit immer besser zu werden und für unsere Kundinnen ein einmaliges Erlebnis zu schaffen.


    6. Wie Netzwerke Chancen entstehen lassen


    Nachdem ich schon drei Jahre bei JMS war, entschied ich mich die studentische Unternehmensberatung als erste Vorsitzende und Vorständin für Public Relations strategisch weiterzuentwickeln. In dieser Zeit machte ich unfassbar viele Erfahrungen, lernte Teamführung und musste mit meinem Vorstandsteam eine Herausforderung nach der anderen bewältigen. Da ich davon überzeugt bin, dass sich im Austausch mit Menschen unerwartet neue Chancen ergeben, fokussierte ich mich in meiner Rolle darauf, wieder in unseren Wirtschaftsnetzwerken aktiv zu werden. Bei einer Netzwerkveranstaltung lernte ich Dr. Bernd Dornach kennen. So ergab es sich, dass ich bei seinem jährlichen Zukunftstag mitwirken konnte und die Vortragsfolien für die Speaker im Pecha-Kucha-Format designte. Pecha Kucha ist ein Vortragsformat aus Japan, bei dem eine Präsentation aus maximal 20 Folien besteht und nicht länger als 20 Minuten dauert. Die Folien dienen lediglich als visuelle Unterstützung für die Tonspur: nicht viel Text, sondern ein aussagekräftiges Bild mit der Kernaussage in einem Satz.

    Das ist das beste Beispiel dafür, was sich alles ergeben kann, wenn man mit Menschen ins Gespräch kommt und sich entscheidet zusammenzuarbeiten, um daraus eine Win-win Situation zu schaffen.


    7. Der finale Schritt in die Selbstständigkeit


    Mit zunehmenden Aufträgen wurde es Zeit, mein Gewerbe anzumelden. Lange hatte ich gezögert, weil mir unklar war, wie ich meine Tätigkeiten einordnen soll. Hätte ich früher gewusst, dass man mehrere zusammenpassende Tätigkeiten in einem Gewerbe anmelden kann, dann hätte ich mir so viele Gedanken gespart. Mit meiner heutigen Erfahrung verstehe ich gar nicht mehr, was das große Problem war. Aber so ist es: Sobald man eine Herausforderung überwunden hat, fühlt sie sich gar nicht mehr so groß an. Heute baue ich mein Business als Fotografin und Content Creatorin weiter aus und bin gespannt, welche Herausforderungen es auf dem Weg noch zu meistern gibt.


    8. Meine wichtigsten Learnings


    Unternehmertum sollte definitiv ein Teil der wirtschaftlichen Ausbildung sein, um ein Gesamtbild der wirtschaftlichen Welt zu vermitteln. Wenn man als Schüler zudem mehr Zeit hätte, sich mit den eigenen Fähigkeiten zu beschäftigen und selbst in die reale Berufswelt einzutauchen, hätte man als junger Mensch ein besseres Weltverständnis und könnte den eigenen Weg leichter finden. Man muss seinen Weg nicht von Anfang an kennen. Entscheidend ist allerdings die Bereitschaft, anzufangen, dranzubleiben, Herausforderungen zu überwinden und daraus zu lernen. Die größte Hürde ist oft die eigene Denkweise, an der man gezwungenermaßen immer wieder feilen muss. Es ist so wichtig, offen für neue Chancen zu sein, neue Menschen kennenzulernen und nach Möglichkeiten zu suchen, wie alle Parteien voneinander profitieren zu können. Zu meinen Erfahrungen im Vorstandsamt könnte ich ein eigenes Buch schreiben, aber was mir in dieser Zeit sehr klar geworden ist Folgendes: Für den Erfolg einer Organisation ist der Beitrag jedes Einzelnen entscheidend. Die Führungskraft beeinflusst zwar die Richtung, aber das Team bestimmt das Ausmaß des Erfolgs.



    Vita Regina Liebler

    • 2020: Veröffentlichung des Buchs „Bullet Journal

    Inspiration“ und Beginn des Bwl-Studiums

    • 2021: Wechsel zum B.Sc. Wirtschaftsinformatik sowie

    Beitritt der studentischen Unternehmensberatung

    JMS Augsburg

    • 2024/02: Vollzeitpraktikum in der

    Unternehmensberatung

    • 2024/05: Beginn meiner Vorstandszeit bei JMS

    Augsburg

    • 2024/08: Fotografin für Personal Branding in einem

    Team aus mehreren Fotografinnen

    • 2024/09: Gestaltung von Vortragsfolien im PechaKucha Format

    • 2024/11: Gründung meines Einzelunternehmens für

    Foto-, Videografie und Design


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  • Beitrag 513/1 - KI Kennzeichnungspflicht nach EU AI Act

    KI Kennzeichnungspflicht nach EU AI Act


    Nils Söder

    Mitglied im Uni Marketing Team


    Was bedeutet die neue Kennzeichnungspflicht für KI-Inhalte – und warum geht uns das alle an?


    Dr. Bernd W. Dornach schreibt in seinem Blog-Beitrag 501/1 über den „Wikipedia-Gedanken” – Information frei verfügbar, kostenlos, ohne kommerzielle Hintergedanken. Genau in diesem Geist möchte ich als Gastautor einen Beitrag leisten, der nicht erklärt, wie toll KI ist, sondern was jetzt rechtlich auf uns zukommt – und wie wir damit umgehen sollten. Denn wer KI nutzt, trägt ab August 2026 eine neue Verantwortung.


    1. Der Rahmen: Was ist der EU AI Act überhaupt?


    Seit dem 1. August 2024 gilt in Europa der EU AI Act – die erste umfassende gesetzliche Regelung für Künstliche Intelligenz. Er tritt nicht auf einen Schlag in Kraft, sondern stufenweise. Das klingt bequem – ist es aber nicht. Denn die relevanteste Frist für die meisten Unternehmen rückt schnell näher.


    2. Die entscheidende Frist: August 2026


    Die Pflicht zur Kennzeichnung KI-generierter Inhalte tritt am 2. August 2026 in Kraft und ist in Artikel 50 des EU AI Acts geregelt. Bis dahin haben Unternehmen noch Zeit – aber wer jetzt nichts tut, wird im Sommer 2026 hektisch nachrüsten müssen. Das ist selten eine gute Idee.


    3. Wer ist betroffen? Fast jeder, der KI beruflich nutzt.


    Die Regelung unterscheidet zwischen zwei Gruppen: Anbieter (Provider) sind Unternehmen, die KI-Systeme entwickeln oder bereitstellen. Betreiber (Deployer) sind Unternehmen, die KI im geschäftlichen Kontext nutzen – zum Beispiel in Marketing, Kundenservice oder HR. Wer also ChatGPT für Newsletter, Midjourney für Produktbilder oder ein KI-Tool im Vertrieb einsetzt – ist betroffen. Und zwar unabhängig davon, ob der Firmensitz in Deutschland oder außerhalb der EU liegt.


    4. Was muss konkret gekennzeichnet werden?


    Wenn eine KI allein oder maßgeblich einen Inhalt erstellt, ist eine Kennzeichnung gemäß Artikel 50 KI-VO notwendig. Die gute Nachricht: Nutzt ein menschlicher Autor einen KIgenerierten Entwurf, überarbeitet diesen und prägt ihn dadurch maßgeblich, entfällt die

    Kennzeichnungspflicht. Dieser Beitrag hier ist ein gutes Beispiel dafür – ich habe ihn selbst strukturiert, formuliert und verantworte jeden Satz. KI war Rechercheassistenz, nicht Autor.


    5. Wie sieht eine gültige Kennzeichnung aus?


    Die Kennzeichnung muss für Menschen verständlich sein – zum Beispiel durch sichtbare Hinweise wie „KI-generiert”, ein Wasserzeichen oder ein Label. Außerdem muss sie für Maschinen lesbar sein, etwa durch technische Metadaten in Dateien (XML, IPTC, EXIF). Zwei Ebenen also – eine für die Menschen, eine für die Systeme. Wer nur ein kleines Label unten rechts einfügt, ist noch nicht fertig.


    6. Was sind die Konsequenzen bei Verstößen?


    Wer KI-Inhalte nicht kennzeichnet, dem drohen Bußgelder bis zu 15 Millionen Euro oder 3 % des Jahresumsatzes. Ich sage das nicht, um Angst zu machen. Aber gerade für KMU, die KI bisher unstrukturiert einsetzen, ist das eine Zahl, die man kennen sollte – bevor es jemand anderes einem erklärt.


    7. Was sollte jetzt im Unternehmen passieren?


    Drei Maßnahmen, die ich jedem empfehle – unabhängig von der Unternehmensgröße:


    Erstens: Erstellen Sie ein KI-Inventar und erfassen Sie alle im Unternehmen verwendeten KIAnwendungen. Nutzen Ihre Mitarbeitenden ChatGPT, Copilot oder ähnliche Tools? Wenn ja: wofür genau?


    Zweitens: Klären Sie Rollen und Verantwortlichkeiten – wer im Unternehmen KI einsetzt und welche Pflichten damit verbunden sind.


    Drittens: Schaffen Sie interne Richtlinien. Nicht als Bürokratie-Akt, sondern als Schutz – für das Unternehmen, für die Mitarbeitenden, und letztlich für das Vertrauen der Kunden.


    8. Mein Fazit: Transparenz ist keine Schwäche


    Ich erlebe in meiner täglichen Arbeit mit KI-Projekten, dass viele Unternehmen KI bereits intensiv nutzen – aber selten darüber reden. Als wäre es ein Geheimnis. Das war vielleicht mal eine Taktik. Ab August 2026 ist es ein Gesetzesverstoß.


    Dr. Dornach schreibt über den „Blick über den Tellerrand” als Leitprinzip dieses Blogs. Der EU AI Act zwingt uns genau dazu: Wer KI nicht nur nutzen, sondern auch erklären kann – wer sagt, was ein Werkzeug ist und was eigene Leistung – der gewinnt Vertrauen. Und Vertrauen ist bekanntlich die härteste Währung im Marketing.


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  • Beitrag 512/1 - Die Unterscheidung zwischen Realität und KI-generierten Inhalten - Wirklichkeitsdetektor im Gehirn kann helfen

    Die Unterscheidung zwischen Realität und KI-generierten Inhalten


    Wirklichkeitsdetektor im Gehirn kann helfen



    Dr. Bernd W. Dornach


    Das menschliche Gehirn ist offensichtlich auf die KI-Offensive vorbereitet. Diese Erkenntnis, um die es in diesem Beitrag geht, macht trotz aller Verunsicherung Hoffnung. Konkret geht es beim Wirklichkeitssinn darum, reale Inhalte im Netz von immer mehr KI-Gespinsten schnell zu unterscheiden. Hinreichend bekannt ist, dass der Markt aktuell von digital erfundenen Wirklichkeiten geflutet wird, die unsere Sinne verwirren. Milliarden von Videos, die uns in den Account gespült werden, enthalten bereits KI-erzeugte Bilder und die Quote der geradezu süchtig darauf wartenden im immer jüngeren Alter steigt.


    Der hier zitierte Beitrag textet dazu: "Angesichts der exponentiellen Zunahme von KI-Posts im Netz kann es kaum einen Zweifel daran geben, dass menschengenerierte Inhalte auf diesen Plattformen schon bald in der Minderheit sein werden." *


    1. Der Beitrag nährt neue Hoffnung aus der Gehirnforschung, dass wir diesem Tsunami nicht wehrlos ausgeliefert sind: "Der Mensch verfügt über einen empfindlichen, gut geschulten und äußerst flexiblen Wirklichkeitssinn", um diese allgegenwärtigen Irritationsversuche von der Realität zu unterscheiden. Die Kognitionswissenschaftlerin Nadine Dijkstra ist diesem Gen bei ihren Experimenten am University College in London auf die Spur gekommen: "Alles spricht dafür, dass wir in unserem Gehirn eine Art Marker haben, an dem wir erkennen können . Eine Art Wirklichkeitsdetektor."


    2. Ein weiterer Hinweis aus diesen Studien zeigt, dass Erfahrungen zum entsprechenden Gehirntraining so unheimlich wichtig für das Überleben sind. Genau diese Entwicklungen sind uns aus dem Forschungs-Projekt zur Generation Beta 2025 bekannt. Auszug aus Dijkstra`s Studienergebnissen um Wirklichkeit von Vortäuschung zu unterscheiden aus dem Tierreich: "Wenn ein Affe zum Sprung ansetzt, simuliert sein Gehirn, wie er am besten zum nächsten Ast gelangen kann. Alles spricht demnach dafür, dass der Affe bei der mentalen Simulation eines Sprungs viele derselben Hirnareale nutzt, die auch beim tatsächlichen Sprung aktiv sind." Dies stellt das Tier allerdings vor ein Problem: "Es muss beides auseinanderhalten. Der Affe muss wissen, wann er sich einen Sprung nur vorstellt und wann er wirklich springt. Wie sein Gehirn dies fertigbringt, ist bisher nicht vollständig verstanden."


    3. Bezüglich der Entwicklung des Gehirns beim Menschen ist eine bewährte besondere Episode von früher interessant, die auch heute noch Gültigkeit besitzt: Das Geschichtenerzählen, wie es manchmal bei Kindern noch vorkommt. Unsere Vorfahren erfanden dazu Geister, Feen und Göttergestalten. "Aufgabe des Gehirns war es, in diesem verwirrenden Spiegelkabinett der Möglichkeiten die Übersicht zu behalten. Was ist Schein, was Wirklichkeit?"


    4. Was das Kind in diesem Fall von klein auf lernt, probiert es im Rollenspiel im Idealfall dann aus.


    "Und irgendwann, wenn das Kind etwas älter ist, begreift es dann, dass der Weihnachtsmann und der Osterhase von Erwachsenen inszenierte Deepfakes sind."


    5. Die gute Nachricht: Im Zeitalter der elektronischen Medien wird der Realitätssinn des Menschen immer wieder auf die Probe gestellt, also geschult. Der Beitrag nennt hier das Headset der Virtual Reality, dass es sogar erlaubt, neue Welten in allen Raumdimensionen zu erkunden. "Bei alldem spielt unser Gehirn bereitwillig mit. Souverän manövriert es uns durch den Irrgarten von Fiktion und Illusion, von dem wir allerorten umgeben sind." 


    6. Und weiter im positiven Denken: "Wir haben also Grund zur Zuversicht, dass es dem Menschen gelingen kann, auch die KI in seinen Alltag zu integrieren, wenn es nicht alles so rasend schnell ginge. Wir hatten ein Jahrhundert Zeit, unsere Seh- und Hörgewohnheiten den elektronischen Medien anzupassen. Der ChatGPT-Schock dagegen ist nicht einmal dreieinhalb Jahre her."

    "Die Schlüsselfrage ist, ob unser Gehirn der technischen Entwicklung hinterherkommen kann."


    7. Wichtige Bedeutung für die Verarbeitung der Eindrücke im Gehirn hat das Quellenmonitoring, um sich im Wirrwarr der Eindrücke zurechtzufinden. Das Gehirn speichert parallel woher die Eindrücke gekommen sind. "Gerade für die Orientierung in der immer komplexeren Welt der Medien ist dieses fortgesetzte, intuitiv ablaufende Monitoring unverzichtbar. Konkretes Beispiel aus meiner eigenen Schulzeit: Ich erinnere mich noch, welche Lehrkraft es bei mir geschafft hat, mich durchs große Latinum zu bringen. Nachweislich war es bei meiner wesentlich jüngeren Frau immer noch derselbe, wie zu meiner Zeit, was uns immer wieder amüsiert miteinander mit Latein-Floskeln zu reden.


    8. Dies nur als kleines Beispiel für die Entwicklungen in einer Zeit, in der die Algorithmen von Facebook, Instagram, TikTok und Co. die Nutzer überfluten, bei denen kaum noch ersichtlich ist, woher sie stammen. "Und wenn diese Fotos oder Clips auch noch im Sekundentakt über den Bildschirm wischen, ist das Gehirn vollends damit überfordert, ihnen jeweils eine Quelle zuzuordnen."


    Unter dem Strich: Die KI-Kennzeichnungspflicht könnte hier eine Hilfestellung bieten, um dem Gehirn die Arbeit zu erleichtern.


    *Grolle, Johann: Sinn für Wirklichkeit, in: DER SPIEGEL Heft 13/2026


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  • Gastbeitrag 511/1 - Rudolf Hausmann - Mediation: – Hilfe zur Konfliktlösung

    Mediation: – Hilfe zur Konfliktlösung


    Rudolf Hausmann


    Wir beginnen da, wo Künstliche Intelligenz endet


    0. Mein Kontakt zu Ihrem Netzwerk „Uni-Marketing“ durch das unglaublich hohe ehrenamtliche Engagement meiner Kollegin Yasmin Mai-Schoger, für das sie ausgezeichnet wird. 


    1. Konflikte erzeugen Kosten in Milliardenhöhe. Sie schaden dem Unternehmen. Sie schaden den Beschäftigten. Die Produktivität geht zurück. Deswegen kann Mediation helfen, Kosten zu vermeiden und die Motivation der Beschäftigten zu stärken.


    Konflikte sind für Unternehmen längst kein „weiches Thema“ mehr. 50 bis über 100 Milliarden Kosten entstehen jährlich durch Konflikte.

    a. u.a. durch erhöhte Fehlzeiten der Beschäftigten mit psychosomatischen Beschwerden, Burnout, Krankheitszeiten, mangelnder Produktivität, inneren Kündigungen, Motivationsmangel, Qualitätsmängel, Fluktuationskosten, Management- und Führungskosten. Demgegenüber sind Mediationskosten verschwindend gering. Mediation erzeugt, wenn sie gelingt, zu allen obengenannten Problemen die gegenteilige - also positive - Wirkung. Das alles ist über KI nachlesbar und recherchierbar – immer mit der Einschränkung, dass alle Quellen gut verifiziert werden müssen.

    b. Zu den betriebs- und volkswirtschaftlichen Schäden entstehen zutiefst menschliche Probleme. Viele haben im Konfliktfall schlaflose Nächte verlieren die Freude an der Arbeit, leben nicht mehr (auch) in der Arbeit, sondern nur noch außerhalb, und selbst da gibt es oft negative Auswirkungen – im Verein, in der Familie etc..

    c. Beispiel: in einer Bank gibt es heftige Probleme in einem spezialisierten Team. Eine Mediation über 2 Tage im Hotel mit 5 Teammitgliedern, Teamleitung und Abteilungsleitung, findet statt. Alle kommen mit der Skepsis, dass eine Lösung fast unvorstellbar sei.

    Es stellt sich heraus, dass die 2 Antagonisten beide in psychotherapeutischer Behandlung sind, was bis dato allen unbekannt war. Beide sitzen sich im Büro gegenüber. Einer ist sehr genau und sehr sorgfältig. Ein anderer ist deutlich jünger und arbeitet viel schneller – aber „quick and dirty“. Das führt zu Streit. „Bauen Sie doch Ihren Bildschirm so hoch, dass Sie Ihren Kollegen nicht mehr sehen müssen“, war der Ratschlag der Psychotherapeutin an einen der Mandanten. Am Ende der zwei Tage sagt der eine: Ich baue meinen Bildschirm wieder ab – der andere: endlich bin ich erkannt: harte Schale, weicher Kern. Und als ich ihn ein halbes Jahr später zufällig in der Bank treffe, frage ich nach seinem Befinden. Die Antwort:“ Sie glauben gar nicht, wie gerne ich wieder arbeite“.. .


    2. Mediation ist dann erfolgreich, wenn es gelingt mit einer positiven Grundhaltung eine Atmosphäre zu erzeugen, in der alle sich öffnen, und damit die Motive und Fähigkeiten gegenseitig erkannt werden.


    Das kann nur gelingen, wenn die Medianden spüren, dass da jemand steht, der eine positive Haltung ausstrahlt – in jeder Sekunde dieses Prozesses. Der die verschiedenen Befindlichkeiten nicht verdeckt, sondern ausdrücklich herausfordert, dass alles auf den Tisch kommt. Und dabei ausstrahlt, dass jede Meinung und subjektive Befindlichkeit ihren Platz hat. Da gibt es keinen Augenverdreher, wenn jemand eine Position äußert, die andere unmöglich finden. Es wird ein Vertrauen hergestellt, das alle schützt und gleichzeitig ermöglicht, auch scheinbar schwierige Dinge auf den Tisch zu legen. Was ist diese Haltung? Sie ist der nicht sichtbare Teil des Mediators oder der Mediatorin. Haltung ist erst einmal unabhängig vom Handeln. Sie ist ein wahrnehmbares Ganzes, das der Mediator bzw. die Mediatorin verkörpert und von den Teilnehmenden auch so wahrgenommen werden kann. Diese Haltung ist nicht beschreibbar, sondern nur erlebbar. Voraussetzung dafür ist immer ein menschenfreundlicher Zugang und hohes Zutrauen in die Teilnehmerinnen. Wie soll eine KI diese Haltung bewirken? Das entstehende Vertrauen, die Freude, seine Dinge einbringen zu können, der Ärger, der ja oft noch da ist, die persönliche Verletzung? KI kennt keine Gefühle, keine erlebten Bedürfnisse. KI kennt, wenn überhaupt, Muster. Muster sind aber nicht die real empfundene Wirklichkeit, um die es geht.


    3. Bei einer erfolgreichen Mediation kommt es darauf an, nicht nur das Verfahren der Mediation zu kennen, sondern die Durchführung zu können. Dazu ist eine umfassende Ausbildung Voraussetzung. 130 Stunden, wie vom Gesetz vorgesehen, ist zu wenig dafür.


    Was ist denn die Mediation? In der Wissenschaftsliteratur und bei allen Mediationsverbänden ist nachzulesen, dass Mediation ein strukturierter Prozess ist – Phase Vertragsabschluss, Phase Themenfindung, Phase Interessensfindung, Phase Lösungsoptionen, Phase Lösungsfindung, Phase Lösungsvereinbarung.

    Dazu kommen die Grundsätze: Freiwilligkeit der Teilnahme, Vertraulichkeit, Lösungsoffenheit, Allparteilichkeit.

    Das in aller Kürze ist leicht darstellbar. Aber auch erlebbar? Leider sind die Mediationsausbildungen von sehr unterschiedlicher Qualität. Derzeit sind 130 Stunden Ausbildungszeit im Bundesmediationsgesetz und der dazu erlassenen Ausbildungsverordnung vorgeschrieben. Dann kann man nach erfolgreichen Fallbearbeitungen und Supervision den geschützten Titel „Zertifizierte(r) Mediator-Mediatorin führen.

    Meiner Erfahrung nach kennen die Teilnehmer die Mediation. Aber können sie Mediation auch? Ich selbst bin Vorsitzender des BzM – Bundesverband zertifizierter Mediator*innen. Unsere Ausbildung dauert ca. 460 Stunden. Begründung: Ein guter Mediator muss nicht nur die Phasen und Grundsätze kennen, sondern sie auch leben. Und dazu gehört ein starker Teil an kommunikativen Kenntnissen, Fähigkeiten, praktizierten Anwendungen. Das System der Mediation ist leicht erklärt, aber umso schwieriger hochqualifiziert anzuwenden. Und das muss der Anspruch sein.


    4. Wer sich freiwillig entscheidet, an einem Mediationsverfahren zu beteiligen, ist nicht schwach, sondern stark.


    Wer fordert eine Mediation ein? Sind das schwache Menschen, die selbst nicht in der Lage sind, ihre Konflikte zu lösen?

    Nein, ganz im Gegenteil. Es gibt immer noch u.a. eine gewisse Scham, zuzugeben, dass man sich in einer äußert schwierigen Situation befindet. In einer Situation, wo der Leidensdruck so groß ist, dass die Suche nach einer Lösung der einzige Ausweg ist. Und wer eine mögliche Lösung in der Mediation sucht, der zeigt nicht Schwäche, sondern Stärke. Nämlich die Souveränität, zu erkennen, welche Probleme man (meist) selbst löst, und wo jemand gebraucht wird, der einem in einem vertraulichen Prozess hilft, aus eigener Kraft zu gemeinsamen Lösungen zu finden.


    5. Wir starten immer mit einem „Fair-Trag“, in dem wir gemeinsam vereinbaren, wie wir in diesem Prozess miteinander umgehen.


    Wie starten wie eine Mediation? Nachdem klar ist, dass wir – die Mediatoren und beide Parteien - zusammenarbeiten wollen, entwickeln wir einen „Fair-Trag“ Da steht dann u.a.:

    - dass wir freiwillig hier sind, dass die Mediation jederzeit von einer Partei und dem Mediator selbst beendet werden kann.

    - dass wir respektvoll miteinander umgehen

    - dass jede und jeder zu Wort kommt - nacheinander - und ausreden darf

    - dass alle Beiträge erwünscht sind

    - dass es nie Schuldzuweisungen gibt, sondern den Blick nach vorne – weil vergangene Konflikte – wie vergossene Milch – nicht zurückholbar sind.

    - dass wir im vertraulichen Raum arbeiten, aus dem keine Information herausgeht und es auch keinen Report an den Arbeitgeber geben wird (es sei denn, es wird ausdrücklich gewünscht, wenn alles gelungen ist).

    - dass der Mediator/die Mediatorin allparteilich ist, und sich nie auf eine Seite schlagen wird. (Das ist die große Herausforderung an den Mediator bzw. die Mediatorin. Denn selbst die subjektive Einschätzung der Teilnehmenden, es gebe doch eine Parteinahme, lässt bereits einen Prozess scheitern, wenn das nicht aufgelöst werden kann.)

    - dass die Mediand*innen für die Lösung verantwortlich sind - der Mediator für den Prozess. Der Mediator oder die Mediatorin wird selbst keine Lösung vorschlagen. 

    Und: dass Störungen vorgehen. Nur wenn jeder Einzelne selbst, die Gruppe insgesamt und das Thema zusammenpassen, kann der Prozess der Konfliktlösung gelingen. Bitte sofort eine Störung melden.

    Wer jetzt der Meinung ist, das sei alles zu kompliziert, sei beruhigt: Der genannte Vorgang des Fair-Trag dauert meist nur wenige Minuten und ist bereits ein Baustein einer ersten Einigung. Darüber gibt es keinen Streit.


    6. Eine Mediation kann nur gelingen, wenn die Teilnehmenden gesehen werden, ihre Gefühle und Bedürfnisse erkannt werden und das alle spüren.


    Welche Methoden werden in den verschiedenen Phasen angewandt? 

    Das Zuhören

    - Die Ich-Botschaften

    - Die Erläuterung und Diskussion, wie ein Konflikt entstehen kann oder entstanden ist

    - Das Herausarbeiten von Gefühlen und Bedürfnissen und vieles andere.


    Wichtig: es darf nie um Technik gehen, sondern eine Methode muss immer authentisch angewendet werden.

    Beispiel gefällig?  Auf die Frage, wie merkt mein Gegenüber, dass ich ihm zuhöre, kommt als Antwort u.a.“ durch Kopfnicken“. Weitere Frage: Ist das immer angebracht? Antwort oft „Ja“. Jetzt sitze ich da und höre meinem Gegenüber zu, verstärke das durch Kopfnicken. Plötzlich unterhalten sich daneben zwei Personen - und ich möchte wissen, um was es da geht. Ich höre ihnen zu und kopfnicke meinem Gegenüber aber weiter zu, obwohl ich ihm nicht mehr zuhöre. Da wird das Kopfnicken zur Technik, zum billigen Trick, zu unauthentischem Verhalten.

    Und das Schlimmste: die Menschen spüren, wenn ich nicht bei Ihnen bin. Eine größere Respektlosigkeit ihnen Gegenüber gibt es kaum.


    7. Bedürfnisse sind allen Menschen gleich. Jeder und jede braucht Anerkennung, Respekt und Wertschätzung. Im Mediationsverfahren findet dies Zustimmung. Es kommt darauf an, herauszuarbeiten, wie jede(r) Einzelne das konkret erfahren kann – darin liegen die Unterschiede.


    Wir arbeiten meist mit einer Methode des Marshall B. Rosenberg. Das ist der (inzwischen verstorbene) Begründer der gewaltfreien Kommunikation.

    Er zitiert einen indischen Philosophen, der sagt, die höchste Form menschlicher Intelligenz bestehe darin, einen Konflikt zu beschreiben, ohne ihn zu bewerten. (Versuchen Sie mal selbst, einem guten Freund einen Konflikt mit jemandem zu erklären, ohne Bewertung. Das wird Ihnen nur schwer gelingen.)


    Wenn das aber im Mediationsprozess gelingt, verständigen sich beide streitende Parteien bzw. Personen auf die entsprechende Situation. Das ist Schritt eins.

    Aus dieser Situation entstanden negative Gefühle – meist gegenseitig. Diese sind nicht Ursache des Konfliktes, sondern lediglich Indikator, dass etwas nicht stimmt.

    Aber was stimmt nicht? Es wurde ein Bedürfnis verletzt. Da gibt es u.a. die Bedürfnispyramide von Maslow, einem der Urheber der humanistischen Psychologie. Er beschreibt die Rangfolge der Bedürfnisse in einem vereinfachten Modell: - existenzielle Bedürfnisse – Bedürfnis nach Sicherheit – Bedürfnis anerkanntes Mitglied einer sozialen Gruppe zu sein – Bedürfnis nach Respekt, Anerkennung und Wertschätzung – Bedürfnis nach Selbstverwirklichung.

    Und als Hypothese – für den Mediationsprozess sehr wichtig: Bedürfnisse sind allen Menschen gleich. Auf dieser Ebene gibt es keine Konflikte mehr, auch wenn der Konflikt vorher auf das Schärfste geführt worden war.

    Keiner wird im Mediationsprozess sagen, er will sein Gegenüber despektierlich behandeln, will ihm die Wertschätzung absprechen, will ihn gar verhungern lassen (existenzielle Bedürfnisse), auch wenn das im Konflikt oft direkt anders empfunden worden war. 

    Es kommt an dieser Stelle darauf an, herauszufinden, wie die einzelnen Personen Respekt, Anerkennung oder Wertschätzung empfinden können. Es geht um die Operationalisierung des oben Ausgeführten in die Praxis. Also zum Beispiel die Frage, was kann ich tun, damit Du spürst, dass ich Dich respektvoll behandle, dass ich Dich wertschätze etc. Und auch: Was ist mir wichtig, dass ich von Dir empfangen möchte.

    Hört sich sehr theoretisch an – hat aber eine unglaublich starke Wirkung – und ist meist Grundlage für Lösungen im Prozess.


    8. Gibt es Unterschiede in den Mediationsverfahren – zum Beispiel bei Familien- oder Wirtschaftsmediation? Natürlich! Aber die Unterschiede sind geringer, als man denkt.


    Gibt es Unterschiede zwischen persönlichen Mediationen und der Wirtschaftsmediation? Natürlich. Aber diese Unterschiede sind sehr viel geringer, als man annehmen möchte.

    Da kommt die Mutter des Chefs einer kleinen Baufirma mit dessen Frau zur Mediation. Sie haben Streit – täglich. Am dritten Abend verabschieden sie sich umarmend. Das haben sie jahrelang nicht mehr gemacht. Und sie sind happy, dass sie wieder miteinander können. 

    Bei Hinausgehen sagen beide übereinstimmend: eigentlich sei der Chef das Problem. Und so erhalte ich den Auftrag, den Chef anzurufen und mit ihm, seiner Mutter und seiner Frau eine Mediation zu initiieren. Diese findet statt und ist erfolgreich. So eng sind Wirtschafts- und andere Mediationen beieinander.

    Es geht immer um Menschen – und die ticken alle gleich. Ob als Chef oder ungelernter Arbeiter: alle haben Gefühle und Bedürfnisse. Alle brauchen Anerkennung und Wertschätzung. Alle brauchen Sinn in der Arbeit und im Privaten.


    Und zu guter Letzt: 


    Eine KI kann diese Prozesse, die Gefühls- und Bedürfnislagen nie erfassen. Sie kann in Mustern agieren, die mit der Wirklichkeit nichts oder wenig zu tun haben müssen.


    Es ist ein Glück, Mediator sein zu dürfen. Fast immer gelingt es, die Parteien zusammenzubringen. Und dann gibt es so oft rührende Happyends. Das ist die Anerkennung, die jeder Mediator und jede Mediatorin braucht.




    Rudolf Hausmann 


    ist 1954 in Blaubeuren geboren und hat dort sein Abitur gemacht. Er hat als Mediator unzählige Mediationen durchgeführt. Er bildet Mediatorinnen und Mediatoren seit 2017 aus – mit Abschluss zertifizierte(r) Mediator(in) mit CAS-Hochschulzertifikat 

    Er hat verschiedene Studien und Weiterbildungen abgeschlossen und ist auch deswegen schwerpunktmäßig im Wirtschaftsbereich tätig:

    • Grund- und Hauptschullehrer (PH); Diplom-Pädagoge (Uni); MBA in Finanzen (Uni); Betriebswirt mit Schwerpunkt betriebliche Altersversorgung (FH); Master of Mediation (Uni).
    • Er war Erzieher; Pädagogischer Leiter, Angestellter bei der Gewerkschaft, Lehrer für Betriebswirtschaft, Abgeordneter im Landtag von Baden-Württemberg, Vorstandsvorsitzender, Gesellschafter-Geschäftsführer.
    • Er leitet Seminare an Hochschulen, Akademien, Volkshochschulen für Betriebswirtschaft, Kommunikation, Arbeitsrecht, Leitungskompetenz, ist gerichtlich zugelassener Rentenberater; IHK-ausgebildeter Rating-Analyst und Anderes.

    Er ist zutiefst überzeugt, dass (fast) alle Menschen einen guten Kern haben und ist überzeugt von ihrer Entwicklungsfähigkeit: In vielen Mediationen hat er erfahren, dass alle das Bedürfnis haben, im Umgang mit Freunden, Kollegen und Leitungsmitgliedern ein gutes Verhältnis zu haben. Geht es um Respekt und Anerkennung finden sich alle wieder, auch wenn die Praxis das oft nicht offenbart oder gar dagegen zu verstoßen scheint.

    In Wirklichkeit wünschen sich alle einen Arbeitsplatz, in dem ihre Fähigkeiten erkannt und gefördert werden. Sie gehen dann gerne zur Arbeit, wenn dies die gelebte Kultur eines Unternehmens ist. So verstehe ich meine Aufgabe (und unsere gemeinsame):  Konfliktkosten minimieren, eine konstruktive und wertschätzende Unternehmenskultur zu unterstützen, eine Situation zu schaffen, in der gerne und motiviert gearbeitet werden kann. Zum Nutzen des Unternehmens, zum Nutzen der Beschäftigten.


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  • Beitrag 510/1 - Plötzlich Autor – Ein Erfahrungsbericht von Yasmin Mai-Schoger - Preisträgerin Förderpreis UNI MARKETING TEAM 2026

    Plötzlich Autor – Ein Erfahrungsbericht von Yasmin Mai-Schoger


    Preisträgerin Förderpreis UNI MARKETING TEAM 2026



    „Denk groß, klein machen es die Leute von allein“ - Am Anfang stand ein einzelner Gedanke


    Von der Vision zum Buch – nicht einfach, aber machbar, dranbleiben ist das Zauberwort. Um es mit meinen Worten auszudrücken: „Denk groß, klein machen es die Leute von alleine“. Ich bin Yasmin Mai-Schoger und schreibe Gedichte, Geschichten, kleine Theaterstücke und ab und zu den ein oder anderen Artikel für Zeitungen oder Gemeindeblätter. Ich bringe Gedanken zu Papier, manchmal sind es meine eigenen, manchmal die der anderen. Am Anfang meiner Geschichten steht zuhören! Zuschauen! Hinschauen! Lernen! Von anderen und von mir selbst. Aus der Geschichte, aus Visionen, aus dem was offensichtlich ist oder zwischen den Zeilen steht.


    Jeder kann schreiben - Von der Schneiderin zur Schreiberin


    Vor dem Schreiben machte ich eine Ausbildung zur Schneiderin, mittlerweile habe ich viele Wege eingeschlagen - von der Produktenwicklerin hin zur Personalentwicklerin – eben, weil das Leben so interessant ist. Und in jedem Abschnitt habe ich etwas gelernt, fachlich aber eben auch über Menschen – übers Schreiben und über mich. Das Schreiben ist für mich viel mehr als nur Gedanken zu Papier bringen. Schreiben ordnet Chaos, Unausgesprochenes, nur Gedachtes, noch nicht in Worte gepacktes. Vervollständigt Ideen, Impulse, Gedankenfetzen. Und schreiben kann jeder! Ein Gedicht, eine Geschichte, seine (!) Geschichte. In meinem Besitz sind mittlerweile über 1200 Gedichte und Geschichten – und alles fing an mit einem einzigen Gedanken an. 


    Der entscheidende Schritt – so nah und doch so fern


    Aus ein paar Worten wurden Geschichten, Texte, Gedichte - sie fanden ihren Weg in Anthologien. Geschichten unter vielen Geschichten. Ein Autor unter Autoren. Den nächsten Schritt wagte ich lange Zeit nicht. Meine Schritte passierten im Kleinen. Im Verborgenen. 

    Ich schrieb für Bekannte, Verwandte, Arbeitskollegen. Und eines Tages für ein Seniorenheim. Dreihundertfünfzig Gedichte fanden den Weg dorthin. Dreihundertfünfzig meiner Gedichte, jeden Tag eines. Jeden Tag ein paar wohlwollende Worte für Menschen, die einsam waren. Zu Zeiten, wo alle irgendwie einsam waren. Und niemand konnte, wie er wollte. Viele waren „von der Außenwelt abgeschnitten“, vereinsamten – waren für sich. Und der Tag war lang. 


    Was macht einen Autor zum Autor? Einen Schriftsteller zum Schriftsteller?


    Irgendwann waren da so viele Gedichte und Geschichten, dass sie in ein Buch passen würden. Doch den Schritt wagte ich nicht. Wie auch? War ich doch keine Autorin, keine Schriftstellerin, kein Dichter, kein Poet. Hatte ich doch nicht gelernt, wie man richtig schreibt. War ich doch lediglich ein Verfasser von kleinen Texten, schrieb Gedichte, brachte einfach nur meine Gedanken zu Papier. Wie konnte ich da ein Buch schreiben?


    Schreiben bringt Menschen zusammen – Geschriebenes ebenfalls


    Und dann schrieb ich irgendwann doch eines! Ein kleines, eines mit nur wenigen Seiten. Ich schrieb es, weil ich bemerkte, dass es Menschen gab, die meine Gedanken hören wollten. Darüber diskutierten. Ihre Gedanken dazutun wollten. Man kam ins Gespräch, tauschte sich aus, philosophierte. Schnell wurde mir klar, schreiben bringt Menschen zusammen. Umso mehr ich mich austauschte, umso mehr schrieb ich. Umso mehr ich schrieb, umso mehr Bücher entstanden. Umso mehr Bücher entstanden, umso mehr las ich. In Seniorenheimen, bei Veranstaltungen, in Jugendhäusern, in Büchereien, in Buchhandlungen. Und immer gab es einen Austausch, lange Gespräche. Und ich lernte Menschen kennen, die gern zuhörten aber eben auch Menschen, die selbst schreiben. Im Kleinen, im Verborgenen, für den Selbstgebrauch. Und Menschen, die schon viel länger als ich schrieben, die schon Bücher veröffentlicht hatten. Wir schickten uns unsere Gedichte – wir inspirierten uns gegenseitig. Eine Art „Gedichte-PingPong“ entstand. Mehrere Werke tauschten ihren Besitzer. Es entstand ein reger Austausch. Regelmäßig! Manchmal täglich!


    Austausch – so wichtig. Oftmals berichteten meine Zuhörer, sie würden so gern Geschichten schreiben oder zumindest kleinere Gedichte.


    Irgendwann eröffnete ich eine kreative Schreibwerkstatt, ich wollte Menschen zum Schreiben motivieren, sie begleiten, sie inspirieren. Auch hier fand Austausch statt – zwischen jung und alt. Scheiben findet generationenübergreifend statt - immer wieder kam ich auch mit jungen Schreibenden ins Gespräch.


    Generation Z - schreiben neu gedacht


    Sie meinen die Jugend schreibt nicht mehr? Sie haben kein Interesse an Texten, an Geschichten, an Gedichten?

    Wir leben in einer hochtechnischen Zeit, somit hat sich das Schreiben gewandelt. Die jüngere Generation schreibt anders. Sie schreiben in Blogs, nehmen an Poetry Slams teil und erstellen von ihren Reisen Reels. Sie veröffentlichen ihre Gedanken auf TikTok. Sie verbinden sich, sie tauschen sich aus. Die Generation Z macht einfach. „Think big“! Oder um es mit meinen Worten zu sagen: „Denk groß, klein machen es die Leute von allein“. Und ich lege los – ohne Konzept, ohne Schreibplan, ohne Gliederung. „Doing by doing“ - „drei Worte“ reichen völlig aus und schon ist die Geschichte gedacht. Nun muss sie nur noch zu Papier gebracht werden. Oder vielleicht auch auf den Bildschirm – ich gehe ja mit der Zeit. 


    Künstliche Intelligenz? Soziale Kompetenz reicht völlig


    Ich gehe mit der Zeit – tausche mich aus, vernetze mich, bringe Menschen zusammen. Nur der Zeitgeist der Künstlichen Intelligenz hat mich noch nicht gepackt. Meine Geschichten entstehen so ganz ohne chat gpt. Das wäre irgendwie nicht ich. Nicht authentisch. Ich möchte meine Erfahrungen weitergeben, mit meinen Worten. Mir ist wichtig, dass es meine Gedanken sind, nicht die eines Algorithmus. Einzigartig, nicht reproduzierbar – in meinem persönlichen Stil, unverwechselbar. Eben ein „echter Mai-Schoger“. Ich bin ein Verfechter der Sozialen Kompetenz – wenn wir diese beherrschen, vielleicht ist dann Platz für Künstliche Intelligenz. Und wer zwischen den Zeilen lesen kann, entdeckt in meinen Geschichten worauf es im Leben wirklich ankommt. Auf das Miteinander. Dem Füreineinander. Das Wahrnehmen. Das Zuhören. Das Hinschauen. Das Zwischenmenschliche. Das über den Tellerrand schauen. Das Selbstreflektieren. Das, was Soziale Kompetenz ausmacht und was KI eben nicht kann. Zumindest noch nicht.

    Aus dem Methodenkoffer Selbstfürsorge nach der 

    Be-your-own-child-Methode Be-y o c © nach einer Idee von Yasmin Mai-Schoger


    Soziale Kompetenz – großes Thema! Wichtiges Thema! Wünschen wir uns doch alle gesehen zu werden, wahrgenommen zu werden. Ein Miteinander auf Augenhöhe. Bei der Arbeit, in der Familie, im Bekanntenkreis. Dafür braucht es Soziale Kompetenz – als Führungskraft, als Arbeitnehmer, als Elternteil; als Autor.

    Manch einer nimmt Dinge wahr, die andere gar nicht bemerken; sie können zwischen den Zeilen lesen, sind aufmerksam, empathisch. Auch ich gehöre zu dieser Sorte Mensch. Die Sorgen und Nöte meines Gegenübers beschäftigen mich, berühren mich, lassen mich nicht los. Ich versuche zu helfen, Lösungen zu finden. Das kennen viele – doch wie damit umgehen? Hier hilft eine einfache und doch wirksame Methode. Die Be-your-own-child-Methode Be-y o c ©.


    Als Elternteil gehört man zu den aufmerksamen, empathischen, fürsorglichen, helfenden Menschen, die sich unermüdlich und voller Inbrunst damit beschäftigen, was dem Kind guttut, Freude macht, es weiterbringt.  Da wird geschaut, dass genug geschlafen wird, dass das Essen ausgewogen, abwechslungsreich und schmackhaft - und vor allem gesund ist. Wir motivieren es zu ausreichender Bewegung und gehen mit ihm an die frische Luft. Wenn das Kind krank ist, tun wir alles daran, dass es wieder gesund wird – beim ersten Anzeichen reagieren wir, steuern wir gegen, schreiten wir ein. Es wird zugehört, hingeschaut, wahrgenommen. 


    Warum tun wir das nicht auch bei uns selbst? Wir kennen uns schließlich am besten, sind uns am nächsten, kennen unsere Bedürfnisse, unsere Ziele und Träume. Gut, manchmal müssen wir vielleicht wieder lernen uns selber zuzuhören, unser eigenes Ich wahrzunehmen und eben erkennen, dass wir vieles selbst beeinflussen können, in unserer eigenen Hand haben, den ersten Schritt einfach nur gehen müssen. „Be-your-own-child!“ Höre auf Dich! Sorge auf Dich! Schau nach Dir! Geh sorgsam mit Dir um, als wärst du Dein eigenes Kind – lebe nach der „Be-y o c -Methode©“. Sei unermüdlich im fürsorglichen Umgang mit dir selbst – schau, was dir guttut, was dir Freude macht und gehe den ersten Schritt! Wir haben nur dieses eine Leben! 

    Und das ist kein Aufruf zum Egoismus – das ist Verantwortung übernehmen, für sich selbst. 


    Und das gilt auch für Autoren! Schreiben ist mehr als einfach nur schreiben. Schreiben ist reflektieren, über den Tellerrand schauen - schreiben heißt Gedanken teilen, Wissen weitergeben. Schreiben – und das darauffolgende Lesen - bringt Menschen zum Nachdenken. Somit darf auch beim Schreiben Soziale Kompetenz einfließen; denn über dem Geschriebenen beugt sich im besten Fall ein Leser, der die Gedanken des Autors aufsaugt, wie ein Schwamm.




    Yasmin Mai-Schoger wurde 1970 in Niedersachsen geboren, studierte an der FH Reutlingen Textiltechnik und arbeitete nach mehreren Fort- und Weiterbildungen langjährig als Personalentwicklerin/Ausbilderin bei einem marktführenden Unternehmen für Elektronik und Unterhaltungstechnik. Später folgten Weiterbildungen in Richtung Mediation (zertifiziert), Moderation und Coaching – welche sie im Anschluss um eine Weiterbildung als LehrMediatorin vervollständigte. Zurzeit arbeitet Frau Mai-Schoger als Projektkoordinatorin in einem generationsübergreifenden Projekt, welches sich zum Ziel gesetzt hat, Menschen für eine „sorgende Gemeinschaft“ zu begeistern, auf die Veränderungen durch den Demografischen Wandel entstehenden Lebenssituationen hinzuweisen. In ihrer Freizeit schreibt Frau Mai-Schoger Gedichte und Geschichten und hat bereits mehrere Bücher im Selbstverlag veröffentlicht. Als Autorin liest sie regelmäßig ehrenamtlich in verschiedenen Institutionen und leitet eine kreative Schreibwerkstatt, ebenfalls ehrenamtlich. Die Themen Einsamkeit und Vereinsamung greift sie immer wieder auf und versucht Menschen zu vernetzen und „an einen Tisch zu bringen“. 



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  • Beitrag 509/1 - Absehbare Umverteilung der Wertschöpfung und Vernichtung des Steueraufkommens durch KI - "Man hätte es wissen können"

    Absehbare Umverteilung der Wertschöpfung und Vernichtung des Steueraufkommens durch KI


    "Man hätte es wissen können"



    Dr. Bernd W. Dornach


    Die Ausrede "Man hätte nichts gewusst" ist bei der Fülle unserer "Gschdudierten" in diesem unseren Lande nicht mehr tolerierbar. Ein aufgeblähter Beamtenstaat im Verbund mit hochdotierten Chief-Officern jedweder Spezialisierung in unserer überall noch Top-Down geführten Wirtschaftswelt hätte "früher aufhorchen" und Verantwortung übernehmen sollen. Von den Politikern "zum Wohl des Volkes" einmal ganz zu schweigen. Das bereits angerichtete Dilemma ist bekannt!


    1. Dass das "Generationenmodell", sprich die Jungen kümmern sich um die Alten, rein soziodemographisch nicht mehr einhaltbar ist, ist seit Jahrzehnten nicht nur den Volkswirten bekannt. Die nicht mehr refinanzierbaren Verwerfungen des "Versorgungsstaates" kommen dazu.


    2. Unsere Ergebnisse des Generation-Z-Panels 2024 sowie der Generation Beta-Problematik 2025 mit entsprechenden Schwerpunkten bei den zurückliegenden Zukunfts-Tagungen sprechen auch bezüglich der bildungstechnischen und soziopsychologischen Entwicklungen eine klare Verwarnung aus. "Ja, dann wird wieder in die Hände gespuckt. Wir steigern das Bruttosozialprodukt" (Song von Geier Sturzflug) steht nicht mehr in der Hitliste. Eher schon "Work-Life-Balance" und "Erfahrungsdefizite". Das "Home-Office" wurde auch nach der Pandemie der Sympathie wegen gleich beibehalten. Der digitale Fortschritt bekam seitdem den "Möglich-Macher-Kick" dazu. Was auf der Stecke bleibt, ist nicht nur Insidern längst bekannt. Stichworte "soziale Verarmung" und die "Einsamkeitsindustrie" haben wir in unserem Blog einschlägig interdisziplinär behandelt.


    3. Auch die Social-Media-Euphorie als Problemlöser dazu ist mit den Fehl-Steuerungs-Mechanismen einschlägig bekannt. Alles erkennbar beispielsweise bei unserer Marketingclub-Veranstaltung jüngst (17.03.2026) mit dem Beispiel eines jungen Start-Ups, fern jeglichen Marketing-Grundlagen Know-Hows. Die nunmehr beginnenden politisch steuernden Maßnahmen mit Handy-Verboten bei Jugendlichen etc. zeigen wiederum inhaltlich das Versagen der Politiker nach obigem Strickmuster "Man hätte nichts gewusst". Gerade heute tickern Meldungen über Millionenstrafen für Social-Media-Plattformen wegen mangelndem Jugendschutz durch die Medien.


    4. Und jetzt kommt die angeblich alles problemlösende KI-Euphorie, vorzugsweise bei denen, die sich ohnehin keiner Verantwortung mehr bewusst sind und sich freuen über die neue Problemlösung, "die alles weiß und kann." Christoph Bornschein (Chief Product and Applied AI Officer bei Capgemini Invent) muss es als Insider an der Front wissen: Es trifft "genuin unvorbereitet, auf das was da kommt." er spricht von einem "katastrophalen Irrtum", wenn KI immer noch unreflektiert als "Add-on zur effizienter werdenden Industriegesellschaft" verstanden wird.


    5. Und massenhaft ehemalige Arbeitsplätze ersetzt. Die Wertschöpfung entsteht bei den KI-Entwicklern und nicht mehr am besteuerbaren Arbeitsplatz. Das verändert das Finanzierungsmodell des (Sozial-)Staates, das Rentensystem, die öffentliche Infrastruktur etc. "KI löst das auf. Sie schafft einen Kapitalismus, der Wertschöpfung ohne den Faktor Arbeit skaliert und damit den Sozialvertrag der Industriegesellschaft strukturell obsolet macht. Sie schafft reale Geldwerte, die aber kaum noch durch Haushalte zirkulieren und kaum Lohnsteuer oder Rentenbeiträge generieren."


    6. Der wegweisende Beitrag spricht in diesem Zusammenhang nicht von Polemik sondern Mechanik: "Die Reichen werden reicher. Das Kapital, das Maschinen besitzt, gewinnt. Die Arbeit, die durch Maschinen ersetzt wird, verliert.


    7. Nahliegende Konsequenz für den verantwortlichen Staat: Die Umschichtung der Steuermodelle wäre eine Maschinen- /Algorithmus-Steuer. (Christoph Bornschein in seinem hier zitierten Beitrag)


    8. Und wieder einmal regieren die Nichtwisser und Ignoranten: "Man scheint ernsthaft zu glauben, die industrielle Erfolgsgeschichte lasse sich ohne große Brüche fortschreiben oder doch zumindest einfrieren, während gleichzeitig diffuse KI-Weltspitzenambitionen verkündet und der Wert der Vollbeschäftigung unter neuen Namen beschworen wird."


    Wie oben geschrieben: "Man hätte es wissen können".


    * Bornschein, Christoph: VORWÄRTS IMMER! Zeit für eine Algorithmus-steuer. Im KI-Zeitalter wir auch der Sozialvertrag der Industriegesellschaft obsolet. Und jetzt? in: manager magazin, April 2026


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  • Beitrag 508/1 - Manipulation durch KI nachgewiesen - Zwei Seiten der Medaille

    Manipulation durch KI nachgewiesen


    Zwei Seiten der Medaille



    Dr. Bernd W. Dornach


    Intensive Nutzer meines Blogs kennen meine Antwort, was mich früh für das Thema Marketing begeistert und nicht mehr losgelassen hat: Vance Packard`s Buch von 1975, Die geheimen Verführer, Der Griff nach dem Unterbewussten in jedermann. *


    Dies aus einer Begeisterung für die zentrale Frage, wie man den Verkauf unterstützen kann. Das war in der Wirtschaftswunderzeit noch nicht ganz so wichtig wie heute. Der Verkäufermarkt (stärkere Position des Verkäufers, mehr Nachfrage als Angebote) hat sich infolge der Industrialisierung schon frühzeitig in den Käufermarkt gedreht (stärkere Position des Käufers, mehr Angebot als Nachfrage).


    Die zweitwichtigste Einflusskomponente meiner Arbeit erfuhr ich durch die Forderungen des Konsumerismus, um die negativen Einflüsse der intensiven Verkaufsbemühungen der Industrie in Grenzen zu halten. Meine erste wissenschaftliche Arbeit dazu trug den Titel "Der Einfluss des Konsumerismus zum Ausgleich der Interessen von Angebot und Nachfrage." Inspirator war der Anwalt und Verbraucherschützer Ralph Nader (Buch "Unsafe at any speed 1965). Seine Aktivitäten führten beispielsweise dazu, dass ab 1976 sechs Jahre aus Sicherheitsgründen bei Überschlag keine Cabrios in USA hergestellt wurden.


    Die nächste große Wegweisung erfolgte durch meine Zeit in der Werbeagentur der Herrwerth & Partner Gruppe. Hier konnte ich neben meinem psychologisch orientierten Forscherinteresse (H&P Zielgruppenforschung) vor allem die Bedeutung des kreativen Denkens kennen lernen. Aus dem Agentur-Motto von Werner Herrwerth resultiert übrigens auch der Titel unseres aktuellen Buches:


    "Wir fangen an zu denken, wo andere aufhören."


    Die Zeit der Priorisierung der Kreativ-Agenturen hat sich bis heute gehalten. Einer der ganz großen in dieser Liga, Jean-Remy von Matt, ist am 14.04.2026 ab 18:00 Uhr zu Gast beim Marketingclub Augsburg mit seinem Buch über die Erkenntnisse aus seinem kreativen Leben.** Meine anfängliche Verortung zum Forschungsprojekt zur Hinterfragung der Auswirkungen der Künstlichen Intelligenz (KI) ging anfänglich auch in die Richtung, dass Zielpersonen mit diesem Mindset individueller Kreativität (IK) der Künstlichen Intelligenz (KI) immer noch überlegen sind. Wie lange gilt diese Ansage noch?


    Zurück auf Null zum Buch von Vance Packard aus dem Jahr 1957: In einer neuen Studie von Forschern der Cornell Tech in New York ließ man mehr als 2500 Teilnehmer Texte zu diversen Themen schreiben. Einige davon mit Unterstützung eines KI-Schreibassistenten, der eine bestimmte Meinung bevorzugte. Dabei zeigte sich, dass die Studenten ihre eigenen Ansichten zunehmend an die Positionen der KI anpassten. Das Phänomen fiel den Probanden nicht einmal mehr selbst auf. Auch der zusätzliche Hinweis, dass der KI-Support voreingenommen sein könnte brachte keine wesentliche Reduzierung des Effektes. Auch der Einfluss mit KI-Informationen vor der Bearbeitung und bei einer Kontrollgruppe während der Bearbeitung wurde untersucht. Resultat: In der Kontrollgruppe, die während des Schreibens Informationen von KI eingespielt bekam, wurden diese sogar häufiger übernommen. "Die zeigte, wie subtil KI Haltungen zu verschieben vermag, selbst wenn Nutzer wissen, dass sie voreingenommen ist, so die Autoren." ***


    Switch auf die aktuelle Zeit, wo die Themen der Zeit von den drei K: Kriege, Krisen und KI dominiert werden, die immer tiefer ineinandergreifen. Alex Dogan zitiert im Pioneer das Gedankenexperiment, wenn die Entscheidung der Maschine über Krieg und Frieden entscheiden soll. Forscher des King`s College London ließen in einer Untersuchung mehrere große Sprachmodelle militärische Kriegsszenarien durchspielen. Das Ergebnis: "In 95 Prozent der Simulationen endete die Entscheidung der Maschine bei einem Atomschlag. Nicht ein einziges System entschied sich für eine Kapitulation. Noch bedenklicher wird dieses Ergebnis, wenn man bedenkt, dass KI längst Teil moderner Kriegsführung ist." ****


    Und auch zum Marketingeffekt gibt Thomas Tuma im zitierten Beitrag gleichzeitig ein Beispiel mit aktuellen Zahlen:


    Europas größter Modehändler Zalando hat ein eigenes KI-Tool entwickelt, das seinen Kunden, die Zalando aufgrund seines digitalen Geschäftsmodelles bestens kennt, maßgeschneiderte Angebote macht. Die im Marketing längst geforderte Individualisierung der Angebote wird damit durch den KI-Einsatz Realität. Umsatzplus im letzten Jahr knapp 17 Prozent auf 12,3 Milliarden Euro. Die Zahl der bestellten Produkte je Lieferung sei im Schnitt um 13 Prozent gestiegen. Die Anzahl der Retouren dagegen um 8 Prozent gefallen.


    Die andere Seite der Medaille: Das Zalando-Logistikzentrum in Erfurt wird Ende September 2026 geschlossen, wovon 2.700 Beschäftigte betroffen sind. Der 2012 eröffnete Standort entspricht nicht mehr den europaweiten modernen Anforderungen einer Neuordnung der Logistikstruktur.


    Dies als weiterer Input für unser Forschungs-Projekt zur individuellen Beurteilung der Faktenlage im Vorspann zu unserer nächsten Zukunfts-Tagung am 16.10.2026.


    * Packard, Vance: Die geheimen Verführer, Der Griff nach dem Unterbewusstsein in jedermann. Ullstein Buch Nr. 402


    ** Von Matt, Jean-Remy: AM ENDE, Erlebnisse und Erkenntnisse aus meinem kreativen Leben. ISBN: 978-3-430-21209-0


    *** Tuma, Thomas: Macht uns KI zu ihren Marionetten, in: FOCUS Plus Briefing vom 13.03.2026, Studie von Mor Naaman.


    **** Alex Dogan, stellvertretende Chefredakteurin, in: The Pioneer vom 14.03.2026


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  • Beitrag 507/1 - Löst KI-Dominanz die Wissensgesellschaft ab? - Ein Bericht mit eigenem Erfahrungs-Hintergrund

    Löst KI-Dominanz die Wissensgesellschaft ab?


    Ein Bericht mit eigenem Erfahrungs-Hintergrund



    Dr. Bernd W. Dornach


    Erlauben Sie mir zur Verortung dieser provokanten Thematik einen Blick zurück, um nach vorne zu schauen.


    Zu meiner Studienzeit gab es schon die Erkenntnis: "Wissen ist, wenn man weiß wo es steht." Die wissenschaftlich orientierte Ausbildung war aber damals -zumindest nach meinen Erfahrungen- schon geprägt durch individuelle Anwendung der Inputs. Also nicht nur ein lehrbuchhaftes Lernen sondern ein themenspezifisches Reproduzieren für die praktische Anwendung. Ich kann nach den Erfahrungen an der Augsburger Reformuniversität mit wirtschafts- und sozialwissenschaftlichem Anspruch nur sagen: "Glück gehabt." Und meine Vita ist individuell, ähnelt aber denen vieler Studienkollegen.


    So habe ich auch früh mein "Geschäftsmodell" entwickelt, Skripten der Vorlesungen zu erstellen und diese den unteren Semestern feil zu bieten. Darin standen neben weiterführender Literatur auch Tipps zur Tickung der Lehrstuhlinhaber und seiner Assistenten, was sich für Prüfungsvorbereitungen sehr bewährte. Die nachträgliche Beschäftigung in schriftlicher Form mit den Vorlesungsinhalten brachte gleichwohl mir selbst den größten Verständnisnutzen sowie entsprechende Lerneffekte. "Wer schreibt der bleibt."


    Besonders wertvoll war dazu mein frühes Engagement als Dozent der Volkshochschule bereits während der Studienzeit, wo ich das Wissen gleich direkt an die Zuhörer auf Basis der Skripten weitergeben konnte. Auf höherer Warte dann beim Aufbau des IHK-Lehrangebotes "Fachkaufmann Marketing". Meine Firma UNI MARKETING (daher die Bezeichnung) habe ich bereits als Student gegründet und später auch Kollegen für Aufträge vermittelt. Der weitere Weg als Assistent am Lehrstuhl wurde abgelöst durch die Marketingleitung eines großen regionalen Handelsunternehmens und als Mitgesellschafter einer Werbeagentur sowie freiberuflicher Trainer, Speaker und Berater. Meist fanden die verschiedenen Engagements überlappend und sogar zeitgleich statt. Aus den früheren Skripten ist meine eigene Schriftenreihe entstanden, in der in diesem Jahr auch mein 11. Band erscheint. Das Raster das wir vermittelt bekommen haben und permanent individuell weiterentwickelt haben, war die Basis.


    Ein Werdegang, mit dem wir gemeinsam auch heute noch ganz gut unterschiedliche Sachverhalte verorten und Problemlösungen anbieten können. Speziell mit den interdisziplinären Kompetenzen durch den sukzessiven Ausbau von Experten im UNI MARKETING TEAM.


    Deswegen trauen wir uns auch aktuell relativ souverän an die Auseinandersetzung mit dem KI-Boom heran und nutzen die neuen Möglichkeiten im Team zunehmend, wenngleich mit kritischem Abstand auf Basis langjähriger Erfahrungen, konstruktiv als Anregung und Support und nie als fertige Problemlösung. Letzteres wäre ein Angriff auf unser Selbstverständnis und die Auflösung von uns selbst.


    Die Relativierung dieser typischen Werdegänge ist aktuell im vollen Gange. Vergleichbar mit einer bipolaren Skala mit drastisch zunehmender Quote der KI-Verlässlichkeiten und Reduktion des eigenen analogen Basiswissens.


    Ein typischer Prozess, den wir bei unserem Forschungs-Projekt zu den Chancen der Generation Beta (2025 geboren) im letzten Jahr herausgearbeitet haben ist die Tatsache, dass gerade die Berufseinsteiger in immer mehr Firmen bereits heute mit zunehmender Tendenz durch KI ersetzt werden können. Anders ausgedrückt: Anfangsstellen, um diese Erfahrungen aufzubauen, fallen weg.


    Und auch folgende Entwicklung ist nicht mehr zu übersehen. KI als selbstlernendes System lernt offensichtlich schneller, als die nachkommende Wissensgesellschaft.


    Immer mehr Unternehmen bereiten sich durch Stellenabbauprogramme im großen Stil heute schon darauf vor. Nachvollziehbar auch als Weg, um die Wettbewerbsfähigkeit sicherzustellen.


    Dass dieser Prozess sich in zunehmenden gesellschaftlichen und gesundheitlichen Konsequenzen abspielt, steht auf einem anderen Blatt.


    Deshalb habe ich im Verbund mit einer Meta-Studie dazu und ausgewiesenen Gastautoren die Initiative zu einem weiteren Buch ergriffen.


    Auch um die Diskussion dazu anzuregen. Wir freuen uns über Ihre Rückmeldungen zu diesem Projekt mit offenem Ausgang.


    service@uni-marketing.de


    Und laden ausgewählte Interessenten gerne zur nächsten Zukunfts-Tagung am 16.10.2026 ein, bei dem das neue Buch vorgestellt wird.


    https://www.unimarketinggroup.de/zukunftstag-2026


    Herzlich Willkommen.


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  • Easy Going Beitrag 506/1 - Zusammenhalt der Generationen - Von den Bienen lernen

    Zusammenhalt der Generationen


    Von den Bienen lernen



    Dr. Bernd W. Dornach


    Das Lebenszyklus-Modell ist im Marketing schon lange bekannt. Insbesondere wird damit meist die Attraktivität der Produkte und Unternehmen im Zeitablauf erklärt. Der Abgesang auf viele Firmen, deren in die Jahre gekommene Unternehmer ihre Hausaufgaben nicht gemacht haben, um sich rechtzeitig auf die Unternehmens-Nachfolge vorzubereiten, ist vielfach beschrieben. Auf der anderen Altersseite die Start-Ups der jungen Generationen, die oft kurze Laufzeiten aufweisen, weil wichtige Basics im Zeitablauf und der Wachstumsphase nicht durchgestanden werden. Ganz zu schweigen von der Dauerdiskussion über die neuen Werte der Generation Z und ff.


    Seltener sind die natürlichen menschlichen Veränderungsprozesse im Zeitablauf eines Lebens Gegenstand der Analyse. Noch seltener die Kooperationsmodelle der Generationen entsprechend dieser Umstände. Wohl bekannt ist allerdings die wachsende Einsamkeit der älteren Generation, wenn Sie "aussortiert" wurden und sich daraus auch mangelnde "Vorsorgungsmodelle" ergeben.


    Vielleicht können wir dabei von den Bienen lernen? *


    Ausgangspunkt der vergleichenden Analyse dieser Inspiration:


    "Der Mensch hat oft Probleme damit, Älteren noch etwas zuzutrauen. Die Biene nicht."


    1. Bienen unterscheiden ihre Aufgaben nach dem Modell der Lebenszyklen mit einer naturkonformen Strategie: Die Jüngsten pflegen als Ammen die Larven. Dafür sammeln die Älteren den Nektar als Blüten und Pollen. Die älteren Bienen sind eigentlich im Endstadium ihres Lebens angekommen und weisen dementsprechend auch Symptome der menschlichen Demenz auf. Ihre biologische Uhr läuft ab.


    2. Kehren diese ehemaligen Versorgungsbienen allerdings zur Pflege zurück, schwächt sich der Alterungsprozess ab oder dreht sich sogar um. Nach Experimenten der Biologin Gro Amdan von der Arizona State University im zitierten Beitrag verändern sich sogar die biochemischen Strukturen der älteren Bienen drastisch. Die Bienen werden nicht fitter, wenn sie sich im Alter schonen. "Pflege ist komplexer als das Sammeln." Während Sammlerinnen bei Ihren Aufgaben allein unterwegs sind, verlangt die Pflegearbeit ständige Interaktion. Und genau das scheint das Gehirn zu schützen!


    3. Bei Menschen ist der Befund ähnlich gelagert: "Wer im Alter Verantwortung übernimmt und sozial eingebunden ist, bleibt geistig fitter. Positive Beziehungen und Kommunikation sind entscheidend."


    4. Bettina Hartmann vom Senior Expert Service weiß "Was man nicht nutzt geht verloren." Die Organisation vermittelt Senioren, die dies annehmen wollen und der Meinung sind "Ich muss jetzt noch was tun, sonst bricht mir zu viel weg."


    5. Typische Aussage dieser Senioren: " Ich habe so viel angesammelt in meinem Leben - ich möchte teilen."


    6. Bei den Bienen stellt sich die Frage gar nicht. "Sie kennen keinen Ruhestand und wohl auch nicht die Vorstellung, dass ihre Erfahrung an Wert verlieren könnte."


    7. Genauso wie bei den Menschen gibt es auch bei den Bienen unterschiedliche Persönlichkeitstypen. Nicht alle sind dazu bereit. "Entscheidend ist auch bei ihnen die Offenheit für die Veränderung." Die Ergebnisse vieler Studien meines Instituts bestätigen dies als größtes Problem in unserer Gesellschaft deutlich


    8. Bettina Hartmann fordert dazu:


    "Auch die Arbeitgeberseite sollte Bedingungen schaffen, unter denen ältere Menschen noch Spaß haben, zu arbeiten. Wir sollten uns also nicht fragen, wieso wir so früh aufhören, Älteren wirkliche Herausforderungen zuzutrauen - sondern ihre Erfahrungen auch als eigene Ressource sehen." 


    * Stratmann, Lenja: VON DIR LERNEN. Hey, Oma: Kannst Du mir bitte dabei helfen! In: ZEIT WISSEN, Nr. 02/2026



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  • Beitrag: 505/1 - Quintessenz: Die wichtigsten Aussagen der besten Bücher aus Dr. Dornach`s Archiv - Edward de Bono`s DENKSCHULE. Zu mehr Innovation und Kreativität

    Quintessenz: Die wichtigsten Aussagen der besten Bücher aus Dr. Dornach`s Archiv


    Edward de Bono`s DENKSCHULE. Zu mehr Innovation und Kreativität *



    Dr. Bernd W. Dornach


    Die hier besprochene Publikation ist als englische Version in einem Londoner Verlag erstmals vor ziemlich genau 40 Jahren erschienen. In der deutschen Version 10 Jahre danach 1995 als Sonderausgabe im Orbis-Verlag.


    Die Besprechung mit ausschnittsweiser Zitation im bewährten 8-Punkt-Format erfolgt auch mit dem Seitenhieb auf die vielen "gutgemeinten Ratschläge" den Altbestand über Bord zu werfen und sich den vielen aktuellen Veröffentlichungen dazu zu widmen (noch der bessere Tipp!) oder sich der Einfachheit halber auf die KI zu verlassen (der wesentlich schlechtere Tipp!).


    Ich zitiere ausschnittsweise aus einem vorderen Kapitel mit der Überschrift "Der Denker", den wir symbolisch nach einer der bekanntesten Werke von Auguste Rodin von 1906 auch für unsere Urkunden zum Förderpreis verwenden.


    Damit beantwortet de Bono kurz und bündig die neu von mir aufbereitete Frage: 


    Wie könnte man einen effektiven Denker definieren?


    1. An seiner Absicht: Als jemand, "der sein Denken willentlich einschalten und bewusst in jede von ihm gewünschte Richtung lenken kann."


    2. An seiner Vorgehensweise: Als jemand, "der sein Denken kontrolliert und nicht einfach von Idee zu Idee, von Gefühl zu Gefühl wandert."


    3. An seiner Definitionsfähigkeit: Als jemand, "der seine Denkaufgabe genau definieren und sich dann an die Durchführung machen kann."


    4. An seiner Einstellung: "Denken vermittelt ihm ein freudiges Gefühl, auch wenn er einmal nicht so erfolgreich ist. Er ist zuversichtlich und entschieden, aber gleichzeitig auch bescheiden."


    5. An seiner Zurückhaltung:  "Er erkennt, dass jede Annäherung nur eine von vielen Möglichkeiten ist, wobei er die meisten überhaupt nicht in Betracht zog."


    6. An seiner Bodenhaftung: "Er schwelgt nicht in übermäßiger Intellektualisierung, ist nicht übertrieben kritisch oder zittert vor Unentschlossenheit... Arroganz stellt für ihn die größte Denksünde dar."


    7. An seiner Zielorientierung: "Nach Abschluss seines Denkvorgangs ist er in der Lage herauszufinden, welchen Fortschritt er nunmehr erzielte. Auch wenn er zu keiner zufriedenstellenden Antwort gelangt, lernt er doch, sich mit dem Erreichten zu bescheiden."


    8. An seiner Offenheit: "Er ist sich bewusst, was getan werden muss, auch wenn er selbst nichts unternehmen kann."


    Und insgesamt immer offen mit dem Blick über den Tellerrand und dem Bewusstsein für die Notwendigkeit des Denkens auch von seinem Umfeld: 


    "Er beobachtet die Denkweise anderer, und zwar nicht, um deren Fehler herauszufinden, sondern eher wie ein Kartograph, der das Terrain erkundet."


    Letztlich also eine ganz bewährte Strategie von einem der großer Kreativitätsforscher zum Titel unseres neuen Buches.


    "Wir fangen an zu Denken, wo KI aufhört." 


    Auch gut geeignet zum Gehirntraining für Selberdenker und bewußtem Umgang fremder Quellen wie KI.


    * De Bono, Edward: DENKSCHULE. Zu mehr Innovation und Kreativität. ISBN: 3-572-00695-3


    Eine frühe Würdigung erfährt de Bono´s Werk bei: Kotler, Philip und Trias de Bes, Fernando: LATERALES MARKETING FÜR ECHTE INNOVATIONEN, Auf Abwegen zum Erfolg. ISBN: 3-593-37566-4



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  • Beitrag 504/1 - Ausschreibung Förderpreis UNI MARKETING TEAM

    Ausschreibung Förderpreis UNI MARKETING TEAM


    Die Förderpreise des UNI MARKETING Teams werden für besonders inspirierende Beispiele im Umfeld der Forschungs-Projekte unseres Instituts verliehen. 


    Die Bewerber werden von den Experten der jährlichen Zukunfts-Tagungen vorgeschlagen und dort mit einer Laudatio und Urkunde ausgezeichnet.


    Auf Basis der Tagungsergebnisse werden die Preisträger durch ausgewählte Referenten unseres Teams mit einer Anfangsberatung unterstützt.


    Ziel der Initiative ist es, die Verzahnung der wissenschaftlich orientierten Forschungs-Projekte mit der konkreten Umsetzung in der Praxis hervorzuheben. 


    Die nächste Auszeichnung erfolgt bei der Zukunfts-Tagung am 16.10.2026 zum Schwerpunkt der kritischen Auseinandersetzung mit den Chancen und Gefahren der Künstlichen Intelligenz.


    Dazu wird auch wieder ein neues Buch unserer Schriftenreihe erscheinen: https://www.unimarketinggroup.de/buecher


    Für Rückfragen steht zur Verfügung: Dr. Bernd W. Dornach, UNI MARKETING Institut, Postfach 102543, 86015 Augsburg, Mail: service@uni-marketing.de


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  • Gastbeitrag 503/1 - "Die Städte sind für Dich gebaut ..." (Bert Brecht) - Einladung zum Gespräch über Städte, Medien und Politik - am 11. Februar 2026

    "Die Städte sind für Dich gebaut ..." (Bert Brecht)


    Einladung zum Gespräch über Städte, Medien und Politik


    Nachgang zu unserer Veranstaltung "Die dritten Orte" bei den Zukunfts-Tagungen am 10.10.2025 im CARDAMOCCA


    Bert Brecht hat sich ausgiebig mit den Lebensbedingungen in den Städten befasst. Doch wie aktuell sind seine Beobachtungen? Darüber spricht Moderator und Brecht-Experte Günter Berg mit drei Experten, die sich täglich berufsmäßig mit städtischen Alltagsgeschäften beschäftigen: Als Politikerin im Bundestag und in den Medien-Redaktionen in Augsburg und München.


    Von Brechts Texten und Gedichten ausgehend diskutiert die Experten-Runde, was lebenswerte Städte heute ausmacht und vor welchen baulichen, ökologischen und sozialen Herausforderungen Stadt- (und Speckgürtel-) Bewohnerinnen und Bewohner heute stehen. Und welche Rolle die Bürgerinnen und Bürger spielen (sollten).


    Bericht von Nils Söder


    1. Ausgangsfrage: Wie „artgerecht“ sind unsere Städte heute?


    Bertolt Brecht hat früh gefragt, unter welchen Bedingungen Menschen in Städten leben, arbeiten, hoffen – oder scheitern.


    Die Veranstaltung „Die Städte sind für dich gebaut – Brecht im Gespräch über Städte, Medien und Politik“ nimmt diese Frage auf und überträgt sie konsequent auf die Gegenwart von Augsburg und seinem Umland.


    2. Forschungslabor Stadt: Bayernkolleg als Bühne für Zukunftsfragen


    Der Ort ist klug gewählt: Das Bayernkolleg Augsburg – eine Schule für Erwachsene mit eigener Transformationsgeschichte – wird zur Bühne für ein Stadtlabor im Brecht’schen Sinne.


    Hier diskutieren Expertinnen und Experten nicht theoretisch „über“ Stadt, sondern aus ihrer täglichen Praxis in Politik, Verwaltung und Medien heraus.


    3. Drei Perspektiven auf Stadt: Politik, Verwaltung, Medien


    Auf dem Podium treffen sich eine Bundestagspolitikerin, Fachleute aus der Kommunalverwaltung und Redaktionen aus Augsburg und München.


    Sie bringen jene Spannungsfelder mit, die wir aus unserer Forschung zu Innenstadtentwicklung, Handel und urbanem Lebensgefühl kennen: bauliche Verdichtung, soziale Spaltung, Mobilität, Klimadruck – und die Frage, wer in der Stadt überhaupt noch gehört wird.


    4. Die Rolle der Bürgerinnen und Bürger: Zuschauer, Statisten – oder Mitregisseure?


    Von Brechts Texten ausgehend fragt der Abend, welche Rolle Bürgerinnen und Bürger heute in der Stadtentwicklung spielen sollen – und tatsächlich spielen.


    Aus Marketingsicht ist das die Schlüsselfrage: Bleibt Stadtgestaltung ein „Top down Projekt“ oder gelingt die Transformation zu einer echten Mitmach Bühne, in der aus Konsumenten von Raumgestaltungen aktive Co Produzenten des urbanen Lebensgefühls werden?


    5. Medien als Stadtmacher: Wie Bilder von Stadt unser Verhalten steuern


    Mit Peter Müller, Chefredakteur der Augsburger Allgemeinen, sitzt ein zentraler „Stadtbild Gestalter“ auf dem Podium.


    Wie Medien Stadt zeigen – als Konfliktraum, Möglichkeitsraum oder „Problemzone“ – beeinflusst, wie Menschen in Augsburg investieren, bleiben, wegziehen oder sich engagieren; genau hier knüpfen unsere eigenen Beiträge zu Innenstadt, Handel und Markenprofilierung an.


    6. Brecht und Augsburg: Vom Brecht-Shop zur Stadtmarke


    Dass der Vorverkauf über die Buchhandlung am Obstmarkt läuft, ist kein Zufall: Sie beherbergt den weltweit einzigartigen Brecht Shop und ist Herzstück der „Brecht Meile“ in der Innenstadt.


    Augsburg nutzt dieses Erbe zunehmend strategisch – als kulturelles Alleinstellungsmerkmal, als emotionalen Anker im Städtemarketing und als Symbol für kritische, aber lebensbejahende Urbanität.


    7. Musik, Text, Diskussion: Orchestrierung statt Einzelmaßnahmen


    Mit Moderator und Brecht Herausgeber Günter Berg sowie Live Musik von Klarinette, Saxophon und Kontrabass entsteht ein bewusst orchestrierter Abend.


    Das Format selbst wird damit zum Lehrbeispiel für modernes Marketing: Inhalte, Personen, Räume und Emotionen werden so verknüpft, dass ein Erlebnis mit Nachhall entsteht – weit über den Veranstaltungstermin hinaus.


    8. Impulse für das „Marketing der nächsten Stadt-Generation“


    Aus Sicht unserer Forschung zur Zukunft der Innenstädte, Markenführung und Lebensqualitäts Indikatoren stellt dieser Abend mehr dar als „Kulturprogramm“.


    Er liefert konkrete Denkanstöße, wie Städte wie Augsburg ihre Rolle neu definieren können: als lernende Organisationen, die Brechts Fragen nach Gerechtigkeit, Teilhabe und Lebensqualität ernst nehmen – und daraus ein zeitgemäßes, glaubwürdiges Stadt Marketing entwickeln.


    11. Februar um 19:30 - 22:00

    Bayernkolleg Schillstraße 100, 86169 Augsburg


    Ein Gespräch über aktuelle Politik, über das Stadtleben und natürlich auch über Bert Brecht.


    Vorverkauf: Buchhandlung am Obstmarkt, Tel. 0821/ 518804, Eintritt: 15,- €


    https://www.buchhandlung-am-obstmarkt.de/veranstaltungen/




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  • Beitrag 502/1 - Früher Blick über den Tellerrand im Handel - Weichenstellungen des Aldi-Clans bereits in den 70er Jahren

    Früher Blick über den Tellerrand im Handel


    Weichenstellungen des Aldi-Clans bereits in den 70er Jahren



    Dr. Bernd W. Dornach


    Es gibt wohl keine Branche, die aktuell nicht vor den notwendigen Veränderungsprozessen steht. Oft sind Maßnahmen unter Zwang strategisch weniger erfolgreich, als frühzeitige Weichenstellungen. Von den Erfahrungen in guten Zeiten ganz zu schweigen. Wir von UNI MARKETING schätzen aus diesem Grund schon immer die Devise "lieber zwei Schritte zu früh als einen Schritt zu spät." Zurückgeblieben ist ein Reservoir von nicht umgesetzten Maßnahmen und nicht realisierten Konzepten. Zum aktuellen Status Quo möchten wir auch behaupten, dass KI-Empfehlungen in dieser Liga eher noch nicht vergleichbar sind. Und wir sammeln für unseren als Think-Tank gedachtes Konzept der Zukunfts-Tage mit unserem Team bevorzugt solche Ideen mit dem Blick über den Tellerrand. 


    Berichte und Denke zur Nachahmung empfohlen. Gerne mit Ihrem Bericht im Blog und Herzlich Willkommen zu unserer nächsten Zukunfts-Tagung am 16.10.2026.


    Hier dazu ein Bericht über ein Konzept aus dem LEH, dass auch wir trotz intensiver Marktbeobachtung bisher nicht auf dem Schirm hatten. Entdeckt in einem Bericht im aktuellen manager magazin mit dem Titel: 


    "DER HIPPIETRAUM DER ALDI-FAMILIE" *


    1. Die Gebrüder Aldi haben mit der systematischen Perfektion der Discount-Idee im Handel Geschichte geschrieben. Bereits Ende der 70er-Jahre machte der Aldi-Clan durch die Übernahme von Trader Joe`s in Kalifornien wohl den besten Deal, der auch vielen Insidern entgangen sein dürfte - heute aber als Konzept auch für Europa taugen könnte? Daher dieser Beitrag.


    2. Der Kultstatus von Trader Joe`s hat viele Influencer inspiriert. Natascha Fischer folgen fast zwei Millionen Menschen auf ihrem Instagram-Account "TraderJoesList", auf dem sie fast täglich neue Produkte aus dem Sortiment ausprobiert und bewertet. Geld bekommt sie von Trader Joe`s keines, weil es die Supermarktkette nicht nötig hat.


    3. Die Performance von Trader Joe`s mit dem Kultstatus schreibt sich so: Ständig wechselndes Sortiment, bunt gestaltete Läden mit Karibikmotiven, dazu passend mit Karibikhemden bekleidete Verkäuferinnen zu deren Job explizit auch der Small Talk mit der Kundschaft gehört. Damit hat sich die Marke nach dem amerikanischen Handelsexperten Errol Schweizer "eine echte Gefolgschaft" aufgebaut, ein Phänomen, worüber kein Wettbewerber in der Form verfüge. In New York oder London sind die Einkaufsbeutel aus Baumwolle begehrte und teils teuer gehandelte Modeaccessoires. Städte betteln in der Firmenzentrale im kalifornischen Monrovia regelmäßig um die Ansiedelung einer Filiale, um einzelne Viertel aufzuwerten. Dem Aldi-Clan ist seitdem das Kunstwerk gelungen, neben ihrer Stammmarke Aldi Nord eine hochprofitable Zweitmarke als "Anti-Aldi" mit zuletzt 622 Filialen aufzubauen, die im vergangenen Jahr wieder zum beliebtesten Supermarkt in Amerika gekürt wurde.


    4. Der uns aus seinen geschätzten Veröffentlichungen zur Aldi-Erfolgsstory bekannte Dieter Brandes, aus denen ich viele Studieninhalte und Vorträge ableiten konnte, hat den Coup damals im Auftrag von Theo Albrecht eingefädelt, der die Rechte für das Amerika-Geschäft seinem Bruder Karl Albrecht abgetreten hatte und der als Aldi Süd 1976 die erste US-Filiale eröffnete. Zukäufe waren Theo Albrecht aber nicht verboten. Dieter Brandes handelte nach dem dreifachen der ursprünglich gebotenen Summe auch den vom Verkäufer geforderten Deal aus, dass nichts am Konzept geändert werde. Der Gründer Joe Coulombe beteiligte die Mitarbeiter am Unternehmen, setzte diese unterschiedlich ein und bezahlte sie überdurchschnittlich gut. Ein reines Invest, dsas getreu der Aldi-Tradition extrem verschwiegen blieb.


    5. Ganz in Aldi-Gangart verzichtet auch Trader Joe`s auf Schnickschnack, allerdings gekonnt ohne den Billigcharme zu versprühen. Auch bei den Spirenzchen der Wettbewerber mit Experimenten hält sich Trader Joe`s zurück und bleibt in seinem Angebotskonzept ziemlich konsequent. Als Systemmerkmal wandelt sich das Sortiment allerdings permanent. Auf bekannte Marken wird weitestgehend zu Gunsten von lukrativen  Eigenmarken verzichtet. Und dabei wird konsequent auf ein Produkt statt mehrerer Alternativen gesetzt, das vorher durch dezidierte Geschmackstests von besonders qualifizierten Testpersonen geprüft wird. Der deutsche Handelsexperte Carsten Kortum wird im Beitrag mit der Aussage zitiert: "Die emotionale Anziehungskraft von deren Eigenmarken ist einzigartig."


    6. Obwohl ein professionelles Einkaufs- und Distributionssystem ("Optimierung bis ins Detail") dahintersteckt, wirkt Alles eher wie ein Garagenflohmarkt und selbst gemacht, sehr chaotisch und kreativ. Das Ergebnis überzeugt: Trader Joe`s verkauft im Quadratmeterumsatz mehr als jeder andere US-Lebensmittelhändler mit verhältnismäßig hoher Personalquote.


    7. Bessere Entlohnungen als der Branchendurchschnitt ziehen auch bessere Leute an. Eine ganz natürlich nachvollziehbares Erfolgsmodell erlebt auch hierzulande trotz KI bedingter Kündigungswellen so langsam eine Wiedergeburt, wie Andrea Wenzel in einem Beitrag in der Augsburger Allgemeinen gerade aufzeigt.**


    8. Den inspirierende Beitrag im manager magazin schließt die Autorin Mirjam Hecking mit der Vermutung, dass der Erfolg vielleicht auch das europäische Aldi-System einmal ergänzen könnte. Das sehe ich ganz genau so! Zu wünschen wäre es in Zeiten der ausufernden Konzentration auf den Preiswettbewerb und austauschbarer Angebote für eine besondere Anspruchsgruppe auf jeden Fall. Und die Erlebnisqualität der Innenstädte würde sich in den Discount-Schlachten mit Döner- und Pizza-Offerten an jeder Ecke auf jeden Fall verbessern. 


    * Hecking, Mirjam: DER HIPPIETRAUM DER ALDI-FAMILIE, in: manager magazin 02/2026


    ** Brandes, Dieter: Die 11 Geheimnisse des ALDI-Erfolges, ISBN: 3-593-37294-0, sowie: Konsequent einfach, die Aldi Erfolgsstory, ISBN: 3-453-15525-4


    ** Wenzel, Andrea: Weniger Arbeitszeit, mehr Gehalt - warum diese Augsburger Chefs ihren Angestellten etwas gönnen, in: Augsburger Allgemeine vom 18.01.26


    Korrespondierende Beiträge zum Aldi-Prinzip im Blog unter den Nummern 178/1 sowie 058/1 sowie zur Attraktivität der Flohmärkte unter der Nummer 080/1.


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  • Beitrag 501/1 - Wikipedia 25 Jahre am Markt - Vom Gestern für Morgen lernen

    Wikipedia 25 Jahre am Markt


    Vom Gestern für Morgen lernen



    Dr. Bernd W. Dornach


    Die Digital-Enzyklopädie Wikipedia ging vor 25 Jahren mit einem Geschäftsmodell an den Start.


    Das Internet als ein friedlicher Ort des Lernens von erfahrenen und verantwortungsvollen Experten ohne politische Machtansprüche.


    Weniger zur unreflektierten Übernahme der Inhalte sondern zur eigenen Inspiration und zum Weiterdenken.


    Gedacht als neuer qualifizierter Sparringpartner, zusätzlich zu anderen häufig noch analog daherkommenden Informationsquellen.


    Ordentliche Zitation im wissenschaftlichen Sinne war damals noch eine Selbstverständlichkeit. Die weiterführenden Quellen bei Wikipedia eine Herausforderung für die Profis, die in die Tiefe gehen wollen.


    Kein Platz für den heutigen Stand der technischen Weiterentwicklung mit Abgriff individueller Daten und Algorithmen zur Manipulation diverser Interessen. Aus Prinzip Gemeinnützig, kostenlos und offen für Alle. World Wide Web (www) in 300 Sprachen. Ohne staatliche Zensur und kapitalistischen Interessen.


    "Die Befürchtungen, dass die Menschen fortan nur noch Halbwissen zu lesen bekommen, weil keine bezahlten Fachleute mehr daran arbeiten, hat sich nicht bewahrheitet. Die Wikipedianer recherchieren und schreiben nicht nur, sie betreiben auch Selbstkorrektur."


    Wikipedia hat überlebt, obwohl das Internet mit immenser Reichweite von wenigen großen Portalen und als Geschäftsmodell von den wertvollsten Unternehmen der Welt Meta, Alphabet und Amazon als Plattform-Anbieter monopolistisch dominiert wird.


    Die Inspirationen zu diesem Beitrag von Feuilleton-Chef Richard Mayr der Augsburger Allgemeinen titelt er so:


    "Die Konzerne haben das Netz in eine Droge verwandelt."*


    Die Algorithmen sind bei KI heute so angelegt, dass möglichst viel Zeit auf die Beschäftigung damit entfällt und sich daraus Verhaltenskonsequenzen, wie beispielsweise Handels- und Dienstleistungsumsätze generieren lassen. Richard Mayr zitiert eine repräsentative Digitalstudie für das Jahr 2025, die eine durchschnittliche Nutzungsdauer der Informationen auf den Smartphones von 72 Stunden pro Woche ergibt. Das sind rechnerisch unfassbare zehn Stunden pro Tag. 


    Zwischenergebnis von Richard Mayr: Die Idee Wikipedia könnte Mut machen. "Eine andere digitale Welt wäre ja immer noch möglich - offen, gemeinnützig und am Wohl des Menschen orientiert. Was spricht eigentlich dagegen?"


    * Mayr, Richard: Von Wikipedia können wir lernen, wie der digitale Raum sein könnte, Kommentar in:  Augsburger Allgemeine vom 14.01.2026



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